Zu hohe Arbeitsbelastung

Grundschulleiter ziehen vor Gericht

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Stellvertretende GEW-Landesvorsitzende Laura Pooth informierte am Montag über bevorstehende Klagen zur Arbeitsbelastung an Grundschulen.

Hannover - Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Niedersachsen hat Klagen gegen die hohe Arbeitsbelastung von Grundschullehrern angekündigt. In Vorbereitung seien zehn Klagen von Grundschulleitern, die im Herbst bei Verwaltungsgerichten eingereicht werden sollen, sagte die stellvertretende GEW-Landesvorsitzende Laura Pooth am Montag in Hannover.

"Wir senden damit ein Signal an alle politisch Verantwortlichen. Wir erwarten, dass die Arbeitszeitverordnung für Lehrer an die Realität angepasst wird", sagte Pooth. Weitere Klagen von Gymnasiallehrern seien in Vorbereitung. 

53 statt 40 Stunden

Für niedersächsische Beamte, zu denen auch die Lehrer zählen, gilt eine Arbeitszeit von 40 Stunden pro Woche. Im August 2016 hatte eine Studie der GEW zur Arbeitsbelastung von Lehrern ergeben, dass Grundschullehrer im Schnitt pro Woche eine Stunde und zwanzig Minuten Mehrarbeit leisten und Gymnasiallehrer drei Stunden und fünf Minuten pro Woche zuviel arbeiten. 

Besonders belastet sind die Grundschulleiter. "Ich arbeite durchschnittlich 53 Stunden die Woche, während mein Arbeitgeber von 40 Stunden ausgeht", sagt Frank Post, Rektor der Grundschule Fuhsestraße in Hannover. Deshalb will der 61-jährige Pädagoge das Land verklagen, weil es in seinem Fall die Fürsorgepflicht verletzt. 

Post listete auf, welche Herausforderungen in den vergangenen Jahren für Grundschullehrer hinzugekommen seien: Sprachkurse in den Kitas, verlässliche Grundschule, Inklusion von Kindern mit Förderbedarf, Ganztagsbetrieb und die Integration von Flüchtlingskindern. "Das alles sind die Aufgaben, die Schule heute hat. Und die Gesellschaft trägt die Verantwortung dafür", sagt Post, der zusätzlich zu seinen Führungsaufgaben noch elf Stunden die Woche unterrichtet. 

Keine nachvollziehbare Arbeitszeiterfassung

Die Arbeitszeit von Lehrern ist in Niedersachsen seit längerem ein strittiges Thema. So hatte das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg 2015 entschieden, dass die von der Landesregierung beschlossene Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung für Gymnasiallehrer von 23,5 auf 24,5 Wochenstunden verfassungswidrig war. Das Gericht kritisierte, dass es bis dahin keine belastbare und nachvollziehbare Erfassung der Arbeitsbelastung der Lehrer gab. Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) hat eine Arbeitszeitkommission eingesetzt, die aber noch kein Ergebnis vorgelegt hat.

Die GEW erwarte, dass die Kommission bald einen Vorschlag unterbreite, mit dem die Unterrichtsverpflichtung reduziert werde, sagte GEW-Vizechefin Pooth. 

Besorgt äußerte sie sich über das Ansinnen des CDU-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl, Bernd Althusmann, der eine neue Studie zur Arbeitsbelastung einholen will. "Wir werden keine weitere Verzögerung hinnehmen", sagte Pooth. Die Gewerkschaft unterstütze die Klagen, um für alles gewappnet zu sein.

dpa

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