Warten auf den Wein

Wie Niedersachsens neue Winzer sich vorbereiten

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Hobby-Winzer Michael Winkler.

Bad Iburg - Bis man edle Tropfen aus dem Harz oder dem Weserbergland probieren kann, werden noch einige Jahre vergehen. Seit dem vergangenen Jahr darf in Niedersachsen kommerziell Wein angebaut werden. Die neuen Winzer stecken bereits kräftig in ihren Vorbereitungen.

Wo bald Gerd Brinkmanns Weinreben wachsen sollen, steht zurzeit noch Mais. Doch für diesen ist der Lehmboden nicht optimal, deshalb ist es seine letzte Saison. "Etwas Besseres als Wein gibt es für diese Fläche nicht", sagt Brinkmann, der einer von Niedersachsens zehn neuen Winzern ist. Als das Landwirtschaftsministerium die Anbaurechte ausschrieb, bewarb sich der Landwirt - und bekam den Zuschlag. Wein hat er bisher lediglich getrunken, aber nicht selbst produziert.

Durch eine neue EU-Regelung wurde Niedersachsen im vergangenen Jahr offiziell zur Weinregion. Der kommerzielle Anbau von Trauben ist streng reglementiert, Hobbywinzer dürfen beispielsweise nur 99 Rebstöcke anbauen. In der ersten Vergaberunde der neuen Anbaurechte erhielten zehn Landwirte aus Niedersachsen grünes Licht für eine Fläche von insgesamt 7,6 Hektar.

Erste Weinpflanzen in Niedersachsen

Doch bis die ersten Flaschen entkorkt werden können, steht noch eine Menge Arbeit bevor. Gerd Brinkmann hat gerade 4300 Rebpflanzen bestellt, im kommenden Mai will er pflanzen. Michael Winkler aus Göttingen ist schon einen Schritt weiter: Er hat bereits die ersten 5000 Quadratmeter bepflanzt. Seine Rebsorte Solaris trage sogar schon die ersten Trauben, berichtet der Neuwinzer stolz. Am liebsten wolle er direkt mit der Weinherstellung anfangen. "Ich hadere noch, ob meine Neugier größer ist als meine Vernunft."

Michael Winkler sieht erste Erfolge. 

Sind die Rebstöcke gepflanzt, warten die nächsten Herausforderungen auf die Landwirte. Um in größeren Mengen Wein zu produzieren, braucht es aufwendige Technik - zum Pressen, Gären und Keltern. Gerd Brinkmann überlegt, erst einmal die Anlagen einer Mosterei in der Nachbarschaft zu benutzen und hofft, "dass der Wein dann nicht nach Apfelsaft schmeckt." Winkler hingegen setzt auf Gebrauchtwaren: Solange die Trauben wachsen, will er sich von ehemaligen Winzern die Geräte zusammenkaufen. Bis die jungen Rebstöcke genügend Ertrag bringen, kann es bis zu drei Jahren dauern.

Ganz ohne Unterstützung von ihren erfahrenen Kollegen aus dem Süden kommen die norddeutschen Winzer noch nicht aus. Brinkmann hat Schulungen in Würzburg besucht, Winkler lässt seine Anbauflächen von einem befreundeten Winzer aus Rheinhessen "wohlwollend begutachten". Beide spielen außerdem mit dem Gedanken, Unternehmer aus den traditionellen Weinbauregionen mit dem maschinellen Anpflanzen zu beauftragen.

Neuwinzer bereiten sich auf in Schulungen auf den Weinanbau vor.

Die bisher bewilligten Weinbauflächen liegen in der Region Hannover, den Landkreisen Göttingen, Lüneburg, Oldenburg, Schaumburg, Friesland, Osnabrück und dem Ammerland. Doch es können neue hinzukommen: Die neue Regelung erlaubt dem Bundesland bis 2020 pro Jahr fünf Hektar neue Weinfläche, deshalb können sich Interessierte jährlich um die Rechte bewerben.

Landwirtschaftsminister Christian Meyer freut sich schon auf die ersten Tropfen aus Niedersachsen: "Ich setze auf die Kreativität und Qualität unserer Neuwinzerinnen und -winzer. Womöglich gibt es ja dann bald ganz exquisiten, köstlichen Wein mit niedersächsischer Note."

Wenn alles gut läuft, könnte es im Jahr 2021 Gerd Brinkmanns ersten, eigenen Wein geben - "nur für uns und ein paar gute Freunde natürlich", betont er, denn das Getränk müsse sich erst noch entwickeln. Ab dem Jahr 2022 könne man vielleicht übers Verkaufen nachdenken.

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