70 Gefährder bekannt

Zahl der Islamisten steigt trotz Prävention stark an

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Mit Abu Walaa steht ein mutmaßlicher Islamist in Celle momentan vor Gericht.

Hannover - Gegen die islamistische Radikalisierung junger Menschen hat sich in Niedersachsen ein Expertennetzwerk formiert. Trotz aller Beratungs- und Präventionsangebote aber steigt die Zahl der Islamisten weiter an. Welches Konzept hilft?

Trotz aller Präventionsbemühungen steigt die Zahl der Islamisten in Niedersachsen weiterhin kräftig an. Derzeit gibt es etwa 800 Salafisten in Niedersachsen mit weiter steigender Tendenz, teilte der Verfassungsschutz der dpa in Hannover mit. 

Zu Jahresbeginn lag die Zahl noch bei 680. Aus Niedersachsen sind 82 Islamisten bekannt, die Richtung Syrien/Irak ausgereist sind, fünf mehr als Anfang 2017. Über 30 der aus Niedersachsen ausgereisten Islamisten sind inzwischen zurückgekehrt. Die Zahl hiesiger Extremisten, die mutmaßlich bei Kampfhandlungen getötet wurden, liegt im unteren zweistelligen Bereich.

Kompetenzstelle vor neuen Herausforderungen

Angesichts dieses Trends steht die vor eineinhalb Jahren gegründete Kompetenzstelle Islamismusprävention vor wachsenden Herausforderungen. Über erfolgversprechende Präventionskonzepte wollen Experten der Kompetenzstelle am Freitag in Hannover beraten. 

Eine Einschätzung der Lage werden die Präsidentin des Verfassungsschutzes, Maren Brandenburger, sowie der Präsident des Landeskriminalamtes, Uwe Kolmey, abgeben. Über Probleme bei der Prävention referiert die Leiterin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam, Susanne Schröter.

Aussteigerprogramm wurde eingerichtet

Die Kompetenzstelle Islamismusprävention wird von Verfassungsschutz und Landeskriminalamt federführend geleitet und zählt zwölf feste Mitarbeiter. Auch das Sozial- und Justizministerium mit ihren Gruppen und Beratungsstellen sind mit an Bord. Das Netzwerk treibt auch ein Aussteigerprogramm voran, so wie es aus der Arbeit gegen den Rechtsextremismus bekannt ist. 

Es gab bereits mehr als zehn Beratungsfälle. Ziel des Expertennetzwerkes ist es, Hinweisen auf islamistische Gefahren schneller und kompetenter als früher begegnen zu können. Schwerpunkte der Extremisten sind Hannover, Hildesheim, Braunschweig, Wolfsburg, Oldenburg, Osnabrück und der Raum Hamburg.

Die Islamisten erhielten unter anderem über eine gut durchdachte Sozialarbeit Zugang zu jungen Menschen, sagte die Leiterin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam, Susanne Schröter, bei der Tagung der Kompetenzstelle. Oftmals auf der Straße gebe es eine erste Ansprache und Einladung zu sozialen Aktivitäten wie Fußballspielen oder Grillen. Auch islamistische Hilfsorganisationen versuchten über ihre Aktivitäten junge Leute einzubinden.

70 Personen als Gefährder eingestuft

Aus dem Kreis der Salafisten werden rund 70 Menschen als islamistische Gefährder eingestuft. Das sind Menschen, denen die Sicherheitsbehörden jederzeit einen Terroranschlag zutrauen. Die Zahl der sogenannten relevanten Personen liegt im niedrigen zweistelligen Bereich, dabei handelt es sich um Unterstützer.

dpa

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