Einsatz unter Corona-Bedingungen

Atommüll-Behälter sind in Biblis eingetroffen - Aktivisten demonstrierten vor Ort

Der erwartete Atommülltransport ist in Deutschland angekommen und hat mittlerweile auch den Zielort, das hessische Biblis, erreicht.

  • Der Castor-Transport hat den Bahnhof am Zielort, das hessische Biblis, erreicht.
  • Der Zug mit den Atommüll-Behältern hat in den frühen Morgenstunden die hessische Landesgrenze passiert.
  • Der Transport ins hessische Biblis ist von zahlreichen Protesten begleitet.

Update 04. November, 09.41 Uhr: Der Castor-Transport mit deutschem Atommüll, der am Dienstagabend in Nordenham gestartet ist, ist am Zielort, Biblis in Hessen, eingetroffen. Der Zug erreichte am Mittwochmorgen den dortigen Bahnhof. Etwa zwei Dutzend Aktivisten demonstrierten im Umfeld. Auf der Strecke hatte es nach Polizeiangaben weder in Hessen noch in Niedersachsen Störungen gegeben. 

Mit einer Coronavirus-Karikatur auf einer gelben Fahne protestieren Anti-Atomkraft-Gegner neben Polizisten auf dem Bahnhof von Biblis gegen den Transport der insgesamt sechs Castor-Behälter, die auf einem Spezialzug eingetroffen sind.

Update 04. November, 08.36 Uhr: Der Castor-Zug mit Atommüll aus der britischen Atomanlage Sellafield hat am Dienstagabend den niedersächsischen Hafen Nordenham mit Ziel Biblis verlassen. In der Nacht zu Mittwoch, gegen 00.50 Uhr habe er die hessische Landesgrenze passiert, teilte die Polizei Mittwochfrüh mit. Im Laufe des Vormittags soll der Transport Biblis erreichen.

Der Spezialzug mit insgesamt sechs Castor-Behältern erreicht den Bahnhof von Hünfeld. Der Transport des hochradioaktiven Abfalls wurde von einem massiven Polizeiaufgebot abgesichert.

Der 600 Meter lange Zug mit sechs Castoren soll in ein Zwischenlager an dem stillgelegten Kernkraftwerk in Hessen rollen. Der Transport nahm die Route über Hannover. Die Bundespolizei sicherte nach eigenen Angaben mehrere Bahnstrecken in Niedersachsen und Hessen, aber auch in Bremen und Nordrhein-Westfalen. Mehrere tausend Bundespolizisten sind an der Sicherung der Strecke beteiligt, im Einsatz sind Diensthunde, Dienstpferde und Polizeihubschrauber.

Das Verladen der Behälter auf den Zug ist beendet

Update 03. November, 12.37 Uhr: Das Verladen der Atommüll-Behälter im Hafen Nordenham ist beendet. „Wir erwarten für die nächsten Stunden die Abfahrt des Zuges von Nordenham nach Biblis“, sagte eine Sprecherin des Bündnisses Castor-stoppen in Nordenham der Deutschen Presse-Agentur. Der Protest richte sich gegen die ihren Worten nach verfehlte Atommüllpolitik der Bundesregierung. Auch im Zwischenlager Biblis könnten die Castoren nicht bleiben, ein Endlager für strahlenden Müll gebe es noch nicht.

Querschnitt eines Castor-Behälters für den Transport und die Zwischenlagerung von Brennelementen.

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) kritisierte die Proteste gegen den Castor-Transport. In der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ appellierte Lies mit Blick auf Corona an die Castor-Gegner, „doch einmal nachzudenken, ob es nicht sinnvoller wäre, auf mögliche Gegendemonstrationen zu verzichten - gerade weil wir eine pandemisch brenzlige Situation haben“. Lies betonte, der Atomausstieg sei beschlossen, deshalb mache es keinen Sinn, die alten ideologischen Kämpfe wieder aufleben zu lassen.

Update 03. November, 09.47 Uhr: Im Hafen Nordenham hat das Umladen der letzten zwei Castor-Behälter begonnen. Das sagte ein Sprecher der Transportfirma GNS. Am Vortag konnten bereits vier Castoren auf Eisenbahnwaggons umgeladen werden. Angaben dazu, wann der Zug in Richtung des Zwischenlagers im hessischen Biblis starten soll, machte weder GNS noch die Polizei.

Ein Demonstrant trägt einen Mund-Nasen-Schutz mit der Aufschrift „Corona Castor Stoppen 2020“ im Protestcamp.

Die Arbeiten verliefen nach Zeitplan. Am Montag habe zwar starker Wind geherrscht, habe das Umladen aber nicht beeinträchtigt. sagte der Sprecher. Atomkraftgegner sind in Nordenham vor Ort und planen auch Proteste entlang der möglichen Fahrtrouten des Zuges bis Biblis. Die Bundespolizei sichert mehrere Bahnstrecken in Niedersachsen und Hessen, aber auch in Nordrhein-Westfalen.

Umladen der Container wird am Folgetag fortgesetzt

Update 02. November, 15.18 Uhr: Am Montagmittag hob ein Kran zwei der insgesamt sechs Container auf die Waggons, auf denen es nach Hessen gehen soll. Das Hafengelände ist abgeriegelt, davor halte - nach Aussagen einer Polizeisprecherin - noch eine Handvoll Atomkraftgegner eine Dauermahnwache. „Die Lage ist ruhig“, sagte die Sprecherin.

Weiterhin teilte die Sprecherin mit, dass das Umladen am Montag nicht mehr abgeschlossen und am Dienstag fortgesetzt werde. Die Firma GNS, die den Transport durchführt, bestätigte, dass das Umladen bis in den Dienstag dauern werde. Die Außenstrahlung der Castor-Behälter werde beim Umsetzen noch einmal gemessen. Bei der letzten Messung in Sellafield habe der Wert ein Viertel des erlaubten Grenzwertes betragen.

Das Umladen vom Schiff auf den Zug wird sich bis in den Dienstag ziehen.

Alle möglichen Fahrstrecken des Zuges seien von der Bundespolizei gesichert, sagte ein Sprecher. Auch Hubschrauber würden eingesetzt. „Mit Beginn des Schienentransports sind wir zuständig“, sagte er.  Es ist der erste Castor-Transport mit deutschem Atommüll aus dem Ausland seit neun Jahren. Zuletzt waren im November 2011 Castoren aus La Hague in das Zwischenlager Gorleben in Niedersachsen gebracht worden. Die Zugfahrt zog sich damals fünf Tage hin, weil Gleise blockiert wurden.

Meldung vom 02. November: Nordenham/Biblis - Das erwartete Transportschiff mit sechs Atommüll-Behältern an Bord hat am Montagmorgen im Hafen von Nordenham an der Weser festgemacht. Die Castor-Container sollen anschließend auf einen Zug verladen werden, sagte ein Sprecher der Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS). Danach soll der Zug die Behälter in ein Zwischenlager in Biblis in Hessen fahren. Bis jetzt laufe alles nach Zeitplan. Polizei und Demonstranten bereiten sich auf eine Konfrontation unter Corona-Bedingungen vor.

Betreiber Sellafield:United Kingdom Atomic Energy Authority
17. Oktober 1956Vereinigtes Königreich
Projektbeginn:\t1958
Stilllegung:3. April 1981

Das Schiff habe am Montagmorgen gegen 6.40 Uhr festgemacht, bestätigte die Polizeidirektion Oldenburg, die den Einsatz leitet. Der deutsche Atommüll kommt aus der britischen Wiederaufbereitungsanlage Sellafield. Das Transportschiff war in der vergangenen Woche von einem Hafen in der Nähe ausgelaufen. Auf der Nordsee wurde die „Pacific Grebe“ in deutschen Gewässern von der Bundespolizei eskortiert. In der Zwölfmeilenzone vor der Küste übernahm die Polizei Niedersachsen.

Castor-Transport: Atomkraftgegner halten Mahnwache in Nordenham

Atomkraftgegner haben sich seit Tagen auf die Ankunft des Schiffes vorbereitet. Auch am Montagmorgen hielten sie in Nordenham eine Mahnwache. Der Transport wird mit einem massiven Einsatz von Polizeikräften gesichert.

Zwei Polizisten bewachen den Union-Pier in Nordenham, an dem das Schiff mit sechs Castoren mit hoch radioaktivem Atommüll erwartet wird.

Sowohl die Sicherung des Transports als auch die Demonstrationen dagegen werden von der Corona-Pandemie beeinflusst. Auf Basis der Empfehlungen des Robert Koch-Instituts habe die Polizeidirektion Oldenburg ein umfassendes Hygienekonzept für den Einsatz erstellt, sagte Polizeivizepräsident der Polizeidirektion Oldenburg Andres Sagehorn. „Die Gesundheit aller Beteiligten genießt höchste Priorität“, sagte der Gesamteinsatzleiter. Dies gelte sowohl für die Bürger, die ihr Grundrecht auf Versammlungsfreiheit ausübten, wie für die Polizeikräfte im Einsatz.

Einsatz und Demonstrationen unter Pandemie-Bedingungen

„Unter Berücksichtigung der aktuellen Corona-Pandemie haben wir uns professionell und umfänglich vorbereitet und uns auf alle denkbaren Eventualitäten eingestellt“, sagte Sagehorn. Das Hygienekonzept sei von Medizinern bewertet und beschäftige sich rund um die Fragen des Infektionsschutzes für die Einsatzkräfte und um den Umgang mit Demonstrationsteilnehmern.

In Nordenham werden die Castor-Behälter vom Schiff auf die Bahn verladen.

Bereits seit dem März sei ein Hygienekonzept erarbeitet worden. Dieses werde gemeinsam mit Medizinern fortlaufend bewertet, angepasst und werde nun umgesetzt. Neben den allgemein gültigen Hygienevorschriften gelten einschlägige Kontakt- und Verhaltensregeln, das Konzept beinhalte dabei konkrete Vorgaben für sämtliche Einsatzsituationen. Hierunter fallen unter anderem alle Versammlungs- und Demonstrationslagen.

Castor-Transport: Kundgebungen und Mahnwachen entlang der möglichen Fahrtrouten

Der Transport erreichte gegen 06.40 Uhr am Montagmorgen den Hafen von Nordenham. Nach Verladung der Transportbehälter wird er über den Schienenweg nach Biblis fortgesetzt. Die Gesamteinsatzleitung (GEL) für die landespolizeilichen Maßnahmen in Niedersachsen und Bremen liegt in der Verantwortung der Polizeidirektion Oldenburg.

„Ein polizeilicher Einsatz in dieser Größenordnung ist ohne Zweifel eine ganz besondere Herausforderung“, erklärte Sagehorn einen Tag zuvor. Beim Umladen der Castor-Behälter auf die Waggons wird nach GNS-Angaben noch einmal kontrolliert, dass die Strahlung in den zulässigen Grenzwerten liegt. Angaben dazu, wann der Zug Nordenham verlässt, wurden nicht gemacht. Die Atomkraftgegner in dem Protestbündnis Castor-stoppen haben Kundgebungen und Mahnwachen entlang aller möglichen Fahrtrouten des Zuges angekündigt.

Nordenham: Anlegemanöver verlief ohne besonderen Vorkommnisse

„Wir sind für das Land Niedersachsen mit der Sicherung des Transportes beauftragt worden. Diese Sicherung reicht von der
12-Seemeilengrenze bis zur Einfahrt des Schiffes in den Hafen Nordenham und weiter bis zur Landesgrenze Hessen. Dabei werden wir tatkräftig von der Bundespolizei unterstützt, die für die Bahnanlagen zuständig ist“, erklärt Sagehorn den Einsatz.

Der seit Langem von den für die Durchführung verantwortlichen Bundesbehörden, Organisationen und dem Transporteur festgelegten Zeitplan konnte mit dem Erreichen des Schiffes in Nordenham am frühen Morgen nunmehr vollständig eingehalten werden.

Ein Castor-Behälter wird in Nordenham in den Zug geladen, der die sechs Behälter in das hessische Zwischenlager nach Biblis bringen soll.

Die Wasserschutzpolizei des Landes Niedersachsen übernahm die Begleitung des TransportschiffesPacific Grebe“ nach Erreichen der 12-Seemeilenzone. Zuvor wurde das Transportschiff durch die Bundespolizei auf der Nordsee eskortiert. Das Anlegemanöver verlief ohne besondere Vorkommnisse.

Castor-Transport: Bundesrepublik hat sich zur Rücknahme radioaktiver Abfälle verpflichtet

Aufgrund internationaler Verpflichtungen ist die Bundesrepublik Deutschland zur Rücknahme der bei der Wiederaufbereitung deutscher Brennelemente in der Wiederaufbereitungsanlage Sellafield anfallenden radioaktiven Abfälle verpflichtet. Die Zuständigkeit für den Rückführungstransport von deutschen Wiederaufbereitungsabfällen und somit auch die Entscheidung über die Durchführung dieses Transports liegt beim Bund.

An dem Transport des gefährlichen Materials gibt es viel Kritik. Umweltschützer sehen beispielsweise Mängel an dem Zwischenlager Biblis und Sicherheitsdefizite bei den Atommüllbehältern. Die für die Lagerung des hoch radioaktiven Atommülls zuständige BGZ wies Bedenken zurück.

Rubriklistenbild: © Swen Pförtner / picture alliance / dpa

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