Pistorius regt Gesetze zum Einbruchschutz an

Hannover - Sie brechen Türen oder Fenster auf und steigen ins Haus ein. Einbrecher kommen nicht selten auch am Tage, und oftmals wird es ihnen leicht gemacht. Innenminister Pistorius will für Neubauten gesetzliche Regelungen für mehr Schutz gegen die Ganoven.

Angesichts steigender Einbruchszahlen hat Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD)einen gesetzlich vorgeschriebenen Schutz für Neubauten angeregt. Es müsse darüber nachgedacht werden, Schutzvorrichtungen an Fenstern und Türen künftig gesetzlich vorzuschreiben, sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Hannover. Der Kriminologe Christian Pfeiffer unterstützte den Vorstoß von Pistorius. „Er mahnt mit Recht an, dass wir die Vorgaben für Neubauten viel strikter gestalten können“, sagte Pfeiffer am Montag. „Dass mehr als jeder vierte Einbruch scheitert, zeigt, dass viele Hauseigentümer investiert haben. Das kann man noch verbessern.“ Pistorius will den Vorstoß bei der Innenministerkonferenz am Donnerstag und Freitag in Koblenz zum Thema machen.

„Wir wissen, dass Einbrecher sehr häufig abbrechen, wenn sie merken, dass sie nicht innerhalb sehr kurzer Zeit in die Wohnungen und Häuser gelangen“, sagte er zur Begründung. Verknüpft mit staatlichen Förderprogrammen könne Einbrechern das Handwerk gelegt werden. Beispiele aus anderen Ländern, etwa den Niederlanden, belegten das eindrucksvoll. Es dürfe angesichts der enormen Auswirkungen von Einbrüchen auf betroffene Menschen keine Denkverbote geben. 2014 war die Zahl der Taten deutschlandweit auf über 152 000 gestiegen - 1,8 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Hausratsversicherer zahlten 490 Millionen Euro. Binnen fünf Jahren nahmen die Schäden laut Versicherungswirtschaft um 35 Prozent zu. Mit 541 Taten auf 100 000 Einwohner war die Einbruchsgefahr in Bremen im vergangenen Jahr am größten. Die Aufklärungsquote der Polizei lag nach Angaben der Ermittler bundesweit bei knapp 16 Prozent. Pfeiffer zog diese Zahl in Zweifel. „Von 100 Opfern, die einen Einbruch anzeigen, erleben nur zwei die Verurteilung des Täters. Die Polizei berichtet uns zwar von höheren Aufklärungsquoten, aber das hält einer kritischen Überprüfung der Staatsanwaltschaften nicht stand“, sagte Pfeiffer, der frühere Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, der Deutschen Presse-Agentur. „Sieben von acht angeblich aufgeklärten Fällen stellen sich später als nicht aufgeklärt heraus. Es fehlt das Personal, es fehlt die Technik und es fehlt die Entschlossenheit der Politik“, sagte Pfeiffer. Eine vor dem Abschluss stehende Studie über Einbrüche in fünf deutschen Städten, darunter Hannover und Bremerhaven, habe diese Einschätzung untermauert.

Mehr als 2000 Einbrüche aus dem Jahr 2014 seien untersucht und aus jeder Stadt 500 Opfer befragt worden. Der Bremerhavener Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) habe diese Studie wegen der in der Hafenstadt drastischen Entwicklung angeregt, sagte Pfeiffer, von 2000 bis 2003 SPD-Justizminister in Niedersachsen. In Bremen stieg die Zahl der angezeigten Einbrüche und versuchten Taten im vergangenen Jahr auf mehr als 3000, knapp 500 mehr als noch ein Jahr zuvor. In Niedersachsen sank die Zahl dieser Delikte entgegen dem Bundestrend um 1100 auf rund 14 600. Gekippte Fenster und nicht abgeschlossene Türen sind für die Täter keine Hindernisse. Selbst am Tag steigen sie in Häuser und Wohnungen ein und durchwühlen das Inventar. Die Verletzung der Privatsphäre, das verlorene Sicherheitsgefühl - nach Angaben von Experten der Polizei können nach Einbrüchen auch schwerwiegende psychische Folgen auftreten. dpa

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