Neue Zahlen aus dem Agrarministerium

Hühner-Land Nummer eins: Niedersachsen baut umstrittenen Rekord aus

Zwei Drittel der Masthühner in Deutschland stammen aus Niedersachsen – Tendenz steigend. Das Höfesterben geht weiter, die Höfe werden immer größer. Obergrenzen lehnt Agrarministerin Klöckner ab.

Niedersachsen - Der Bestand von Tieren in der Massenhaltung wird in Niedersachsen immer größer - und trotzdem führt sich das große Hofsterben fort. Das geht aus einer aktualisierten Statistik des Agrarministeriums hervor.

MinisteriumNiedersächsisches Ministerium für Landwirtschaft
MinisterinBarbara Otte-Kinast
StaatssekretärLudwig Theuvsen
Gründung1946

Immer noch sei die Landwirtschaft zweitgrößter Wirtschaftsfaktor in Niedersachsen, doch Tierschützerinnen und Tierschützer warnen vor einer besorgniserregenden Entwicklung. Auch aus der Politik kommen mahnende Worte. „Wir haben Höfesterben auf der einen Seite, immer größere Betriebe auf der anderen Seite“, sagte Grünen-Agrarpolitikerin Miriam Staudte (45) der Bild-Zeitung.

Landwirtschaft in Niedersachsen: Hofsterben beschleunigt

Bei einem Blick auf die Statistik wird klar, wie sich die Landwirtschaft entwickelt. So waren 2010 noch mehr als 150.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Agrarwesen tätig gewesen, sechs Jahre später sind es nur noch 130.000 gewesen, Tendenz seitdem weiterhin sinkend. Lag außerdem 2010 die durchschnittliche Flächenausstattung bei 61,8 Hektar pro Betrieb, waren es 2016 bereits 68,7.

Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe sinkt in jedem Jahr um rund einen Prozent. Laut dem Landesbauernverband Landvolk Niedersachsen würde sich dieser Prozess derzeit weiter beschleunigen. „Die Stimmung ist schlecht, die wirtschaftliche Lage nach drei Dürre-Jahren und Dauerbeschuss aus der Politik ernst“, warnt Landvolk-Präsident Holger Hennies. Die Folge: „Immer mehr mittelgroße und große Milchvieh-Anlagen schließen.“

Landwirtschaft in Niedersachsen: Anstieg um fast 70 Prozent

Trotzdem wird Niedersachsen in Sachen Tierhaltung immer größer, deutschlandweit stammen mehr als ein Drittel aller Legehennen und Schweinen aus Niedersachsen. Bei Masthühnern sind es sogar zwei Drittel (65,4 Prozent). 2010 lag deren Anteil noch bei 54,1 Prozent.

In Zahlen bedeutet das mehr als 8 Millionen Schweine und mehr als 80 Millionen Hühner leben in Niedersachsen.

Die Anzahl der Legehennen hat sich seit 2010 von 11,2 auf 19,5 Millionen fast verdoppelt. Die Zahl der Masthühner ist von 36,5 auf 61,3 Millionen um fast 70 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Im gesamten Bundesgebiet betrug der Anstieg der Masthühner etwa 40 Prozent. Seit der Geflügelpest ist die Zahl zwar etwa rückläufig, dabei handelt es sich jedoch nur um eine Momentaufnahme.

In keinem Bundesland leben so viele Hühner wie in Niedersachsen.

Rund ein Drittel der Hühner würden immerhin in Bio-Betrieben leben, drei Viertel würden in Boden- oder Freilandhaltung leben. Rund fünf Prozent leben hingegen in reiner Käfighaltung, für Tierschützerinnen und Tierschützer ein untragbarer Zustand.

Tierschutzbund : 100.000 Legehennen pro Betrieb eher die Regel

„Heute sind Bestände von 100.000 Legehennen, Zehntausenden Masthühnern oder Puten pro Betrieb eher die Regel als die Ausnahme“, schreibt der Deutsche Tierschutzbund. Weil sich die Tierschutzprobleme dieser Haltungssysteme in wirtschaftlichen Ausfällen niederschlagen würden, werden die Tiere der Haltungsumgebung laut Tierschutzbund angepasst.

Damit die Tiere sich nicht gegenseitig verletzen oder anfressen, kürze man Legehennen und Puten beispielsweise die Schnäbel, Ferkeln die Zähne und Schwänze oder Rindern entfernt man die Hörner.

Diese Manipulationen sind allesamt schmerzhafte Eingriffe und würden dennoch ohne Betäubung durchgeführt. „Gelöst werden die Tierschutzprobleme durch die Manipulationen nicht, denn es werden nur die Symptome, nicht aber die Ursachen bekämpft“, so der Tierschutzbund und ergänzt: „Aus unserer Sicht ist ein wesentliches Kriterium für eine tiergerechte Haltung, sozial lebende Tiere in angemessenen Gruppen zu halten und ihnen Auslauf im Freien zu bieten.“

Ausreichende Bewegungsmöglichkeiten, Tageslicht sowie eine strukturierte Umgebung würden es den Tieren ermöglichen, das arteigene Verhalten auszuüben und machen schmerzhafte Manipulationen überflüssig.

Agrarministerin gegen Obergrenze für Tierhaltung

Bundesagrarministerin Julia Klöckner spricht sich jedoch gegen eine Obergrenze für Tiere in der Massenhaltung aus. „Die Zahl alleine kann es nicht sein. Daran macht sich nicht alleine das Tierwohl fest. Es gibt kleine Betriebe, die haben seit 40 Jahren den Stall nicht umgebaut und halten ihre Kühe teilweise immer noch in Anbindehaltung“, so Glöckner in einem Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit.

Immer weniger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in der Landwirtschaft tätig.

Tierwohl setze auch entsprechenden Platz oder Beschäftigungsmöglichkeiten für die Tiere voraus: „Und ich meine, die Nutzfläche sollte auch dazu passen, es geht um Größenverhältnisse“, so die Agrarministerin.

Rubriklistenbild: © imago

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