Ergebnis der Konjunkturumfrage

Nach Brexit-Votum: Niedersachsens Wirtschaft befürchtet Dämpfer

Hannover - Das unerwartete Brexit-Votum der Briten droht in Niedersachsens Wirtschaft Spuren zu hinterlassen. Der geplante Ausstieg Großbritanniens aus der EU bedeutet einen leichten Dämpfer für die Konjunkturerwartungen der Betriebe, wie die am Freitag in Hannover vorgelegte Konjunkturumfrage der niedersächsischen Industrie- und Handelskammern ergab.

Demnach erwarten im zweiten Quartal nur noch 21 Prozent der befragten Unternehmen einen besseren Geschäftsverlauf - nach 29 Prozent im Vorquartal. 17 Prozent erwarten schlechtere Geschäfte. Für das Gesamtjahr bleiben die Kammern dennoch bei ihrer Wachstumsprognose von 1,4 Prozent. Insgesamt waren rund 1600 Unternehmen befragt worden.

Die meisten Unternehmen sehen den Angaben zufolge kaum Gründe, über ihre aktuelle Geschäftslage zu klagen: 37 Prozent beurteilen ihre Lage als gut - im Vorquartal waren es noch 33 Prozent. Nur 10 Prozent der befragten Betriebe sind unzufrieden mit ihren Geschäften. Nach IHK-Einschätzung wird die niedersächsische Wirtschaft in den kommenden Monaten moderat wachsen, allerdings werde das Auslandsgeschäft stagnieren. Nur noch 28 Prozent der Betriebe gehen von steigenden Exporten aus - nach 32 Prozent im ersten Vierteljahr.

Nach dem angekündigten EU-Austritt Großbritanniens rechnen die Unternehmen vor allem mit mehr Handelshemmnissen - Zölle, aber auch mehr Bürokratie wegen unterschiedlicher Normen werden erwartet. Das Vereinigte Königreich sei zuletzt das zweitwichtigste Ziel niedersächsischer Exporte gewesen, zudem seien die Ausfuhren überproportional gewachsen.

Wachstumstreiber bleibt nach der Umfrage der Konsum. So erwarte der Einzelhandel weitgehend steigende Umsätze - Ausnahmen sind Schuhe und Lederwaren sowie die Unterhaltungselektronik. Das Baugewerbe erfreut sich immer dickerer Auftragspolster, beklagt allerdings Facharbeitermangel. Die Industrie sieht eine befriedigende bis gute Geschäftslage. Die gute Lage am Bau und der private Konsum als Wachstumstreiber werden "für eine positive Wirtschaftsentwicklung bis Jahresende und auch für ein leichtes Beschäftigungsplus sorgen", wie der Hauptgeschäftsführer der IHK Hannover, Horst Schrage, sagte.

Mit Blick auf die niedersächsische Kommunalwahl im September hatten die Industrie- und Handelskammern jüngst der Politik Handlungsempfehlungen vorgelegt. Dabei ging es vor allem darum, die Attraktivität des Standorts zu verbessern und die Integration von Flüchtlingen in die Arbeitswelt zu erleichtern.

dpa

Rubriklistenbild: © Stratenschulte / dpa

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