Wasserstoff als Lösung

Stahlindustrie in Niedersachsen soll grüne Energiewende fördern – 360.000 Jobs betroffen

Die Stahlindustrie beschäftigt rund 360.000 Menschen in Niedersachsen. Nach der Corona-Pandemie sucht sie nach Auswegen aus der Krise. Dabei soll sie auch noch grüner werden. Ein Energieträger soll eine wichtige Rolle spielen.

  • Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) trifft sich mit Vertretern der Stahlindustrie.
  • Grüner Wasserstoff könnte CO2-Ausstoß reduzieren.
  • Transformation der Stahlindustrie in Niedersachsen in Richtung grüner Stahl geplant.

Hannover - Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) hat sich Anfang September mit rund 20 Vertretern aus Stahlindustrie, Verbänden und Gewerkschaften virtuell zum vierten Stahldialog getroffen. Die Stahlindustrie steht aktuell vor besonderen, nicht nur pandemiebedingten Herausforderungen. Ziel des Dialoges war der Austausch über die derzeitige Situation sowie die Zukunftsaussichten für die Stahlindustrie in Niedersachsen.

Thyssen-Krupp 161.000 Mitarbeiter
Salzgitter AG25.500 Mitarbeiter
Saarstahl6.400 Mitarbeiter
Deutsche Edelstahlwerke4.400 Mitarbeiter
Arcelor-Mittal Bremen3.000 Mitarbeiter

Neben der Bewältigung der Folgen aus der Corona-Pandemie – die Stahlerzeugung in Deutschland lag im ersten Halbjahr 2020 rund 16 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum – waren sich die Teilnehmer einig, dass faire Wettbewerbsbedingungen in der Handels-, Energie- und Klimapolitik essenzielle Voraussetzungen für einen funktionierenden Markt und die Sicherung industrieller Arbeitsplätze in Deutschland und damit in Niedersachsen sind.

Stahlindustrie könnte mit grünem Wasserstoff viel CO2 einsparen

Wirtschaftsminister Bernd Althusmann: „Mit ihren 10.000 direkt und 350.000 indirekt Beschäftigten gehört die Stahlindustrie zu den Schlüsselindustrien bei uns in Niedersachsen. Die Stahlindustrie steht vor großen Herausforderungen wie etwa dem Klimaschutz und der Bewältigung der Corona-Krise. Bei unserem heutigen Austausch haben wir einen besonderen Fokus auf die Transformation der Stahlunternehmen hin zu CO2-armer Produktion gelegt. Die Stahlindustrie hat einen der größten Anteile an der industriellen CO2-Emission Deutschlands. Durch grünen Wasserstoff bei der Stahlerzeugung könnten langfristig bis zu 95 Prozent CO2-Emissionen eingespart werden.“

Durch ein besonderes Wasserstoff-Verfahren soll CO2 bei der Stahlerzeugung eingespart werden. Imago

Eine CO2-arme Produktion in der Stahlindustrie ist notwendige Voraussetzung, um den Green Deal der EU erfolgreich umzusetzen und die deutschen Klimaschutzvorgaben einzuhalten. Niedersachsen empfiehlt sich hier als Pionierregion für die klimaneutrale Industrie: Niedersachsen ist bereits heute zentraler Knoten für eine sichere und wirtschaftliche Versorgung Deutschlands mit Energie.

Die vorhandene Infrastruktur kann zunehmend für Produktion, Transport und Speicherung von grünem Strom und grünem Wasserstoff genutzt werden, um die energiebedingten CO2-Emissionen im Industriesektor deutlich zu senken. Ziel ist dabei, sukzessiv steigende Anteile dieser Energien für zusätzliche klimaneutrale industrielle Wertschöpfung zu nutzen.

Handlungskonzept für die Stahlindustrie

Einen weiteren Schwerpunkt des gemeinsamen Austauschs stellte das „Handlungskonzept Stahl – Für eine starke Stahlindustrie in Deutschland“ der Bundesregierung dar. Das Konzept enthält Maßnahmen und konkrete Umsetzungsschritte, wie die deutsche Stahlindustrie zukunftsfest, klimafreundlich und wettbewerbsfähig aufgestellt werden kann. Die Bundesregierung hat damit ein wichtiges Signal zur Transformation der Stahlindustrie in Richtung grüner Stahl geschaffen. Niedersachsen hat im Rahmen der Allianz der stahlproduzierenden Bundesländer hier bereits eine enge Begleitung zugesagt.

Bernd Althusmann: „Eines ist sicher: Nur ein freier und regelbasierter Welthandel, eine sinnvolle Energie- und Klimapolitik mit Augenmaß, die eine wettbewerbsfähige Stahlindustrie ermöglicht sowie die nachhaltige, zukunftsgerichtete Transformation sind unverzichtbare Bestandteile für die Sicherung unserer niedersächsischen Stahlstandorte mit seinen qualifizierten Fachkräften. Dafür setze ich mich weiterhin entschlossen ein.“

Auf dem zweiten nationalen Stahlgipfel im Dezember dieses Jahres in Duisburg wird Niedersachsen Seite an Seite mit den betroffenen Bundesländern dafür eintreten, eine gemeinsame Strategie der Stahlallianz im intensiven Dialog mit Bund und Europäischer Union abzustimmen.

Vorreiter Schweden: Stahlproduktion mit Wasserstoff

In Schweden startete am 31. August der Betrieb einer Eisenverhüttung mit Wasserstoff, die den größten Teil der CO2-Emissionen vermeidet. Sie nennt sich „Hybrit“ und soll die Grundlage für die Umstellung der Stahlindustrie bis 2035 bilden. Dabei geht die Anlage in Schweden jetzt schon viel weiter als Tests von Thyssen-Krupp und Air Liquide in Duisburg, wo lediglich Wasserstoff in einem normalen Hochofen zugesetzt wird. Erst 2024 sind dort Tests wie in Schweden geplant, wo Stahl nur mit Wasserstoff gewonnen wird.

Dabei ist auch für den Wasserstoffprozess keine völlig neu entwickelte Technologie notwendig, nur das Zusammenspiel der Abläufe ist neu und muss erprobt und optimiert werden, bevor der Prozess in der Breite angewendet werden kann. Das Verfahren ist weder perfekt noch günstig, aber er ist umsetzbar und die CO2-Emissionen werden um etwa 85 bis 90 Prozent gesenkt.

Es wird geschätzt, dass die Kosten bei der Stahlproduktion durch die Technik um etwa 20 bis 30 Prozent steigen. Vor allem der Stromverbrauch von etwa 3,5 MWh pro Tonne Stahl stellt ein erhebliches Problem dar. Schätzungen zufolge würde die Umstellung der gesamten deutschen Stahlindustrie auf Wasserstoff den jährlichen Stromverbrauch des Landes von rund 600 TWh auf 700 TWh erhöhen.

Rubriklistenbild: © imago images / Rupert Oberhäuser

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