„Wer später bremst hat länger Gas“

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Claus W. Ellermann posiert in seiner Werkstatt in Delmenhorst mit Pokal und Helm vor seinem Porsche 911 Carrera 2.7 (Foto vom 26.01.2010). Das Auto aus den 70er Jahren hat Ellermann selbst wieder rennfertig aufgebaut und setzt es nun bei internationalen Rallyes für historische Fahrzeuge ein. Der 68-Jährige und der Porsche nehmen auch an der Oldtimermesse „Bremen Classic Motor“ vom 05. bis 07. Februar 2010 teil.

Delmenhorst - Von Oliver Pietschmann. Claus Ellermanns Augen leuchten. Wenn der 68-Jährige von seinem Hobby erzählt, kommt er ins Schwärmen. Packende Rennen auf den Rallye-Strecken Europas, schnelle, historische Flitzer von Porsche, Überrollbügel, Schalensitze und der Konkurrenzkampf mit Rallye-Weltmeister Walter Röhrl und anderen Größen der Szene sind sein Element.

Gestikulierend erzählt er Rennszenen nach, berichtet, wie er seine Oldtimer-Autos baut, von Unfällen, Überschlägen, Erfolgen und Freundschaften mit Kontrahenten und Bekanntschaften auf und am Rande der Rallye-Pisten. Seit 40 Jahren ist er aktiv, rund 300 Rennen hat der Unternehmer und gelernte Karosseriebauer bestritten. Er fährt weiter und baut weiter Oldtimer auf. „Wer später bremst hat länger Gas, das ist ein Lebensmotto“, sagt Ellermann. Das zähle im Rallyesport wie in der Wirtschaft. Bei Verhandlungen wie beim Rennen müsse man „am Gas bleiben, draufgehen“, um anzukommen. „Ich bin kein Hasardeur, ich will ans Ziel kommen.“ Der Grad sei sehr schmal zwischen 100 Prozent fahren und von der Piste abfliegen.

In den 50er Jahren habe er in Delmenhorst eine Lehre als Karosseriebauer begonnen. Im zweiten Lehrjahr stand dann ein Porsche mit einem Frontschaden in der Werkstatt. „Ich fand das Auto so schön, dass ich drin gefrühstückt habe“, erzählt Ellermann, der heute als Unternehmer sein Geld mit Laster-Aufbauten und Containern verdient. Seine Liebe zu dem Sportwagenbauer hat er bis heute bewahrt. „Es war nie mein Ziel, Meister zu werden“, erzählt der verheiratete 68 Jahre alte Vater von zwei Söhnen. Einen Titel als Vize-Europameister hat er dennoch.

1969 fuhr er seine erste Rallye, viele folgten, darunter auch Rennen, die mehr als 10 000 Kilometer durch ganz Europa führten. Nach der Gründung seines Unternehmens in Delmenhorst bei Bremen 1978 hängte er den Motorsport vorübergehend an den Nagel. 1986 setzte er sich wieder hinters Lenkrad, „um handwerklich fit zu bleiben“. Um Abwechslung vom Alltagsstress zu bekommen, fing Ellermann an alte Autos aufzubauen.

Als er auf einer Oldtimertour „Röhrl und die anderen Cracks“ wiedersah, packte den Porsche-Fan wieder das Rennfieber. „Ich habe alle Autos selbst gebaut, selbst repariert“, schwärmt der Unternehmer von seinem Hobby. Drei schwere Unfälle hat er auf denn Rennpisten gebaut, allesamt sind weitestgehend glimpflich verlaufen. Zwei Mal hat er sich überschlagen. Einmal saß sein Sohn Tobias im Porsche, als der Renner sich mehr als zehn Mal überschlug.

„Es ist ein sehr harter Motorsport, es ist immer gefährlich und es passiert auch viel.“ Beim dritten Crash 1994 trennte er ein ganzes Dorf von der Telefonverbindung ab.

Seine Familie trägt, so sagt Ellermann, sein Hobby mit. „Ich habe eine tolle Frau erwischt.“ Sie setze sich im Training auch mal auf den Beifahrersitz. Nach dem Crash mit seinem Sohn habe sie allerdings darauf bestanden, dass nicht gleich zwei ihrer Männer in einem Rennen in dem Flitzer sitzen.

Im März steuert Ellermann seinen „Porsche 911 S Carrera Rallye“ in San Remo ins nächste Rennen. Vorher stellt er den roten Rennwagen mit dem gelben Streifen zusammen mit zwei weiteren historischen Porsche auf der Classic Motorshow vom 5. bis 7. Februar in der Messe Bremen aus. „Wir erwarten rund 36 000 Besucher“, sagt die Sprecherin der Messe, Christine Glander.

Bei der größten Oldtimer-Show in Norddeutschland werden voraussichtlich 550 Aussteller aus zwölf Ländern ihre Autos präsentieren. Im Mittelpunkt stehen allerdings nicht die Porsche von Claus Ellermann, sondern die Oldtimer von Alfa Romeo.

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