Arbeitgeber zeigen wenig Verständnis

IG Metall mobilisiert mehr als 18.000 Beschäftige zu Streiks

Hannover/Hamburg - An Warnstreiks in der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie haben sich am Freitag nach Angaben der IG Metall mehr als 18.000 Beschäftigte beteiligt. Sie wollen damit im aktuellen Tarifkonflikt den Druck auf die Arbeitgeber verstärken.

"Wir müssen die Arbeitgeber treiben", sagte Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste, bei einer Kundgebung bei Airbus in Bremen. "Von sich aus bewegen sie sich nicht." Die Warnstreiks hatten um Mitternacht begonnen, nachdem die Friedenspflicht abgelaufen war. In gut einem Dutzend Betrieben in Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein und dem nordwestlichen Niedersachsen legten schon in der Nachtschicht rund 3000 Beschäftigte ihre Arbeit nieder und demonstrierten für die Gewerkschaftsforderung.

Weitere Betriebe folgten mit der Frühschicht, so dass bis zum Mittag mehr als 14.000 Arbeitnehmer beteiligt waren. Geiken wertete die ersten Warnstreiks als "starken Auftakt" und kündigte für die nächste Woche weitere Proteste an. Im IG Metall-Bezirk Niedersachsen und Sachsen-Anhalt legten insgesamt 4700 Beschäftigte in 29 Betrieben die Arbeit nieder.

Der größte Warnstreik fand nach Gewerkschaftsangaben in Salzgitter statt, wo 2400 Mitarbeiter von Alstom, MAN, Voith und Meyer in den Ausstand traten. Mecklenburg-Vorpommern ist bisher nicht betroffen. Ab dem 2. Mai wollen sich in dem Bezirk mehrere hundert Beschäftigte aus 126 Betrieben in der Aktionswoche an den Warnstreiks beteiligen. Für den 3. Mai kündigte die IG Metall Arbeitsniederlegungen in 32 Betrieben, für den Folgetag dann in insgesamt 59 Betrieben an.

Der Arbeitgeberverband Nordmetall kritisierte die Warnstreiks. "Die IG Metall hat offenbar die Sorge, dass sie zum 1. Mai nicht genug Gewerkschafter auf die Straßen bringt, deshalb übt sie sich kurz davor mit Warnstreiks in Muskelspielen", sagte Hauptgeschäftsführer Nico Fickinger. Inhaltlich gerechtfertigt sei das nicht.

Arbeitgeber: IG Metall bleibt stur 

Statt über die Angebote der Arbeitgeber zu verhandeln, habe die Gewerkschaft abgeblockt, statt sich den Problemen der Metallbranche zu stellen, werde stur an der Fünf-Prozent-Forderung festgehalten. In Hamburg gab es nächtliche Warnstreiks bei Still, Hydro, Arcelor Mittal und den größten mit 300 Teilnehmern bei Mercedes. Tagsüber folgten weitere Betriebe; die größte Kundgebung gab es bei Airbus mit 2000 Teilnehmern.

Am Warnstreik in Bremen beteiligten sich insgesamt 2800 Beschäftigte, in Niedersachsen 4800. Auch in Schleswig-Holstein waren 3500 Beschäftigte aus 30 Betrieben in Warnstreiks. Am Donnerstag war die dritte Runde der Tarifverhandlungen für die 140.000 Beschäftigten der Metall- und Elektronindustrie in Lübeck ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Die Gewerkschaft fordert fünf Prozent mehr Entgelt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.

Der Arbeitgeberverband Nordmetall hat Einkommenserhöhungen in zwei Stufen angeboten, die sich für 24 Monate auf 2,1 Prozent summieren, sowie eine Einmalzahlung von 0,3 Prozent.

Rubriklistenbild: © dpa-avis

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