Alternative zum Religionsunterricht

Niedersachsen testet Schulfach Werte und Normen an Grundschulen

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Ein Mädchen in der Schule - als neues Grundschulfach soll Werte und Normen moralisch-ethische Wegweiser vermitteln.

Hannover - Als Alternative zum konfessionellen Religionsunterricht will Niedersachsen im kommenden Schuljahr das Fach Werte und Normen an zehn Grundschulen testen.

Bisher wird es nur an weiterführenden Schulen gelehrt. Die einjährige Testphase entspreche dem Wunsch vieler Eltern, sagte Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) am Montagabend in Hannover. „Dabei handelt es sich in der Tat um eine alte Forderung von uns, die die steigende Zahl konfessionsloser Kinder berücksichtigt“, so der Vorsitzende des Landeselternrates Niedersachsen, Mike Finke. 

Das Fach komme auch Kindern mit Migrationshintergrund bei der Wertevermittlung zugute. Niedersachsen folgt damit dem Beispiel von Bundesländern wie Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Nach Angaben der Ministerin gibt es dort ein Ethik-Fach für Grundschüler, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen. 

Kein Ersatz für den Religionsunterricht

Das Fach Werte und Normen soll vor allem moralisch-ethische Wegweiser fürs gesellschaftliche Miteinander, aber auch Grundzüge der Weltreligionen vermitteln. Als Ersatz für den Religionsunterricht sei es nicht gedacht, betonte Heiligenstadt und erklärte: „Ich persönlich stehe dem Ganzen sehr positiv gegenüber.“ 

Ob das Fach an allen niedersächsischen Grundschulen eingeführt wird, soll nach einer Auswertung des Versuchs entschieden werden. Bei einer Einführung müssten entsprechende pädagogische Lehrgänge und Bildungspläne entwickelt und das Schulgesetz geändert werden. Die Lehrer, die in der einjährigen Erprobungsphase eingesetzt werden, sind Pädagogen von weiterführenden Schulen mit entsprechender Ausbildung, die an den Grundschulen schon andere Fächer unterrichten. 

„Ich war überrascht von der Zahl der Schüler, die keiner Religionsgemeinschaft angehören“, gab die SPD-Politikerin zu. Mit 72.800 Kindern stellten sie die zweitgrößte Gruppe im Land. Rund 123.500 der insgesamt 278.000 Schüler an Niedersachsens 1800 Grundschulen gehörten der evangelischen, 46.900 der katholischen und 21.000 der muslimischen Glaubensgemeinschaft an. 

Religionsgemeinschaften wurden in die Planung einbezogen

Vertreter der unterschiedlichen Glaubensgruppen seien wegen der Initiative konsultiert worden und stünden hinter ihr, sagte die Ministerin: „Die kirchlichen Religionsgemeinschaften unterstützen diese Entwicklung durchaus.“ Innerhalb der Bildungsgewerkschaft GEW wird das Thema kontrovers diskutiert. „Ich persönlich bin gegen Religionsunterricht - und damit auch gegen Ersatzfächer“, so der GEW-Landesvorsitzende Eberhard Brandt. In der GEW gebe es aber auch Befürworter des Werte-Fachs. 

Heiligenstadt äußerte sich kritisch zu den bildungspolitischen Plänen des CDU-Landesvorsitzenden Bernd Althusmann. Dessen Ankündigung, im Falle eines Wahlsieges bei der Landtagswahl Anfang 2018 die Inklusion in den Schulen im Rahmen eines einjährigen Moratoriums auszusetzen, sei besorgniserregend. Sie widerspräche fundamental einem früheren Parteienkonsens, den Wahlkampf nicht auf dem Rücken der betroffenen Kinder durchzuführen.

dpa

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