Verschärftes Jagdgesetz 

Land nimmt Wildschweine und Nutrias ins Fadenkreuz

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Jäger

Hannover - Niedersachsen will entschiedener gegen erkrankte Wildschweine vorgehen. Auch Nutrias sind für das Land eine Plage.

In Osteuropa ist die Afrikanische Schweinepest (ASP) auf dem Vormarsch, Wildschweine können sie übertragen. Deshalb soll es den Tieren verstärkt an den Kragen gehen, auch in Niedersachsen. Um die Jagd zu erleichtern, soll nach dem Willen der Landesregierung das Jagdgesetz geändert werden. 

So sollen künftig notfalls auch Muttertiere gestreckt werden dürfen, sollte die Seuche ausbrechen. Auch das Schießen aus dem Auto soll dann bei Jagden auf Schwarzwild während der Maisernte erlaubt werden, sagte eine Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums. 

Das Kabinett hat am Dienstag einen entsprechenden Änderungsentwurf zum Niedersächsischen Jagdgesetz freigegeben, nun sind die Verbände gefragt. „Im Falle eines Seuchenausbruchs soll es zulässig sein, in betroffenen Gebieten alle Wildschweine zu töten, um die Ausbreitung des Erregers zu verhindern“, hieß es in einer Pressemitteilung der Staatskanzlei. 

Die Schweinepest wäre verheerend für Landwirte

Hierzu gehöre im Falle eines ASP-Ausbruchs auch die Erlegung von Muttersauen mit Jungtieren in der Risikozone, erläuterte eine Sprecherin des zuständigen Landwirtschaftsministeriums. 

„Ein Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in einer hiesigen Wildschweinpopulation hätte verheerende Folgen für Niedersachsens Schweinehalter und wäre ein volkswirtschaftlicher Milliardenschaden“, erklärte Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU). Transport und Handel könnten dann zum Erliegen kommen. 

Niedersachsen sei mit mehr als zehn Millionen Tieren bundesweit Schweineland Nummer Eins und daher besonders sensibel für ASP, betonte sie bereits im Februar. Die Seuche endet bei Wild- und Hausschweinen meist innerhalb weniger Tage tödlich, für Menschen ist sie nicht gefährlich. 

Sollte die Afrikanische Schweinepest im Land ausbrechen, dürften auch trächtige Wildsauen erlegt werden, teilt das Landwirtschaftministerium mit.

Vorgeschlagen wurden am Dienstag auch Regelungen für ein allgemeines Fütterungsverbot bei Schwarzwild, im Falle eines Jagdverbots soll der Wildschadensersatz gestrichen werden. Das Verbot von Schalldämpfern soll aufgehoben werden, doch muss jeder Jäger der zuständigen Behörde nachweisen, warum der Besitz erforderlich ist. 

Niedersachsens Jäger haben im vergangenen Jagdjahr besonders viele Wildschweine geschossen. Mehr als 56.000 wurden 2016/2017 erlegt, das war der zweithöchste Wert seit 1958, nur 2008/2009 waren es mehr. „Wir können bei einem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest nicht auf eine zeitaufwendige Änderung des Gesetzes warten", sagte Helmut Dammann-Tamke, Präsident der Landesjägerschaft. 

“Von daher begrüßen wir den am Dienstag vom Kabinett freigegebenen Ermächtigungskatalog mit den entsprechenden Instrumentarien„, so Dammann-Tamke. Auch der Einsatz von Nachtzieltechnik im Seuchenfall könnte sinnvoll sein, sagte Dammann-Tamke. 

Nutrias sollen ebenfalls mehr gejagt werden

Außerdem soll mit der Novellierung des Jagdgesetzes die landesweite Bejagung von Nutrias deutlich verstärkt werden. Die aus Südamerika stammenden Nager gefährden durch das Untergraben von Deichen und Dämmen den Hochwasserschutz.  Der bislang geltende Schutz der Elterntiere soll aufgehoben werden. 

Die Novelle sei ein Rückschritt, monierte Miriam Staudte, agrar- und jagdpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag. “Die Jagdgesetznovelle sieht einen massiven Tabu-Bruch im Bereich des Tierschutzes vor“, erklärte sie. Die Erlegung der Muttertiere von Wildschweinen und Nutrias führe dazu, dass die Jungtiere elendig verenden würden. 

„Das ist weder tierschutzgerecht, noch waidgerecht. Ich fordere die aktiven Jäger und Jägerinnen auf, sich diesem Vorgehen zu verweigern.“ Bei den Nutrias sollte das Land Berufsjäger beauftragen, die Population zu reduzieren, forderte Staudte. - dpa

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