Corona in Deutschland

Drosten über Omikron: „Ab Januar werden wir ernste Probleme haben“

Die Omikron-Variante breitet sich weiter aus – und ist für Christian Drosten ein Grund zur Sorge. In Niedersachsen gibt es weiter Probleme bei der Datenübermittlung.

Berlin/Hannover – Wie kommt Deutschland durch den weiteren Verlauf der Pandemie und wann endet der Ausnahmezustand? Nach knapp zwei Jahren Corona in Deutschland fragen sich nicht wenige Bürger, wann wieder Normalität im Alltag einkehren wird. „Das wird aufhören“, sagte Charité-Virologe Christian Drosten bereits am Donnerstag, 9. Dezember 2021, in einem Tagesthemen-Interview in Bezug auf die Corona-Pandemie in Deutschland.

Doch der Experte machte auch deutlich: Es ist noch nicht klar, wann es so weit sein wird – das liegt nicht zuletzt an der neu entdeckten Omikron-Variante*.

Krankheit:Coronavirus, Covid-19
Krankheitserreger:SARS-CoV-2
Vorkommen:Weltweit
Neue Variante:Omikron (B.1.1.529)

„Ab Januar werden wir mit Omikron in Deutschland ein Problem haben“, sagte er zudem im NDR-Podcast „Das Corona-Update“. Es sei nicht auszuschließen, dass es bereits um die Weihnachtstage eine Situation gebe, die laut Drosten „beängstigend“ sei. „Mein Bauchgefühl sagt mir: Das Omikron-Virus ist unser Problem bis zum Sommer“. Sollte die Omikron-Variante übernehmen, sei die Pandemie in Deutschland bis Ostern nicht vorbei. Derweil müssen immer mehr Menschen wegen eines Corona-Kontakts in Quarantäne. Doch viele wissen nicht, wie sie sich richtig verhalten müssen.

Omikron-Variante: Biontech-Chef setzt auf Booster-Impfung

Im Zusammenhang mit der neuen Omikron-Virusvariante sprach sich Biontech-Chef Uğur Şahin gegenüber dem Spiegel dafür aus, bereits drei Monate nach der Zweitimpfung gegen das Coronavirus Auffrischungsimpfungen durchzuführen. „Mit Blick auf Omikron sind zwei Dosen noch keine abgeschlossene Impfung mit ausreichendem Schutz“, so der Experte. Währenddessen wächst die Hoffnung auf den Corona-Totimpfstoff Novavax: Allerdings könnten US-Behörden die Zulassung verhindern.

Virologe Christian Drosten zeigt sich wegen der Corona-Variante Omikron besorgt und warnt zweifach Geimpfte. (Archivbild)

Fakt ist: Die neue Virusvariante Omikron ist in der Bundesrepublik angekommen. Für den neuen Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) seien Booster-Impfungen in der Phase der Pandemie besonders wertvoll, auch wenn die aktuell verfügbaren Impfstoffe noch nicht auf die Omikron-Variante ausgerichtet sind. Mit den jetzigen Vakzinen haben Geboosterte bereits einen Schutz von 75 Prozent.

„Das ist sehr nennenswert“, sagte der SPD-Politiker am Sonntagabend, 10. Dezember, in der ARD-Sendung „Anne Will“. Vor seiner Ernennung zum neuen Gesundheitsminister machte Lauterbach auf Twitter bezüglich der Diskussion um Novavax deutlich: „Kann man bitte aufhören, den Impfstoff von Novavax als Totimpfstoff zu bezeichnen? Es ist ein rekombinanter Proteinimpfstoff“.

Omikron in Deutschland: Gesundheitsminister Lauterbach hält Booster-Impfung für sinnvoll

Lauterbach erklärte zudem, dass die verfügbaren Impfungen dafür sorgen würden, dass Geimpfte, die sich infizieren, in der Regel nicht schwer erkranken würden. „Somit ist die Booster-Impfung unfassbar wertvoll“, betonte Lauterbach. Sie könne die Delta-Welle brechen und eine Omikron-Welle abwenden. Bereits ab Dienstag, 14. Dezember, soll ein neues Expertengremium die Bundesregierung im weiteren Umgang mit der Corona-Pandemie beraten. Im Kampf gegen die neue Omikron-Variante wird neben Christian Drosten auch Hendrik Streeck, Leiter des Virologischen Instituts der Uniklinik Bonn, dem Expertenteam angehören.

„Besorgniserregend“ schätzte Drosten die Entwicklung der Omikron-Variante im Gespräch mit den Tagesthemen ein. Sein Eindruck sei, dass sich das Geschehen alle drei Tage verdoppeln würde. „Das ist deutlich schneller, als wir es von der Delta-Variante* gewohnt sind“, erklärte Drosten. Sorge bereitet dem Experten zudem die gegenwärtige Entwicklung in Südafrika: „Was man dort sieht, ist, dass gerade die jüngsten Kinder unter fünf Jahren verstärkt ins Krankenhaus müssen, mit schweren Verläufen“, so Drosten über Omikron.

Christian Drosten: Charité-Experte befürchtet schwere Verläufe durch Omikron

Auch für ältere Ungeimpfte und nicht Genesene befürchtet Drosten Infektionen mit schwereren Symptomen. Wegen der schlechten Datenlage in Deutschland und der gegenwärtigen Corona-Situation in Deutschland sei die Lage in der Bundesrepublik nicht mit anderen Ländern vergleichbar. Deutschland befinde sich in einem Blindflug, so Drosten. „Jeder, der kann, soll sich jetzt sofort boostern lassen und alle Ungeimpften müssen sich noch einmal hinsetzen und ganz genau darüber nachdenken, ob sie das aufrechterhalten wollen“.

Während sich auf Bundesebene die Experten-Elite gegen die Omikron-Variante formiert, kritisiert der Vizepräsident des niedersächsischen Städtetages, Salzgitters Oberbürgermeister Frank Klingebiel, die Corona-Regeln des Landes scharf. „Wir verlieren immer mehr die Akzeptanz in der Mitte der Gesellschaft“, sagte der CDU-Politiker der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Es gebe zudem über den Kreis der Corona-Leugner hinaus zunehmend Menschen, die an der Sinnhaftigkeit vieler Regeln zweifeln würden. Mitten in der Pandemie hatte zudem AfD-Chefin Alice Weidel Unwahrheiten über die Situation in der Corona-Pandemie verbreitet.

Corona in Niedersachsen: Kritik an 2G-Plus-Regeln

Kritik würde es insbesondere an den sogenannten 2G-Plus-Regeln geben, so Klingebiel. Viele Menschen würden sagen: „Ich habe mich impfen lassen, ich halte Abstand und halte mich zurück – und jetzt soll ich auch noch einen Test vorweisen, der zudem nicht so ohne Weiteres zu bekommen ist?“ In der vergangenen Woche hatte das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg die 2G-plus-Regel in Teilen gekippt – mit einem Achtungserfolg für Friseure*. „Wenn man von vorneherein mehr auf die kommunalen Vertreter hören würde, könnte sich jede Landesregierung im Nachhinein viel Ärger ersparen“, sagte Klingebiel dazu.

Der Vize des niedersächsischen Städtetags zeigte sich auch überrascht über die von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) angekündigte Weihnachtsruhe – insbesondere davon, dass Niedersachsen in diesem Zusammenhang einen Alleingang wagt. Die sogenannte Weihnachtsruhe sieht vor, dass vom 24. Dezember bis zum 2. Januar in Niedersachsen die strengeren Regeln der dritten Corona-Warnstufe gelten sollen und beispielsweise Diskotheken schließen müssen. Derweil gilt am Arbeitsplatz die 3G-Regel.

Inzidenz in Deutschland: Zahl der täglichen Neuinfektionen sinkt weiter

In Deutschland ist die Sieben-Tage-Inzidenz am Montag im Vergleich zum Vortag erneut gesunken. Gegenwärtig liegt die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner bei 389,2 (Vortag: 390,2). Noch vor einer Woche lag der Wert bei 441,9. Die Gesundheitsämter meldeten innerhalb eines Tages 21.743 Covid-19-Neuinfektionen (Stand: 05:00 Uhr, 13. Dezember 2021). Weiterhin gilt es zu bedenken, dass Experten derzeit von einer deutlichen Untererfassung ausgehen, weil Gesundheitsämter und Kliniken mit den Meldungen nicht hinterherkommen würden.

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Das RKI teilt zudem mit: Aufgrund technischer Probleme am Samstag und Sonntag wären keine Daten aus Niedersachsen übermittelt worden. Binnen 24 Stunden seien deutschlandweit 116 neue Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus erfasst worden. Vor einer Woche lag die Zahl noch bei 81 Todesfällen.

Insgesamt wurden in Deutschland seit Pandemiebeginn 6.531.606 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 registriert. Zudem sind 105.754 Menschen an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion gestorben. (Mit Material der dpa) *kreiszeitung.de, 24hamburg.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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