Mehr Entlastung im Gespräch

Niedersachsens Meisterprämie wird zum Nachfrage-Hit

Hannover - Von Ralf E. Krüger. Handwerk hat goldenen Boden - so ein Sprichwort. Doch während ein Studium kostenfrei ist, müssen Handwerker noch immer viel für ihre Meisterausbildung zahlen. Das will die Landesregierung ändern.

Die neue Meisterprämie für Handwerker ist nach Ansicht der niedersächsischen Landesregierung als Erfolg. "Uns liegen bereits 1158 Anträge vor, die Prämie wird sehr gut angenommen", sagte Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) der Deutschen Presse-Agentur. Die Regierung hatte die Prämie vor einem Vierteljahr eingeführt. Wer eine Meisterprüfung geschafft hat, kann dadurch 4000 Euro vom Land beantragen.

Die Nachfrage werde noch steigen, meinte Althusmann und forderte völlig kostenlose Meister-Ausbildungen. Sie sollten so attraktiv werden wie ein Studium. Auch die Handwerkskammer Hannover bestätigte die hohe Nachfrage. "Die Prämie hat in der Tat die Funktion eines Motivators", sagte Sprecher Frederick Becker, "viele bewerben sich, weil sie von der Prämie gehört haben".

Die Prämie richtet sich an Meister aus zulassungspflichtigen Gewerben. Das sind zum Beispiel Maurer, Zimmerer, Installateure, Bäcker oder Friseure. Wer in diesen Gewerben einen Betrieb führen und Lehrlinge ausbilden möchte, benötigt einen Meisterbrief. Der kostet samt Prüfungen meist mehrere Tausend Euro. Die Prämie bekommen kann nur, wer zum Zeitpunkt der Prüfung mindestens ein halbes Jahr in Niedersachsen wohnt oder arbeitet.

Althusmann will sich für mehr einsetzen 

In diesem Jahr hat die Landesregierung rund 13 Millionen Euro im Haushalt für die Prämie vorgesehen, 2018 einen Posten von zehn Millionen. Im aktuellen Haushalt ist mehr veranschlagt, weil Handwerker die Prämie auch rückwirkend beantragen können, wenn sie ihre Meisterprüfung nach dem 1. September 2017 geschafft haben. Generell rechnet das Land mit rund 2500 neuen Meistern im Jahr.

Nun will sich Althusmann für mehr einsetzen: Niedersachsen wolle jetzt mit dem Bund darüber verhandeln, dass die komplette Aufstiegsförderung kostenfrei werde. Das Land habe im Bundesrat eine entsprechende Initiative eingebracht.

"Wir wollen den Bund davon überzeugen, dass er angelehnt ans BaföG 100 Prozent der Aufstiegsförderung übernimmt", sagte Althusmann. Es wäre nur gerecht, da eine Meister-Ausbildung von der Qualifikation her gleichwertig mit dem Bachelor-Studium sei. "Bei diesem haben wir Kostenfreiheit, bei der Meister-Ausbildung dagegen haben wir nur eine Förderung: Ich finde, da müssten wir zu einem gemeinsamen System kommen", betonte der Minister.

Begabter Nachwuchs fehlt weiterhin 

Noch immer fehle den Handwerks-Unternehmen heute der begabte Nachwuchs, weil die jungen Menschen oft eher zum Studium neigten. Dieser gut ausgebildete Nachwuchs werde zudem immer wichtiger bei der Nachfolgeregelung vieler Betriebe, deren Inhaber altersbedingt demnächst ausscheiden.

Aus Sicht von Industrie und Handel ist die Förderung durch die Meisterprämie jedoch noch immer zu eng gefasst, weil sie andere aufstiegswillige Menschen ausschließe. So gelte sie nicht für Facharbeiter, die in IHK-Betrieben ihre Kurse etwa als Metall- oder Elektromeister selber finanzierten. Insofern seien Nachbesserungen durch die Politik begrüßenswert, um diese Förderung auf eine breitere Basis zu stellen. "Wir haben das Thema bei jedem Ministergespräch angebracht, aber man will da nicht ran", sagte Günter Hirth, der Leiter der Berufsbildung bei der IHK Hannover.

Rubriklistenbild: © dpa

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