Erwartung: 60.000 neue Beschäftigungsverhältnisse

Niedersächsische Unternehmen wollen mehr investieren

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Konjunkturumfrage Niedersachsen

Hannover - Niedersachsen boomt. Angesichts des wachsenden Welthandels und steigender Exporte beurteilen die niedersächsischen Unternehmen ihre Lage so gut wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr. Neueinstellungen sind geplant, auch die Investitionen sollen spürbar steigen. Die IHK Niedersachsen erhöhte ihre Wachstumsprognose auf über 1,5 Prozent. In einigen Regionen des Landes herrscht nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit bereits Vollbeschäftigung.

Flächendeckend sei man davon jedoch weit entfernt, sagte Agentur-Landeschefin Bärbel Höltzen-Schoh am Freitag in Hannover. Zu den Gewinnern zählt sie etwa die Regionen Hannover und Hameln-Bad Pyrmont, während die Region Salzgitter schwächelte. "Der Arbeitsmarkt insgesamt, die Beschäftigung hat sich positiv entwickelt in Niedersachsen und Bremen", sagte sie. Als Vollbeschäftigung gilt nach Angaben des Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, wenn alle Menschen, die Arbeit aufnehmen können und wollen, Arbeit bekommen. 

Betriebe schließen Ausbildungsverträge ein Jahr vor Ausbildungsbeginn ab

Horst Schrage

Zudem planten die Unternehmen weiter Neueinstellungen, sagte der Hauptgeschäftsführer der IHK Niedersachsen, Horst Schrage, zur Sommer-Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammern unter knapp 1700 Unternehmen. Seit 2010 seien landesweit über 400.000 Beschäftigungsverhältnisse entstanden - im laufenden Jahr sollten rund 60.000 dazukommen. Dennoch blieben Herausforderungen wie vor allem der Fachkräftemangel, den etwa jedes zweite Unternehmen als Problem sehe. 

"Die Qualifizierung von Facharbeitern muss von allen Akteuren aktiv angegangen werden", betonte Schrage. Er sprach von Nachhilfeangeboten an Azubis, um schulische Defizite auszugleichen. Außerdem schließen die Betriebe seinen Worten zufolge zunehmend früher Ausbildungsverträge ab - bis zu einem Jahr vor Ausbildungsbeginn. 

Prognose: Arbeitslosenzahl sinkt bis Jahresende um 2,5 Prozent

Schrage kündigte an, in zwei bis drei Jahren würden sich die Flüchtlinge auf dem Ausbildungsmarkt bemerkbar machen. Höltzen-Schoh nannte die Integration der Flüchtlinge allerdings "ernüchternd": "Da hat schon ein Stück weit Desillusionierung stattgefunden", sagte sie. Zwar seien 4300 jugendliche Flüchtlinge in den vergangenen zwölf Monaten auf dem Arbeitsmarkt vermittelt worden. Der Aufwand für die sprachliche Qualifikation habe aber deutlich mehr Zeit in Anspruch genommen als erwartet. 

Im ersten Halbjahr habe die Arbeitslosenquote in Niedersachsen im Schnitt bei 5,9 Prozent gelegen. Die Agentur geht davon aus, dass sich die Zahl der aktuell 250.000 Arbeitslosen in Niedersachsen bis zum Jahresende um 2,5 Prozent verringern dürfte. 

Mit Blick auf die konjunkturelle Lage betonte Schrage, die steigenden Löhne stärkten die Inlandsnachfrage, die Weltwirtschaft sei auf Wachstumskurs und im Euroraum gebe es deutliche Verbesserungen. Der leichte Pessimismus zu Jahresbeginn sei nicht gerechtfertigt gewesen - im Januar hatte die Kammer ein einprozentiges Wachstum prognostiziert. Die Exporterwartungen seien eindeutig positiv. 

Ein Drittel der Betriebe will im Inland stärker investieren

43 (Vorquartal: 37) Prozent der befragten Unternehmen beurteilten ihre Lage als gut, nur 7 (Vorquartal: 9) Prozent waren mit ihrer Lage unzufrieden. Auch die Erwartungen an die kommenden Monate blieben positiv, allerdings sank der Anteil der Unternehmen mit günstigeren Erwartungen leicht. Allein der Einzelhandel erwarte eine leichte Abschwächung seiner Geschäfte. 31 Prozent der Betriebe wollten im Inland mehr investieren, nur 13 Prozent ihre Investitionen kürzen, sagte Schrage. Das seien die besten Umfragewerte seit Jahren. Insgesamt stieg der IHK-Konjunkturklima-Indikator von 118 Punkten im vorangegangenen Quartal auf 120 Punkte. 

Das Geschäft mit den USA dagegen sei in den vergangenen Jahren schon mal besser gewesen, urteilte die Kammer. In den ersten vier Monaten des Jahres gab der niedersächsische Außenhandel mit den USA um 11 Prozent nach, bundesweit legte er dagegen um 4 Prozent zu. Grund sei vor allem die in Niedersachsen starke Autobranche, die mit den Folgen des Abgasskandals zu kämpfen habe.

dpa

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