Nordsee

Küsten-Konferenz warnt vor Kali-Abwasserpipeline

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Nordsee: Küsten-Konferenz warnt vor Kali-Abwasserpipeline (Symbolbild)

Wilhelmshaven - Massenhaft Quallen und Algen, Stress für Meerestiere und Touristen: Umweltschützer warnen vor möglichen Folgen einer Pipeline, die Chemieabwässer zur Nordsee bringen soll. Nun soll die Politik für einen Stopp des Projekts sorgen.

Umweltschützer haben vor schweren Schäden im Ökosystem Wattenmeer durch eine Pipeline für Chemieabfälle zur Nordsee gewarnt. Der Plan einer Abwasserleitung für Laugen des hessischen Unternehmens Kali + Salz (K+S) zur Küste sei ökologisch und wirtschaftlich nicht zumutbar, sagten Teilnehmer der Konferenz der Werra-Weser-Anrainer (WWA). Sie forderten am Freitag in Wilhelmshaven einen Stopp der Versalzung der Flüsse Werra und Weser. Stattdessen müssten die Abfälle direkt beim Verursacher aufbereitet werden. Dafür seien technische Verfahren vorhanden, die das Umweltbundesamt derzeit prüfe.

Das Pipeline-Projekt, dessen Kosten auf eine Milliarde Euro geschätzt werden, sei bisher nicht auf Alternativen untersucht worden und allein deshalb nicht genehmigungsfähig, sagte Konferenzleiter Walter Hölzel. K+S plane mit neuen Verklappungsstellen an der Oberweser oder zur Nordsee die Wasserrahmenrichtlinien der EU zu umgehen. Nach den EU-Vorgaben dürfe sich die Wasserqualität nicht verschlechtern. Das Projekt sei auch für die Tourismusregion an der Küste schädlich, sagte Frieslands Landrat Sven Ambrosy (SPD), der die Tourismusverbände Nordsee und Niedersachsen leitet. Natürliches Meersalz und industrielle Salzlaugen seien grundverschieden, rechnete die Wilhelmshavener Meeresbiologin Gisela Gerdes vor. Die Einleitung von 20 000 Kubikmetern Chemieabwässer bei Wilhelmshaven mit den empfindlichen Öko-Gebieten Jadebusen und Wattenmeer sei ohne eine genaue Kenntnis der Folgen „sträflich“.

Eine höhere Schadstoffbelastung bedeute für Meereslebewesen wie Garnelen, Muscheln und andere erheblichen Stress. Es drohe der Verlust von Arten, die Stabilität des Systems sei in Gefahr. Falls das Ökosystem umkippe, könnten sich Quallen und Algen massenhaft vermehren. Die Konferenz appellierte an die rot-grüne Landesregierung, einen Landtagsbeschluss von 2010 gegen Abwasser-Pipelines in die Weser und zur Nordsee umzusetzen. Besonders die beiden Grünen-Minister Stefan Wenzel (Umwelt) und Christian Meyer (Landwirtschaft) müssten die Sorgen der Parteibasis und der Naturschützer an der Küste ernst nehmen.

Auf Unverständnis stieß daher eine Pressemitteilung der Grünen-Landtagsfraktion vom Freitag. Deren naturschutzpolitischer Sprecher Hans-Joachim Janßen bezweifelte darin, dass die gigantischen Mengen von K+S-Abwässern durch technische Verfahren abgebaut werden könnten. Die Landtagsgrünen erwarteten dazu Klarheit von einer Studie des Umweltbundesamtes, die noch in diesem Sommer vorliegen soll. Grüne und Umweltverbände auf Landesebene in Niedersachsen, Hessen und Nordrhein-Westfalen hatten bisher eine Pipeline als Chance gesehen, falls andere Strategien scheitern sollten.
dpa 

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