Niedersachsen Technikum soll Mädchen in technische Berufe bringen

Wilhelmshaven - Von Deike Stolz. Es ist der erste landesweite Durchgang eines bundesweit neuen Programms: 62 junge Frauen absolvieren derzeit das sechsmonatige Niedersachsen Technikum. Das Praktikum kombiniert technische oder naturwissenschaftliche Studiengänge und den jeweiligen Berufsalltag.

Wilhelmshaven (dpa/lni) - Schon in ihrer Schulklasse war sie das einzige Mädchen, das sich fürs naturwissenschaftliche Abiturprofil entschied. Ihrem Berufsziel Ingenieurin versucht Katharina von Ditfurth seit Oktober nun mit der Teilnahme am Technikum ein Stück näher zu kommen: Die 20-Jährige aus Horumersiel schnuppert an vier Tagen pro Woche in den Arbeitsalltag bei der Wilhelmshavener Technologiefirma Optimare hinein und mischt sich am fünften Tag unter die Mechatronik-Studierenden der Jade Hochschule.

„Es macht Spaß, weil ziemlich vieles praktisch ist und wenig theoretisch“, schwärmt sie. Zwar gibt es auch mal Tage, an denen sie im Büro am Schreibtisch sitzt und auf Anregung ihres Mentors Rainer Schultze Fachbücher wälzt - Physik, Chemie, Informatik - ohne Theorie geht es schließlich nicht. „Aber wir versuchen, Katharina vor allem beim praktischen Teil unserer verschiedenen Entwicklungsprojekte einzubinden“, sagt Schultze, promovierter Chemiker und Leiter des Geschäftsbereichs Analytik bei Optimare.

Da geht es etwa um die Weiterentwicklung einer Lampe, die in der Analytik für den Nachweis flüchtiger Substanzen oder in der Astrophysik eingesetzt werden kann. „Ich habe zum Beispiel die Gaszellenkomponenten für die Lampe gereinigt“, sagt Katharina beim Rundgang durch die Labors. Oder es geht um die Simulation der Windgeschwindigkeits-Messung in der Umgebung eines Windrads per Laser, um dessen Effizienz besser zu steuern. „Dabei hat Katharina das Signal mit einer speziellen Software erfasst und ausgewertet“, erzählt Schultze.

Mit den meisten der Geräte in den Firmen-Labors habe sie in der Schule gar nicht gearbeitet, sagt die 20-Jährige. „Das praktische Vorwissen, das man kriegt, ist wirklich gut.“ Auch im Informatikkurs für Zweitsemester an der Hochschule komme sie - ein wenig zu ihrer eigenen Überraschung - bislang ganz gut klar. Wenn sie am Ende des Semesters die dortige Prüfung besteht, hat sie den ersten Schein fürs angestrebte Medizintechnik-Studium schon in der Tasche.

„Frauenförderung ist das Hauptziel des Programms“, erläutert die Technikum-Koordinatorin der Hochschule, Maren Deerberg. „Bislang ist der ingenieurwissenschaftlich-technische Bereich zutiefst männlich dominiert und mit Stereotypen behaftet. Und das Technikum will dem etwas entgegensetzen.“ Laut Hochschulstatistik 2011 sind in den sogenannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) junge Frauen auch an niedersächsischen Hochschulen mit 28,6 Prozent jedenfalls noch klar in der Minderheit. Von den Studenten der Ingenieurwissenschaften sind nur 19,6 Prozent weiblich.

„Im Technikum können junge Frauen an Sicherheit gewinnen, das möchte ich machen, und ich kann das auch“, sagt Deerberg. Allein die Jade Hochschule bietet für Herbst 2013 insgesamt 24 Technikumsplätze an. Vier Aspirantinnen gibt es schon, die Deerberg im Bewerbungsprozess um ihr mit etwa 400 bis 500 Euro vergütetes Praktikum nun begleitet. „Das Interesse bei Unternehmen ist da“, sagt Deerberg, „sowohl an der Nachwuchsförderung als auch am Kontakt mit den Hochschulen“.

Judith Bräuer von der Zentralen Koordinierungsstelle an der Hochschule Osnabrück, wo das Technikum in zwei Pilotdurchgängen erprobt wurde, berichtet ebenfalls von positiven Rückmeldungen aus der Wirtschaft. „Die Unternehmen finden es toll, dass die Mädels frischen Wind reinbringen.“ Das bestätigt auch Rainer Schultze von Optimare: „Wir sind schon ein ziemlicher Männerhaufen hier. Ein gesundes Geschlechterverhältnis wäre da sicher besser.“ dpa

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