Corona-Pandemie

Novavax: Corona-Totimpfstoff – oder doch nicht? Lauterbach überrascht alle

Novovax als Totimpfstoff ist das Zauberwort der Corona-Impfgegner: Denn nur mit dieser Art von Impfstoff wollen sie sich impfen lassen. Dabei ist es gar kein Totimpfstoff.

Gaithersburg, USA – Die Impfkampagne gegen das Coronavirus in Deutschland und Niedersachsen ist in vollem Gange und zeigt auch Wirkung, trotzdem bleibt bei einigen wenigen die Skepsis gegenüber den zugelassenen Impfstoffen. Statt sich mit einem Vektor- oder mRNA-impfstoff immunisieren zu lassen, setzen eben diese Impfskeptiker auf Totimpfstoff sowie den Novavax Corona-Totimpfstoff, wie er bereits seit Jahrzehnten bei anderen Impfungen verwendet wird; etwa bei Keuchhusten, Tetanus oder Diphtherie.

US-Pharmaunternehmen:Novavax
Gründung:1987
Hauptsitz:Gaithersburg, Maryland
Leitung:Stanley C. Erck, Geschäftsführer
Mitarbeiter:791
Umsatz:476 Mio. US-Dollar (Geschäftsjahr 2020)

Corona-Totimpfstoff Novavax: Probleme bei der Zulassung des Vakzins

Seit Mitte November nun liegt bei der Europäischen Arznei-Mittelbehörde EMA nun ein Antrag auf Zulassung des vermeintlichen Totimpfstoffes Novavax vor. Doch die Zulassung des Vakzins lässt noch auf sich warten. Zunächst machten Ende der vergangenen Woche Medienmeldungen die Runde, dass es erhebliche Probleme bei der Zulassung des Novavax-Totimpfstoffes geben könnte. Jetzt wird bekannt: Das durch Impfskeptiker lautstark als Totimpfstoff angepriesene Vakzin ist gar kein Totimpfstoff.

In Wirklichkeit handelt es sich beim Corona-Totimpfstoff Novavax um einen Impftstoff auf Proteinbasis

Die Bezeichnung Corona-Totimpfstoff ist bei Novavax nämlich falsch. Vielmehr handelt es sich bei dem Vakzin um einen Impfstoff auf Proteinbasis, wie Novavax auch auf seiner Webseite schreibt. Was jedoch in der Argumentation von Corona-Leugnern, Impfskeptikern oder Querdenkern wenigstens richtig ist: Ein Impfstoff auf Proteinbasis gehört zumindest nicht zu der Gruppe der mRNA-Impftsoffe (Biontech, Moderna) oder zu denen der Vektorimpfstoffe (AstraZeneca, Johnson&Johnson).

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) überrascht mit seinen Aussagen hinsichtlich der Totimpfstoffs. (kreiszeitung.de-Montage)

Im Gegensatz zu einem Totimpfstoff, der ausschließlich abgetötete Viren enthält, verwendet Novavax das sogenannte Spike-Protein von Sars-CoV-2 und reproduziert dieses massenhaft in Insektenzellen. Nach der Injektion des Impfstoffes bildet der menschliche Organismus Antikörper gegen das Protein und kann sich so besser vor einer Covid-19-Infektion schützen.

Was ist der Unterschied zwischen Totimpfstoff, Vektor- beziehungsweise Lebend- und mRNA-Impfstoff?

Vektorbasierte Impfstoffe (zum Beispiel AstraZeneca) bestehen aus für den Menschen harmlosen Viren, die gentechnisch so verändert sind, dass sie in ihrem Genom die genetische Sequenz mit dem Bauplan für einen oder mehrere Bestandteile des Erregers (Antigen) enthalten, gegen den der Impfstoff gerichtet ist. Die Covid-19-Vektorimpfstoffkandidaten enthalten ungefährliche, gut untersuchte Trägerviren, in deren Genom ein Gen eingebaut wurde, das den Bauplan für das SARS-CoV-2-Oberflächenprotein, das Spikeprotein, enthält.

Die Tot- beziehungsweise Lebend-Covid-19-Impfstoffe enthalten keine vermehrungsfähigen Viren. Insofern können sie mit Totimpfstoffen gleichgesetzt werden. Solche Totimpfstoffe sind inaktiviert; sie enthalten abgetötete Erreger oder Erreger-Bestandteile, die sich weder vermehren, noch eine Erkrankung auslösen können.

mRNA-Impfstoffe enthalten Genabschnitte des SARS-CoV-2-Virus in Form von messenger-RNA (kurz mRNA), die auch als Boten-RNA bezeichnet wird. Ausgehend von der mRNA werden nach Verimpfung in Körperzellen Proteine hergestellt, die dann das Immunsystem zu einer gezielten Antikörperbildung gegen SARS-CoV-2 und einer zellulären Abwehr gegen SARS-CoV-2-infizierte Zellen anregen und so eine Immunreaktion erzeugen. Eine Immunreaktion anregende Proteine werden als Antigene bezeichnet. (Quelle: Robert Koch Institut)

Hinzugefügt wird ein Wirkverstärker (ein sogenannter Adjuvant), der die Immunantwort des Körpers verstärkt. Der Vorteil ist, dass so direkt Antikörper gegen das Spike-Protein gebildet werden können und nicht verzögert wie etwa bei einem mRNA-Impfstoff.

Corona-Totimpfstoff Novavax: mRNA-Corona-Impfstoffe „milliardenfach bewährt“

Dass es sich bei Novavax um ein proteinbasierten Impftstoff handelt, hatte auch schon Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) – noch vor seiner Ernennung zum Minister – via Kurznachrichtendienst „Twitter“ geschrieben. Lauterbach hatte auf den Tweet von Florian Krammer, einem Professor für Impfstoffkunde, geantwortet, der geschrieben hatte: „Kann man bitte aufhören, den Impfstoff von Novavax als Totimpfstoff zu bezeichnen? Es ist ein rekombinanter Proteinimpfstoff.“

Lauterbach antwortete in seinem Tweet: „Stimmt zwar. Aber weil so viele Ungeimpfte nur Totimpfstoff wollen, warum auch immer, wird bald erhältliches Novavax als solcher bezeichnet.“ Er drückte sein Unverständnis aus – schließlich seien die mRNA-Corona-Impfstoffe anders als der Novavax-Impfstoff „milliardenfach bewährt“. Ob das nun gute oder schlechte Nachrichten für Impfmuffel aus ganz Deutschland und Niedersachsen sind, wird sich zeigen müssen.

Sicher ist jedoch, dass es für Ungeimpfte mit der neuen Corona-Verordnung, 2G im Einzelhandel und der von Ministerpräsident Stephan Weil angekündigten Warnstufe 3 inklusive Weihnachtsruhe im nördlichen Bundesland zunehmend unangenehmer für Ungeimpfte nicht nur bei den Corona-Regeln in Geschäften wird.* kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Bernd von Jutrczenka/dpa/Sven Simon/imago

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