Niedersachsens Ministerpräsident erntet als Stoppelmarkt-Redner viel Applaus

Ein Auf und Ab gab es für Weil nur in der Achterbahn

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Machte jeden Unsinn mit: Stephan Weil (l.) mit Vechtas Bürgermeister Helmut Gels bei einer Achterbahnfahrt.

Vechta - Von Ulrich Suffner. Er kann auch Bierzelt: Minutenlang applaudierten die Ehrengäste dem SPD-Spitzenpolitiker aus Hannover nach seinem ersten Marktauftritt. In einer kurzweiligen Festrede mit Witz und Hintersinn hat der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil am Montag die Herzen der Vechtaer erobert.

Als Ehrengast des Stadtempfangs am Stoppelmarktmontag in Kühlings Niedersachsenhalle zeigte sich der SPD-Politiker als volksnaher Landesvater und gut informierter Fan von Vechta und Südoldenburg. Gleich zu Beginn outete sich Weil als Stoppelmarkt-Greenhorn. Er komme zwar „aus der Stadt mit dem weltweit größten Schützenfest“, das in diesem Jahr zum 486. Mal gefeiert wurde. Aber was sei das schon, angesichts von 717 Stoppelmärkten. „Bei diesem Vergleich“, gab Weil zu, „wirkt mein heiß geliebtes hannoversches Schützenfest wie eine bescheidene Nachgeburt.“

Von der Universität in Vechta forderte Weil größere Anstrengungen in der Stoppelmarkt-Forschung. Dass die heimische Region landesweit die höchste Geburten- und die niedrigste Sterberate habe, könne kein Zufall sein. Südniedersachsen könne von Südoldenburg lernen.

717. Stoppelmarkt in Vechta

Mit einem Augenzwinkern kommentierte Weil den aktuellen Streit um die Zeltvergabe. Das Bemühen des Bürgermeisters, „nur Wirte mit einem tadellosen Ruf“ auf den Markt zu lassen, sei zu loben. Allerdings sei es auch gut, dass diese Regelung nur für Wirte und nicht für Gäste gelte. „Sonst“, sagte Weil mit verschmitztem Lächeln, „wären wir möglicherweise doch eine deutlich kleinere Runde hier.“

Der Ministerpräsident sagte, er folge gerne dem Rat des grünen Landwirtschaftsministers Christian Meyer, auf dem Stoppelmarkt nur von Spanferkeln zu essen, „an denen die Ringelschwänze noch dran sind“. Aber die Lust auf Bratwurst lasse er sich nicht verbieten, fügte Weil unter großem Beifall hinzu. Und schob noch einen bösen Witz über Vegetarier nach: Der Begriff komme aus dem Indianischen und bedeute „zu blöd zum Jagen“. Und so weit solle man es in Niedersachsen nicht kommen lassen.

Stoppelmarkt in Vechta am Samstag

Stoppelmarkt in Vechta am Freitag / 2

Politisch höchst unkorrekt machte Weil auch derbe Späße zum Verhältnis von Mann und Frau – obwohl ihm Frauenministerin Cornelia Rundt solche Reden verboten habe. In diesem Zusammenhang lästerte der Ministerpräsident auch noch über den CDU-Fraktionsvorsitzenden im Landtag: Björn Thümler habe nach einem Mittagessen mit der Grünen-Fraktionsvorsitzenden Anja Piel auch schon die Erfahrung machen müssen, „dass es ganz oft eben einfach nicht passt“ zwischen Mann und Frau. Während er von einem tollen Auftakt für künftige schwarz-grüne Zusammenarbeit geschwärmt habe, „wollte Anja Piel wirklich nur eine Tasse Kaffee trinken“, witzelte Weil.

Stoppelmarkt in Vechta am Freitag / 1

Stoppelmarkt in Vechta am Donnerstag / 2

Vor und nach dem Ministerpräsidenten gehörte das Mikrofon Vechtas Bürgermeister Helmut Gels. Nach einem besonderen und viel beklatschten Willkommensgruß an alle Flüchtlinge, die in Vechta eine neue Heimat gefunden haben, nahm Gels seine Kollegen Tobias Gerdesmeyer aus Lohne und Willibald Meyer aus Goldenstedt aufs Korn. Auch das ist ja am Stoppelmarkt-Montag – wie der Pferdemarkt und vieles andere auch – mittlerweile gute Tradition.

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