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Propaganda-Krieg: Welche Rolle die Ex-Grüne Alina Lipp aus Niedersachsen spielt

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Der Ukraine-Krieg ist ein Informationskrieg, von allen Seiten. Für Russland spielt dabei eine ehemalige Grüne aus Niedersachsen eine wichtige Rolle.

Hannover – Es ist nicht allzu lange her, da war Alina Lipp ein aktives Parteimitglied der Grünen in Niedersachsen. Inzwischen hat sie sich neu orientiert: Sie inszeniert sich als Journalistin im Ukraine-Krieg, von differenzierter Berichterstattung ist indes keine Spur. Die 28-jährige ist Teil der Propagandamaschinerie im Ukraine-Krieg geworden. Als Medium dafür nutzt sie vor allem den umstrittenen Messengerdienst Telegram, dort folgen fast 130.000 Menschen ihren Ausführungen.

Propaganda im Ukraine-Krieg: Welche Rolle die Ex-Grüne Alina Lipp aus Niedersachsen für Putin spielt

Noch vor wenigen Jahren war Alina Lipp beratendes Mitglied im Umweltausschuss der Stadt Hannover, nun ist sie eigenen Angaben nach „Friedensjournalistin“. Lipp gibt an, „die andere Seite“ zeigen zu wollen, im Rahmen einer ausgewogenen Berichterstattung geschieht das allerdings nicht. Die 28-Jährige ist viel mehr Teil der Propagandaschlacht im Ukraine-Krieg geworden, sie berichtet einseitig aus Perspektive der russischen Führung unter Wladimir Putin. Während dieser Tage auch kritische Stimmen schnell dem Vorwurf russischer Propaganda ausgesetzt sind, ist die Situation bei Lipp anders.

Über den Messengerdienst Telegram verfolgen fast 130.000 Menschen die Berichte von Alina Lipp. (Symbolbild)
Über den Messengerdienst Telegram verfolgen fast 130.000 Menschen die Berichte von Alina Lipp. (Symbolbild) © Fabian Sommer/dpa

Das Wording, das die gebürtige Hamburgerin in ihren Meldungen bisweilen nutzt, gibt Aufschluss über ihre Geisteshaltung: Auch sie bezeichnete den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine als „Spezialoperation“, wie der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet. Im Ukraine-Konflikt spielt Putins Fake-News-Kampagne eine wichtige Rolle, denn Krieg ist immer auch ein Krieg der Informationen. Alina Lipp ist Teil davon. Sie übernahm und verbreitete etwa Berichte über getötete Freiwillige aus dem Westen, die in Wirklichkeit gar nicht getötet wurden. Immer wieder teilt sie auf ihrem Kanal „Neues aus Russland“ Meldungen, die nicht wahrheitsgemäß sind. Nun könnte angenommen werden, es handle sich um schlechte Recherche. Ein Blick in den Kanal lässt diese Vermutung verschwinden: Es finden sich quasi ausschließlich einseitige Berichte ohne Raum für Differenzierung.

Ex-Grüne Alina Lipp aus Niedersachsen: Falschmeldungen und tatsächliche Russophobie in Europa

Die Ex-Grüne Alina Lipp aus Niedersachsen berichtet in diesem Rahmen auch von Übergriffen auf russischsprachige Menschen in Deutschland. In einem Fall berichtete die gebürtige Hamburgerin von einem antirussischen Übergriff mit Todesfolge in Euskirchen, den die Rechercheplattform correctiv später als frei erfunden entlarvte. In einem anderen Fall nutzte Lipp ein Video von einem Mann, der in einem Supermarkt mit russischen Waren randalierte, Ort des Geschehens soll Regensburg gewesen sein. Heraus kam: Es war ein Supermarkt in Russland und das Jahr 2019. Das berichtet ebenfalls correctiv.

Lipp wollte damit den Nachweis erbringen, in Deutschland herrsche antirussische Stimmung. Fakt ist: Falsche Schlüsse, Ausgrenzung und Verallgemeinerung sind im Zuge des Ukraine-Kriegs eine große Gefahr. Boris Johnson warnte zuletzt vor einer „Hexenjagd“ auf Russinnen und Russen. Auf welche Weise den tatsächlich von Russophobie betroffenen Menschen durch Falschmeldungen geholfen sein soll, weiß wohl nur Lipp selbst. Sie nahm Beiträge hierzu später aus dem Netz.

Lipp instrumentalisiert Themen wie das Asow-Bataillon, um kritische Beobachter für sich zu gewinnen

Lipp bedient sich in ihrer Arbeit damit eines Themas mit wahrem Kern, spickt dieses mit Falschmeldungen und nutzt es für ihre Zwecke. Die Ex-Grüne behandelt in ihrer Arbeit auch andere Themen, die kritische Beobachter schon länger betonen – etwa die Rolle des rechtsradikalen Asow-Bataillons, das der Ukraine-Botschafter zuletzt als „mutige Kämpfer“ bezeichnete. Damit versucht die gebürtige Hamburgerin auch ein kritisches Publikum für sich zu gewinnen, ein Publikum, das etwa seinerseits einseitige Berichterstattung bemängelt. Fakt ist, dass in Teilen der westlichen Medien tatsächlich nicht über den Charakter des Asow-Regiments berichtet wird. Lipp instrumentalisiert diese Themen für sich – und zur Rechtfertigung des Kriegs.

Das Beispiel Alina Lipp: Der Ukraine-Krieg ist ein Propaganda-Krieg von allen Seiten

Alina Lipp ist damit Protagonistin in einem Informationskrieg, den der Ukraine-Krieg auch darstellt, es ist das stetige Ringen um Deutungshoheit über die Ereignisse. Insbesondere in den Wirren des schwer zu durchschauenden Krieges nehmen Protagonistinnen und Protagonisten wie Lipp eine einflussreiche Rolle ein: Viel dessen, was sie verbreiten, lässt sich unabhängig oft nur schwer bis gar nicht überprüfen. Doch es geht nicht nur um Desinformationen: Teil der Propaganda im Ukraine-Krieg waren zuletzt auch immer wieder verquere Verweise zum Nationalsozialismus, von beiden Seiten. Schräge Vergleiche kennt auch Lipp: Sie erklärte laut correctiv kürzlich, Deutschland erinnere sie mittlerweile an ein Konzentrationslager, weil Ungeimpfte keine Geschäfte mehr betreten oder Schuhe kaufen könnten.

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Propaganda nimmt im Ukraine-Krieg eine wichtige Rolle ein, sowohl Selenskyj als auch Putin nutzen Informationen für ihre Zwecke. Die Kriegsparteien haben Sprachrohre, Russland etwa Lipp. In der aktuellen Situation sind Propaganda und Desinformationen Mittel des Kriegs. Desinformation ist in diesem Rahmen keineswegs ein rein russisches Phänomen, doch die russische Seite erweist sich als überaus geübt und organisiert in der Produktion von Desinformationskampagnen. Trotz allem Mitgefühl mit den Ukrainerinnen und Ukrainern ist der Schluss, alle Angaben der Gegenseite deshalb als wahr anzunehmen, dennoch falsch: Kriegsparteien als Quelle sind immer mit großer Vorsicht zu betrachten, erst Recht, wenn ihre Daten unabhängig nicht überprüft werden können. Auch Alina Lipp ist offensichtlich Teil einer Kriegspartei geworden.* kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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