Bremen und Niedersachsen

Notbetten für Obdachlose bei eisigen Temperaturen derzeit gut belegt

Bremen/Hannover - Der Winter in Niedersachsen und Bremen hält weiter an. Menschen, die auf der Straße leben, brauchen Schutz vor eisigen Temperaturen. Doch ein warmes Plätzchen wollen gar nicht alle.

Für Obdachlose sind die anhaltenden Minusgrade lebensbedrohend - in Niedersachsen gibt es aber im ganzen Land Notbetten. In Bremen finden Wohnungslose tagsüber in Bussen und Bahnen der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) Schutz vor der Kälte. Bis Ende Februar dürfen sich obdachlose Menschen während der Fahrt dort kostenlos aufwärmen. Im letzten Winter hätten rund 100 Menschen das Angebot genutzt, teilte die BSAG mit.

In Niedersachsen gibt es nach einer Umfrage bisher keine ähnlichen Angebote. Im ganzen Land stehen aber Notbetten zur Verfügung, insgesamt fast 8000 Plätze landesweit. „Jede Gemeinde hat Schlafplätze für Obdachlose nicht nur bei frostigen Temperaturen“, sagt Heinke Traeger vom niedersächsischen Sozialministerium. An die Kommunen zahlt das Land dafür 2016 rund 32,4 Millionen Euro.

Bei der Braunschweiger Verkehrs-GmbH gilt freie Fahrt nur für die, die einen bestimmten Schein vorweisen, beispielsweise Flüchtlinge. Es sei aber den Fahrern freigestellt, auch Obdachlose mitzunehmen, sagte Unternehmenssprecher Christopher Graffam. „Das war bei uns schon immer so.“

Bei der Üstra in Hannover können Obdachlose in der kalten Jahreszeit in der großen U-Bahn-Station Kröpcke in der Innenstadt übernachten. „Das ist in der Szene seit vielen Jahren bekannt“, sagte Üstra-Sprecher Udo Iwannek. „Mitfahrangebote ohne Ticket gibt es nicht.“

Tolga Otkun, der Sprecher des Verkehrsverbundes GVH in der Region Hannover, hält die Bremer Aktion „grundsätzlich für gut“. Dennoch ist er skeptisch. „Es ist schwierig zu prüfen, ob derjenige wirklich obdachlos ist“, sagt er. Im Bereich der GVH könne deshalb nur mit gültiger Fahrkarte gefahren werden.

In der Stadt Hannover stehen für 50 Männer und zehn Frauen Notschlafplätze zwischen 18 und 8 Uhr zur Verfügung. „Die Plätze sind derzeit gut belegt, aber wir können weitere schaffen“, sagte die Sprecherin der Stadt, Konstanze Kalmus. Die Bremer Sozialbehörde bietet Unterkünfte in einfachen Hotels, zudem verfügt die Innere Mission über Notunterkünfte für Obdachlose. Derzeit seien 39 Männer und 18 Frauen untergebracht, sagt Axel Brase-Wentzell von der Inneren Mission.

„Viele Obdachlose wollen aber obdachlos bleiben, auch bei viel kälteren Temperaturen“, sagt Brase-Wentzell. Diese Menschen hätten verschiedene Gründe dafür, manche wollten einfach anonym bleiben. Auch Menschen aus anderen EU-Staaten, vor allem aus Osteuropa, sind häufig obdachlos. „Ihre Zahl kennt keiner, sie sind einfach auf der Straße“, sagt Hannovers Stadtsprecherin Kalmus. Brase-Wentzell kennt das Problem. „Sie haben keine Leistungsansprüche, und ohne können wir nicht helfen.“ Streetworker kümmern sich um die, die draußen sind. „Zum Glück ist in den letzten Jahren niemand erfroren.“

Bei der Bahn werden Obdachlose bei extremer Kälte generell in Bahnhöfen geduldet - noch sind die Temperaturen dafür aber noch nicht tief genug, sagte eine Bahnsprecherin. „Wir wollen niemanden auf die Straße schicken.“

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Hommage an Farbe: Yves Saint Laurent-Museum in Marrakesch

Hommage an Farbe: Yves Saint Laurent-Museum in Marrakesch

Im Himmelbett am Wasserloch: Luxussafaris in der Savanne

Im Himmelbett am Wasserloch: Luxussafaris in der Savanne

Tag der offenen Tür im Kindergarten Haendorf

Tag der offenen Tür im Kindergarten Haendorf

Erntefest im Kindergarten Scholen

Erntefest im Kindergarten Scholen

Meistgelesene Artikel

Internationale Begegnungsstätte in Bergen steht auf der Kippe

Internationale Begegnungsstätte in Bergen steht auf der Kippe

Identität einer in Lingen entdeckten Leiche geklärt

Identität einer in Lingen entdeckten Leiche geklärt

Wohnhaus und Garage brennen aus - Schaden im sechsstelligen Bereich

Wohnhaus und Garage brennen aus - Schaden im sechsstelligen Bereich

Kultusministerin Heiligenstadt zieht sich aus ihrem Amt zurück

Kultusministerin Heiligenstadt zieht sich aus ihrem Amt zurück

Kommentare