Organspende-Skandal:

Verteidiger verlangen Freispruch für Chirurgen

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Der Prozess um den Organspende-Skandal geht in die Schlussphase.

Göttingen - Die Verteidigung will Freispruch. Die Staatsanwaltschaft fordert acht Jahre Haft. Im Transplantations-Prozess muss jetzt das Landgericht Göttingen über den angeklagten Chirurgen urteilen.

Im Prozess um den Organspende-Skandal an der Göttinger Universitätsmedizin hat die Verteidigung Freispruch für den angeklagten Arzt gefordert. Es gebe „keine tragfähigen Beweise“ für die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft, sagte Anwalt Steffen Stern am Mittwoch vor dem Landgericht Göttingen. Der ehemalige Leiter der Göttinger Transplantationsmedizin habe sich in keiner Form schuldig gemacht. Er verlange deshalb auch eine Entschädigung für die elfmonatige Untersuchungshaft.

Die Staatsanwaltschaft hat für den Chirurgen acht Jahre Haft und ein Berufsverbot gefordert. Sie hält den 47-Jährigen des versuchten Totschlags in elf und der Körperverletzung mit Todesfolge in drei Fällen für schuldig. Er soll seinen Patienten durch manipulierte medizinische Daten vorzeitig zu Spenderorganen verholfen und damit den Tod anderer schwer kranker Patienten in Kauf genommen haben. Außerdem habe er drei Menschen ohne ausreichenden Grund Lebern verpflanzt. Diese Patienten waren später gestorben.

Die Verteidiger warfen der Anklägerin vor, das Ergebnis der Beweisaufnahme verzerrt dargestellt und alle entlastenden Aussagen und Gutachten außer Acht gelassen zu haben. Der Arzt habe sich nichts zuschulden kommen lassen, sagte Stern. Zudem gebe es nach wie vor keine rechtliche Grundlage für die Anklage.

Der Verteidiger erinnerte daran, dass dem Arzt ursprünglich Korruption vorgeworfen werden war, weshalb der Fall bei der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte in Braunschweig landete. Doch diese habe sich in einer Art „Wagenburg-Mentalität“ verrannt. Beweise für Manipulationen des Arztes gebe es jedenfalls nicht. Indem sie anderes behaupte, zeichne die Staatsanwaltschaft „ein Zerrbild der Beweisaufnahme“.

Dass dem Arzt zur Last gelegt wird, auch alkoholkranken Patienten Lebern übertragen zu haben, obwohl diese noch keine sechs Monate abstinent waren, wie es eine Richtlinie der Bundesärztekammer verlangt, erzürnt den Anwalt besonders. Die Ärztekammer habe nicht die Kompetenz, ein bestimme Patientengruppe von Transplantationen auszuschließen, sagte Stern. Hier werde ein Arzt verfolgt, „der Menschenleben gerettet hat, die nach den Richtlinien nicht gerettet werden durften“. Eine Richtlinie sei zudem kein Gesetz. Damit dürfe ein Verstoß - anders als es die Staatsanwaltschaft glaube - auch nicht mit dem Strafrecht geahndet werden. Dass der Arzt sich des versuchten Totschlags schuldig gemacht haben könnte, sei jedenfalls nur „eine fixe Idee“.

Verteidiger Jürgen Hoppe warf der Staatsanwaltschaft vor, den Angeklagten auf der Basis falscher Behauptungen als „gewissenlosen Gangster“ darzustellen. Der Chirurg habe auch in keinem der drei angeklagten Fälle von Körperverletzung mit Todesfolge irgendetwas Strafbares getan. Entgegen der Darstellung der Staatsanwaltschaft hätten die drei schwer kranken Patienten Spenderlebern gebraucht. Sie seien auch korrekt aufgeklärt worden und mit der Transplantation einverstanden gewesen.

Der Angeklagte bedankte sich in seinem „letzten Wort“ beim Gericht für den „fairen Prozess“. Auch er verlangte einen Freispruch. Das Urteil soll am 6. Mai verkündet werden.

dpa

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