Pflegekräfte am Limit

Niedersachsen wird Corona-Hotspot - Stephan Weil blickt auf Intensivbetten-Reserve

Immer mehr Corona-Hotspots in Niedersachsen, die Krankenhäuser sind auf hohem Niveau belegt. Was erwartet uns in der kommenden Zeit?

Hannover - Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil hat angesichts steigender Corona-Infektionszahlen auf Reserven in den Kliniken hingewiesen. Er beobachte die Entwicklung in den niedersächsischen Krankenhäusern sehr genau, sagte der SPD-Politiker. „Landesweit gibt es allerdings nicht unerhebliche Reserven, sodass Infizierte keine Angst haben müssen, im Notfall nicht intensivmedizinisch behandelt werden zu können.“ Er räumte ein, die Lage auf den Stationen sei „gleichwohl angespannt“.

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Der Ministerpräsident war in der vergangenen Woche von Medizinern kritisiert worden, weil er die Lage in den Kliniken als „entspannt“ bezeichnet hatte. Die Zahl der Corona-Patienten in Kliniken und auf Intensivstationen bleibt auf hohem Niveau. Am Donnerstag wurden 1087 Erkrankte im Krankenhaus behandelt, 306 davon auf der Intensivstation. 211 Erwachsene und ein Kind mussten künstlich beatmet werden.

Coronavirus in Niedersachsen: Zahl der Hotspots steigt

In Niedersachsen werden immer mehr Landkreise zu einem Corona-Hotspot. Die 7-Tages-Inzidenz im Land liegt bei 125 Infektionen auf 100.000 Niedersachsen, 31 der 45 Landkreise übersteigen diesen Wert. Damit gelten in diesen Landkreisen verschärfte Corona-Maßnahmen. In Salzgitter und Vechta liegt der Inzidenzwert sogar über 300. 1917 neue Infektionsfälle und 9 weitere Todesfälle wurden am Freitag laut dem Niedersächsischen Landesgesundheitsamt registriert.

Gesundheitsministerium: 349 Intensivbetten in Niedersachsen frei

Von den derzeit verfügbaren 2163 Intensivbetten in Niedersachsen waren am Freitag nach Angaben des Gesundheitsministeriums 349 noch frei. Als Notfallreserve können im Land 1045 weitere Intensivbetten binnen sieben Tagen einsatzbereit sein. Etwa die Hälfte der Intensivbetten sind im Moment mit Menschen belegt, die Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Unfälle erlitten haben. 20 Prozent sind mit Patienten belegt, bei denen eine zeitlich aufschiebbare, sogenannte elektive Operation vorgenommen wird. 15 Prozent der Betten sind mit Covid-Patienten belegt.

In Niedersachsen sind die Intensivbetten insgesamt auf hohem Niveau ausgelastet.

Mit Blick auf fast volle Intensivstationen warnte die Pflegekammer vor einer Überlastung des Gesundheitssystems. „Die Mitarbeitenden auf den Covid-Intensivstationen arbeiten seit einem Jahr am Limit“, sagte Felix Berkemeyer, Abteilungsleiter einer Intensivpflegestation und Mitglied im Vorstand der Pflegekammer. Dass nun immer mehr junge Corona-Patienten beatmet werden müssen, sei für viele Kolleginnen und Kollegen besonders erschütternd.

Pflegekammer fordert weitere Maßnahmen

Neben mehr Impfungen und einer langfristigen Schnellteststrategie braucht es aus Sicht der Pflegekammer weitere Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie. Das Personal auf den Intensivstationen müsse dringend entlastet werden, etwa durch das Verschieben von nicht sofort nötigen Eingriffen. Die Kammer empfiehlt, zusätzliche Pflegefachkräfte, etwa aus der Anästhesie, zur Verstärkung auf überlasteten Intensivstationen einzusetzen, wenn dadurch die Notfallversorgung nicht gefährdet wird. Zudem müsse sichergestellt werden, dass Kliniken keine finanziellen Einbußen erleiden, wenn sie Betten für Corona-Patienten freihalten.

Rubriklistenbild: © dpa/Christophe Gateau

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