Biofleisch ist zu teuer

Weniger Fleischkonsum: 1 Kilo Fleisch soll 80 Euro statt 13 Euro kosten

Weniger Fleisch essen, dafür mehr pflanzliche Nahrung. Dies ist das Ergebnis einer gemeinsamen Studie von Umweltgruppen und Bauernvertretern.

Berlin – Artgerechte Tierhaltung, gerechte Preise für Fleisch. Hinter diesen plakativen Formulierungen verbergen sich komplexe Strukturen und Zusammenhänge. Um Licht ins Dunkel zu bringen, haben erstmals Umweltgruppen und Bauernvertreter gemeinsam im Auftrag der Regierung einen Bericht über die Zukunft der Landwirtschaft verfasst. Die „Zukunftskommission Landwirtschaft“ soll laut des „Spiegel“ fortschrittliche Ansätze verfolgen. Gefordert wird weniger Fleischkonsum, mehr Klimaschutz und pflanzliche Nahrung sowie eine ökologische Landwirtschaft.

Preis 1 kg Rindergulasch (1.7.2021) Verkäufer
12,98 EuroRewe
15,98 EuroFrischepost
33,10 EuroFleischrebellen

Zum Hintergrund: Seit September 2020 beraten die 30 Vertreter von Organisationen aus Landwirtschaft, Umwelt- und Tierschutz, Wissenschaft und Wirtschaft über die Ausrichtung der Landwirtschaft. Die Bundesregierung hatte die Kommission ins Leben gerufen. Bemerkenswert: Alle Teilnehmer hat den 170 Seiten starken Bericht schon unterschrieben.

Zukunft der Landwirtschaft: Für ein Kilo Rindergulasch fast 80 Euro – Greenpeace berechnet eigene Kosten

In dem Bericht haben die Autoren auch die Kosten analysiert. Würde man die ökologischen Folgekosten, also beispielsweise Belastung des Grundwassers und Luftverschmutzung, auf den Fleischpreis umlegen, dann müsste ein Kilo Rindergulasch rund 80 Euro kosten, anstatt wie am 1. Juni 2021 bei Rewe 12,98 Euro.

Rindfleisch könnte bald bis zu 80 Euro je Kilogramm kosten.

Die Umweltorganisation Greenpeace hat ebenfalls die „wahren Kosten“ unter die Lupe genommen. Laut Greenpeace müsste Schweinefleisch doppelt so viel kosten: durchschnittlich 3,04 Euro pro Kilogramm statt 1,52 Euro. Rindfleisch würde um etwa die Hälfte teurer werden: 5,33 Euro pro Kilo statt wie bisher 3,50 Euro.

In der Greenpeace-Studie haben die Autoren außerdem konventionelle Fleischproduktion mit ökologischer verglichen. Das Ergebnis: Die ökologische Variante verursacht deutlich weniger Schäden – und damit auch geringere externe Kosten. Würden alle Betriebe nur noch nach ökologischen Standards Fleisch produzieren, ließen sich mehr als zwei Milliarden Euro einsparen. Trotzdem müssten viel Lebensmittel und auch Bio-Fleisch teurer sein, damit die Allgemeinheit nicht mehr mitzahlt – Schweinefleisch um 23 Prozent, Rindfleisch um 50 Prozent.

Bauernverband: Willen zur Veränderung

Werner Schwarz, Vize-Präsident des Deutschen Bauernverbandes sagte im Spiegel über den Bericht der „Zukunftskommission Landwirtschaft“: „Der Bericht ist eine Übereinkunft, dass bei allem Willen zur Veränderung hin zu mehr Nachhaltigkeit, der betriebswirtschaftliche Aspekt immer mit berücksichtigt wird.“ Und weiter: „Nur wenn auf den Höfen Geld verdient wird, können wir auch Umweltleistungen erbringen.“ Höfe wie die Ulenhöfe in Rehden und Hemsloh gehen den ökologischen Ansatz.

Kai Niebert, Präsident des Deutschen Naturschutzrings (DNR), meinte, dass jahrzehntelange Konflikte aufgelöst werden konnten. „Die Kommission hat im Gegensatz zur langjährigen Politik des Landwirtschaftsministeriums nicht nur die Landwirtschaft, sondern das Ernährungssystem als Ganzes in den Blick genommen.“

Wenn es nach der „Zukunftskommission Landwirtschaft“ geht, kommt mehr Gemüse statt Fleisch in den Einkaufswagen.

Neben globalen Allgemeinforderungen geben die Autoren der Studie den Konsumenten und Politikern klare Handlungsempfehlungen an die Hand. So schlagen sie eine Abgabe auf Zucker, Salz oder Fett vor. Für eine Umstellung der Konsumgewohnheiten solle man sich an den Ernährungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung orientieren. „Das bedeutet in der Konsequenz eine Halbierung des Fleischkonsums“, meint Berichtsautor Kai Niebert.

Ökologische Folgekosten: Landwirtschaftliche Betriebe sind von der Einsparung von Treibhausgasen ausgenommen

Landwirtschaftliche Betriebe sind bisher von dem Europäischen Emissionshandel und dem nationalen CO2-Preis zur Einsparung von Treibhausgasen ausgenommen. In dem Bericht heißt es dazu: Aufgrund der hohen Komplexität von Treibhausgasemissionen in der Landwirtschaft seien solche Maßnahmen nicht kurzfristig umzusetzen. Die Autoren schlagen als Sofortmaßnahme beispielsweise das Wiedervernässen von Mooren vor.

Die Umsetzung der Forderungen wird vermutlich noch lange auf sich warten lassen. Der Grund: die großen politischen Linien sind bis 2027 erst einmal gezogen. Am Montag billigten die EU-Agrarminister die umstrittene EU-Agrarreform GAP. Demnach sind nur 25 Prozent der jährlich 270 Milliarden Direktsubventionen an ökologische Umweltprogramme geknüpft. Die Mehrheit der europäischen Bauern und Landwirte kann also weiterhin so wirtschaften wie bisher.

Biofleisch ist zu teuer

Pikant ist auch, dass andere Experten meinen, dass Biofleisch gar nicht so teuer sein müsste. Biolandwirte erlösen pro Kilogramm Fleisch realistisch nur etwa zwei Euro mehr. Das Problem: Der Preis bezieht sich auf das ganze Tier. Und bestimmte Teile – zum Beispiel Schweinefüße – werden in Deutschland so gut wie gar nicht nachgefragt, und schon gar nicht in Bio-Qualität.

Daher müssen sie mit den konventionell erzeugten Produkten zusammen zu den konventionellen Preisen, also billigeren verkauft werden. Entsprechend legen sich die höheren Kosten für die Biohaltung auf einzelne besser absetzbare Teile wie das Schnitzel um. Daher ist Biofleisch bisher oft überproportional teuer.

Rubriklistenbild: © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

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