Polizei setzt auf Prävention und Fahndung

Wohnungseinbrüche plagen Niedersachsen - viele Banden aktiv

Hannover - Organisierte Banden lassen die Zahl der Einbrüche in Niedersachsen wieder ansteigen. Die Polizei setzt auf Prävention und Fahndung. Aber auch die Investition in Einbruchsschutz lohnt sich, meint der Innenminister. 40 Prozent der Einbruchsversuche nämlich scheitern.

Niedersachsen macht ein spürbarer Anstieg der Wohnungsbrüche zu schaffen. Während die im vergangenen Jahr registrierte Kriminalität im Durchschnitt nur leicht gestiegen ist, erhöhte sich die Zahl der Einbrüche um 13,1 Prozent auf 16 575, sagte Innenminister Boris Pistorius (SPD) am Montag bei der Vorlage der Kriminalstatistik. Davon konnten nur knapp ein Viertel der Fälle (22,2 Prozent) aufgeklärt werden, deutlich mehr allerdings als im Bundesdurchschnitt. Von den 2015 registrierten 568 470 Straftaten (plus 2,8 Prozent) wurden 61,1 Prozent aufgeklärt - etwas mehr als im Jahr zuvor. Der Flüchtlingszuzug habe nicht zu einer problematischen Zunahme von Kriminalität geführt, betonte Pistorius.

WOHNUNGSEINBRÜCHE: Die steigenden Zahlen liegen im Bundestrend. Dass 40 Prozent der Einbrüche im Versuchsstadium stecken bleiben, ist für Pistorius Hinweis darauf, dass sich Investitionen in Einbruchsschutz lohnen. Für den Anstieg an Einbrüchen mitverantwortlich sind organisierte Banden, auch aus dem Ausland. Niedersachsen kooperiert mit benachbarten Bundesländern und den Niederlanden, um die Täter zu fassen. Beim Landeskriminalamt sollen im nächsten Jahr die Möglichkeiten zur DNA-Analyse verbessert werden, worüber Täter überführt werden können.

MORD & TOTSCHLAG: Die Zahl der Fälle sank insgesamt von 427 in 2014 auf 392. Dass die Zahl der Morde von 76 auf 109 zulegte, hängt mit den Ermittlungen zu der Mordserie eines Krankenpflegers in Oldenburg zusammen. Die Zahl der Totschlagsfälle sank von 212 auf 167. Bei Gewaltdelikten insgesamt gab es einen leichten Anstieg von 17 453 auf 17 568 Fälle.

JUGENDKRIMINALITÄT: Die Kinder- und Jugendkriminalität ist erneut rückläufig. Die Zahl der von Minderjährigen begangenen Taten ist um 2,45 Prozent auf 35 369 gesunken, der niedrigste Wert seit zehn Jahren. Auch die Kriminalität in Schulen war erneut spürbar rückläufig.

KRIMINALITÄT VON FLÜCHTLINGEN: Da viele Flüchtlinge wegen unerlaubter Einreise oder illegalen Aufenthalts in Deutschland zwangsläufig in der Kriminalstatistik landen (18 410 Vergehen), hat es hier 2015 ein kräftiges Plus gegeben, was auch für den allgemeinen leichten Anstieg der Kriminalitätszahlen verantwortlich ist. Die große Mehrzahl der Flüchtlinge halte sich an Recht und Gesetz, betonte Pistorius, nur wenige fielen als Schwarzfahrer oder durch Ladendiebstähle auf. Dabei habe die Beute oft keinen großen Wert.

CYBERCRIME: Computerkriminalität ist für die Fahnder weiter ein wachsendes Feld, die Zahl der Fälle stieg von 34 950 auf 35 311. Dabei geht es nicht nur um Betrügereien über das Internet, sondern auch um Bedrohungen, Stalking oder Beleidigungen in sozialen Netzwerken. Für den Kampf gegen Computerkriminalität werden in Kürze 22 externe Experten bei der Polizei eingestellt.

RAUSCHGIFT: Auch die Rauschgiftkriminalität nahm erneut leicht zu von 29 801 auf 30 593 Fälle. Eine Zunahme gab es beim Schmuggel von Ecstasy, erstmals seit Jahren leicht rückläufig waren aufgedeckte Fälle von Cannabis-Schmuggel. Zwar sank die Zahl entdeckter Cannabisplantagen von 92 auf 27, die Zahl beschlagnahmter Pflanzen stieg indes von 17 000 auf 21 000.
dpa

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