Einst waren sie fast ausgerottet

Seehundpopulation im Wattenmeer wächst

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Robben und Seehunde liegen vor Helgoland auf einer Düne.

Wilhelmshaven - „Da hinten liegt ein Seehund auf der Sandbank“, freuen sich einige Fährpassagiere während der Überfahrt zur Insel Juist. Erst beim Blick durchs Fernrohr wird der kleine Unterschied sichtbar: Die stumpfe und kegelförmige Schnauze gehört tatsächlich einer Kegelrobbe, Deutschlands größtem Raubtier.

Die massigen Meeressäuger sind seit den 70er-Jahren immer öfter an der Nord- und Ostseeküste zu sehen. Dort waren die Tiere bereits im Mittelalter zahlreich vertreten. Als angeblicher Konkurrent der Fischer wurden sie jedoch durch Jagd und die Zerstörung von Lebensräumen fast ausgerottet. Doch ständige Beobachtungen im deutschen, dänischen und niederländischen Wattenmeer belegen ihre erfolgreiche Rückkehr. 

500 Tiere mehr als im Vorjahr

5445 erwachsene Tiere haben Experten bei Zählflügen in deutschen, niederländischen und dänischen Gewässern gesichtet, zehn Prozent mehr (4936) als 2015/16. Davor waren es rund 4500. Das geht aus Daten hervor, die das Gemeinsame Wattenmeersekretariat CWWS in Wilhelmshaven jetzt ausgewertet hat. Die länderübergreifende Stelle koordiniert seit 2008 die Zählflüge aus den Wintermonaten in Deutschland, Dänemark und den Niederlanden. 

Vor allem im niederländischen Wattenmeer (4045) tummelten sich die Kegelrobben, gefolgt von Deutschland (1179) und Dänemark (221). Nach Jungtieren halten die Experten besonders Ausschau: Zum Höhepunkt der Wurfperiode gab es mit insgesamt 1279 Welpen die bisher höchste Zahl. 

Schutzgebiete sichern eine natürlichere Entwicklung

Kegelrobben werden anders als Seehunde im Winter geboren und verbringen die ersten Lebenswochen an Land. Erst wenn sie sich eine dicke Speckschicht zugelegt haben, tauschen sie ihr weißes Geburtsfell gegen einen schwimmtauglichen Kurzhaar-Pelz und gehen ins Wasser. 

„Die wachsenden Bestände sind sicher auch ein Ergebnis der Schutzgebiete wie Nationalparks und Befahrensregelungen für die Schifffahrt“, bewertet Richard Czeck die Entwicklung. „Bestimmte Gebiete sollten daher allein ihrer natürlichen Entwicklung überlassen werden“, empfiehlt der Meeressäuger-Experte bei der Wattenmeer-Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven. 

Süße Tiere sind gnadenlose Räuber

Dabei kann die Natur auch manchmal recht brutal vorgehen: Vor wenigen Jahren untersuchen Forscher seltsame Bisswunden an toten Schweinswalen und führen dies fälschlicherweise auf Verletzungen durch Schiffsschrauben zurück. Und wie der Messerschnitt eines Souvenirjägers sieht zunächst die Fleischwunde eines toten Schweinswals auf der Vogelinsel Mellum aus. Erst DNA-Untersuchungen lenken später den Blick auf Kegelrobben als Täter. 

Neue Untersuchungen belegen auch Angriffe von Kegelrobben auf Seehunde. Wissenschaftler beobachten vor Helgoland, wie ein junger Kegelrobbe unter Wasser einen Seehund erlegt und an Land zerrt. Forscher gehen inzwischen von einem üblichen Jagdverhalten aus, das aber bisher kaum aufgefallen ist. Für Czeck ist das kein ungewöhnlicher Vorgang in der Welt der Meerestiere: „Das scheint ein ganz natürlicher Prozess zu sein.“

dpa

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