Angst vor den Taliban

Schüler aus Wolfenbüttel sitzen in Kabul fest – Schulleiterin verzweifelt

Zu sehen sind zwei bewaffnete Männer in Afghanistan, die auf Patrouille sind.
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Die Lage in Afghanistan ist prekär: Nach der Übernahme des Landes durch die Taliban leben vielen Menschen in Angst – und wollen die Hauptstadt Kabul per Flugzeug verlassen. Doch bestehen derzeit keine Evakuierungsflüge. (Symbolbild)

Es ist eine absolute Alptraum-Vorstellung: Zwei afghanische Schüler aus Wolfenbüttel stecken in Kabul fest. Die Schulleiterin ist alarmiert, es herrscht Angst vor den Taliban.

Kabul/Wolfenbüttel – Eine Nachricht, die sich wie aus einem Film liest: zwei afghanische Schüler der Henriette-Breymann-Gesamtschule in Wolfenbüttel sitzen in Kabul fest. Die Zwillinge Farhadullah und Abida waren zu Beginn der Sommerferien mit ihren Eltern in die afghanische Hauptstadt gereist, um dort an einer Familienfeier teilzunehmen. Nun leben sie in großer Angst vor den Taliban.

Land in Südasien:Afghanistan
Hauptstadt:Kabul
Fläche:652.860 km²
Bevölkerung:38,04 Millionen (2019)
Staatliche Struktur:Islamische Republik
Währung:Afghani
Amtssprache:Paschtunische Sprache, Dari

Afghanische Zwillinge aus Wolfenbüttel stecken in Kabul fest – „völlig unklar, ob die Familie zurückkommen kann“

Wie „Antenne Niedersachsen“ berichtet, seien die beiden Achtklässler zu einer Zeit nach Kabul gereist, in der noch nicht absehbar war, wie drastisch sich die Situation in Afghanistan verändern würde. Laut Katrin Unger, Schulleiterin der Henriette-Breymann-Gesamtschule, könnten die beiden Kinder und ihre Eltern nicht ausreisen, da es keine Evakuierungsflüge mehr gibt.

Nach eigenen Angaben habe sich Unger bereits an das Auswärtige Amt gewandt. Doch habe sie bei der Behörde bis dato niemanden erreicht. Auf ihre E-Mails hätte die Schulleiterin bisher nur automatisierte Antworten erhalten. „Es ist völlig unklar, ob und wann die Familie zurückkommen kann“, wird Unger vom NDR zitiert. Angeblich würde die Familie auf einer Warteliste stehen.

Kontakt mit der Außenwelt wird weniger: Afghanische Zwillinge schreiben Nachrichten mit Mitschülern in Wolfenbüttel

Derzeit würde die Familie am Stadtrand von Kabul bei Verwandten wohnen. Es gehen ihnen den Umständen entsprechend, teilt Katrin Unger mit. Das Mädchen der Familie würde das Haus aus Angst vor den Taliban nicht verlassen. Wie aber verhält es sich mit der Kontaktaufnahme mit der Außenwelt?

Anfangs hätten die beiden Achtklässler noch regelmäßig via WhatsApp mit ihren Mitschülern in Wolfenbüttel kommunizieren können. Mittlerweile sei dies jedoch weniger geworden, da die schlechte Funkverbindung in Kabul keinen regelmäßigen Nachrichtenverkehr mehr zulässt.

„Ein ganz komische Gefühl“: Klassenlehrerin berichtet über Kommunikation mit ihren afghanischen Schülern

„Das ist ein ganz komisches Gefühl, dass die beiden jetzt fehlen und wir ohne sie in das neue Schuljahr starten mussten“, heißt es von Klassenlehrerin Svenja Schilling gegenüber „Antenne Niedersachsen“. Die Mitschüler der afghanischen Zwillinge würden das Geschwisterpaar sehr vermissen und große Angst um sie haben.

Schilling weiß auch über den Austausch mit Farhadullah und Abida zu berichten. Auch, wenn die Lehrerin und ihre Klasse teils mehrere Tage auf eine Antwort der Zwillinge warten müssen. „Farhadullah ist ein Junge, der auch gerne sagt: Machen Sie sich keine Sorgen, es ist alles in Ordnung. Das wird schon. Das ist auch das, was er uns weiterhin schreibt“, heißt es von Schilling.

Ungewissheit regiert: Afghanische Familie will Kabul verlassen – doch keine Evakuierungsflüge mehr vorhanden

Anders verhält es sich mit der Gefühlslage von Abida. Farhadullahs Schwester „hat mir neulich geschrieben, dass sie ein bisschen Angst hätte, dass die Taliban draußen geschossen hätten und nicht darauf geschaut hätten, wo sie hinschießen“, sagt Svenja Schilling.

So bleibt weiterhin die Ungewissheit bestehen, wie es in der unmittelbaren Zukunft für die in Wolfenbüttel lebende Familie aus Afghanistan weitergeht. Zum Hintergrund: Infolge der Eroberung Afghanistans durch die Taliban verließ der afghanische Präsident Aschraf Ghani am 15. August das Land.

Wenige Stunden später wurde der Präsidentenpalast in Kabul von den Taliban eingenommen. Zwar wurden Evakuierungsflüge vom Kabuler Flughafen aus vorbereitet, doch wurde es auch täglich schwerer, diesen zu erreichen. Dies trifft auch auf die Familie von Farhadullah und Abida zu. Sie wollten nur ein Familienfest feiern und bangen nun um ihr Leben – unvorstellbar. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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