30.000 Menschen betroffen

Long-Covid: Niedersächsischer Landtag berät über Unterstützung für Betroffene

Der niedersächsische Landtag hat in seiner aktuellen Sitzung über einen Antrag von SPD und CDU zum Umgang mit Betroffenen von Long-Covid-Symptomen beraten.

Hannover - Der niedersächsische Landtag hat in seiner heutigen Sitzung darüber beraten, wie am besten mit den Langzeitfolgen einer Infektion mit dem Corona-Virus umzugehen ist. Dabei ging es vor allem darum, welche Maßnahmen als Unterstützung für von Long-Covid-Betroffene ergriffen werden sollen. SPD und CDU hatten Anfang Juni einen gemeinsamen Antrag zum Beschluss eingereicht, über den nun in einer ersten Beratung gesprochen wurde.

Landtag:Niedersachsen
Sitz:Leineschloss in Hannover
Letzte Wahl:15. Oktober 2017
Abgeordnete:137

Der Antrag beruht auf der wissenschaftlichen Annahme, dass mindestens zehn Prozent der Menschen, die sich mit Covid-19 infiziert haben, Langzeitfolgen erleiden. Ausgehend von den Zahlen vom 1. Juni würde das bedeuten, dass in Deutschland rund 347.000 und in Niedersachsen somit rund 30.000 Menschen von Long-Covid-Symptomen betroffen sind. Mit dem Antrag wollen SPD und CDU unterstützende und rehabilitierende Maßnahmen für Betroffene auf den Weg bringen.

Langzeitfolgen einer Infektion können sich sowohl physisch, als auch psychisch zeigen

Die beiden Regierungsparteien erläutert im Antrag, dass Langzeitfolgen vermehrt auch bei Menschen mit milden Verläufen auftreten. Diese äußern sich mitunter durch Atembeschwerden, Aufmerksamkeitsdefizite, aber auch Auswirkungen auf die Psyche in Form von Angstzuständen oder Depressionen können auftreten. Eine Studie hat zudem ergeben, dass Frauen häufiger von Long-Covid betroffen sind*, als Männer.

Dadurch, dass sich Long-Covid in so vielen verschiedenen Symptomen äußern kann, seien die „meisten verfügbaren Rehabilitationseinrichtungen“ zum jetzigen Zeitpunkt „wenig geeignet, eine umfassende Behandlung der Erkrankten zu gewährleisten“, so heißt es im Antrag. Weiterhin werde eine Behandlung dadurch erschwert, dass die Ursache für die Langzeitfolgen noch nicht ermittelt werden konnte.

Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) sprach im Landtag über die aktuelle Corona-Situation in Niedersachsen und die verschiedenen Bausteine auf dem Weg aus Krise.

Der Antrag bittet die niedersächsische Landesregierung konkret um die Schaffung von Angeboten, die die Betroffenen sowohl in der Diagnostik, als auch Rehabilitation „multiprofessionell“ unterstützen sollen. Damit soll eine Reha die Behandlung aller Symptome gewährleisten können. Auch solle geprüft werden, inwieweit niedersächsische Einrichtungen sowohl die Ursachenforschung, als auch Behandlungsmethoden stärker unterstützen können.

Long-Covid zeigt auch höheren Bedarf an psychologischer Betreuung auf

In dem Antrag wird ebenfalls auf psychische Auswirkungen eingegangen. Angebote zur Bewältigung dieser sollen ausgebaut werden. Dazu solle ebenfalls eine Prüfung erfolgen, inwieweit Studienkapazitäten angepasst werden können, um dem höheren Bedarf an psychologischer Betreuung - nicht nur durch Long-Covid - gerecht zu werden. Außerdem müsse mehr Personal in Reha-Einrichtungen ausgebildet werden.

Der niedersächsische Landtag hat in seiner Sitzung im Leineschloss unter anderem über den Umgang mit Long-Covid-Betroffenen debattiert.

Der Verbund norddeutscher Rehakliniken sieht mit Blick auf die Reha von Long-Covid-Patienten vor allem bei den Kostenträgern, also Krankenkassen und Rentenversicherungsträger, Handlungsbedarf. Sie müssten jetzt die Bereitschaft zeigen, für diese Menschen „großzügig Genehmigungen für die Reha auszustellen und sich nicht mit langwierigen Genehmigungsprozessen aufzuhalten“, sagte der Vorstandsvorsitzende Norbert Hemken.

„Dort wäre ein klarer Appell der Politik wirklich notwendig, dass sich die Kostenträger in dieser Ausnahmesituation ihrer Verantwortung stellen.“ Im Antrag heißt es dazu, dass Rentenversicherer und Krankenkassen dazu aufgefordert werden sollen, „vertragliche Vereinbarungen bzw. Versorgungsverträge für die Rehabilitation von Long-COVID-Erkrankten mit den Einrichtungen zu schließen“.

Gesundheitsminsterin erläutert die grundlegenden Bausteine im Vorgehen gegen Corona

Vor dem Hintergrund der Langzeitfolgen betonen SPD und CDU in der Begründung zudem, dass diese Symptome „erneut“ belegen, „dass die ergriffenen Maßnahmen zur Minimierung des Infektionsgeschehens richtig sind und waren.“

Zum Abschluss dieses Tagespunktes äußerte sich auch Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) zur aktuellen Situation. Sie erklärte, dass „uns eint, dass wir gut durch diese Krise, die Corona-Pandemie kommen möchten“. Allen Maßnahmen, die ergriffen werden sei dieses Ziel gemein, sagte sie. Sie reagierte damit auch auf vorherige Redebeiträge, in denen Entscheidungen sowohl des Bundes, als auch Niedersachsens kritisiert worden waren.

Uns eint, dass wir gut durch diese Krise, die Corona-Pandemie kommen möchten.

Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD)

„Wir haben heute eine sehr gute Inzidenz mit 13,9 in ganz Niedersachsen“, sagte die Gesundheitsministerin. Es müsse aber noch immer auf Vorsicht gespielt werden, denn es gebe noch immer eine „epidemische Lage von nationaler Tragweite“, erklärt sie. Solange diese Einstufung gelte, „befinden wir uns auch im Corona-Bekämpfungsmodus“.

Die drei Bausteine dafür seien das genaue Beobachten und Reagieren auf die aktuelle Infektionslage, die Notwendigkeit von Tests, um Infektionsketten aufzudecken sowie die Impfkampagne. Zu letzterer erklärte sie zudem, dass es keine Probleme bei der Organisation gebe, sondern weiterhin das Problem bestehe, dass es zu wenig Impfstoff gibt. Ab dem 21. Juni soll es wieder mehr Erstimpfungen geben. Ab Montag, 14. Juni soll es zudem möglich werden, eine bereits erfolgte, vollständige Impfung auch noch nachträglich in den digitalen Impfpass eintragen zu lassen. Mit Material der dpa.kreiszeitung.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Moritz Frankenberg / picture alliance / dpa

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