Mögliche weitere Opfer von Krankenhaus-Mordserie entdeckt

Oldenburg - Wegen einer Krankenhaus-Mordserie sitzt der Ex-Pfleger bereits im Gefängnis. Doch noch immer ist unklar, wie viele Opfer auf sein Konto gehen. Die Polizei hat jetzt möglicherweise weitere gefunden.

Im Zusammenhang mit der Mordserie des früheren Krankenpflegers Niels H. gibt es neue Verdachtsfälle. Bis zu fünf weitere mögliche Opfer haben die Ermittler nach Informationen der „Nordwest-Zeitung“ (Mittwoch) bei Exhumierungen auf Friedhöfen in Ganderkesee und Delmenhorst nahe Bremen gefunden.

Niels H. ist bereits wegen Todes von fünf Patienten zu lebenslanger Haft verurteilt. Vor Gericht hat er jedoch deutlich mehr Taten gestanden. Die Staatsanwaltschaft wollte sich am Mittwoch nicht zu den aktuellen Ermittlungen äußern. Im Juli oder August will sie eine erste Bilanz ziehen. „Bis dahin werden wir keinen Zwischenstand herausgeben“, sagte der Sprecher Martin Rüppell. Der frühere Pfleger hatte vor Gericht gestanden, bis zu 90 Patienten am Klinikum Delmenhorst eine Überdosis eines Herzmedikaments gespritzt zu haben. 30 von ihnen überlebten das nicht.

Sollten sich diese Angaben bewahrheiten, könnte es sich um eine der größten Mordserien in Deutschland handeln. Eine 15-köpfige Sonderkommission der Polizei geht mehr als 200 Verdachtsfällen nach - auch an anderen früheren Arbeitsstellen des 38-Jährigen wie dem Klinikum Oldenburg.

Auf einem Friedhof in Ganderkesee hatten die Ermittler im Frühjahr acht frühere Patienten ausgraben lassen. „Die Exhumierungen in Delmenhorst laufen noch“, sagte Soko-Sprecher Stephan Klatte. 19 Leichen seien bereits auf Rückstände des Herzmedikaments untersucht. Die Ergebnisse lägen noch nicht vor. Wann die Soko den Fall abschließen wird, steht noch nicht fest.

Die Ermittlungen seien sehr umfangreich, sagte Klatte. Mit einem endgültigen Ergebnis rechnet er deshalb erst im nächsten Jahr. Dann könnte es zu einer erneuten Anklage und einem weiteren Prozess gegen Niels H. kommen. An seiner Haft wird das aber nichts ändern: Der Ex-Pfleger hat bereits die Höchststrafe bekommen.
dpa

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