Covid-19-Pandemie

Niedersachsen zieht schärfere Corona-Regeln für Schulen in Betracht

Die Lage erfordert es: Steigende Inzidenzen in Niedersachsen zwingt die Regierung zum Umdenken. Eine Verschärfung der Corona-Regeln liegt an Schulen auf dem Tisch.

Hannover – Die steigenden Corona-Zahlen haben nicht nur bundesweit Konsequenzen. So schließt beispielsweise der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) einen deutschlandweiten Lockdown nicht mehr aus. Auch in Niedersachsen sorgen die steigenden Corona-Zahlen inklusive der tagtäglich neuen Rekord-Inzidenzen zunehmend für ein Umdenken bei der Landesregierung. Denn auch in Niedersachsen müssen sich jetzt die Schülerinnen und Schüler auf eine mögliche Verschärfung der Corona-Regeln einstellen.

Bundesland:Niedersachsen
Hauptstadt:Hannover
Ministerpräsident:Stephan Weil
Bevölkerung:7,982 Millionen (2019)

Niedersachsen erwägt schärfere Corona-Regeln in Schulen

Während die neue Corona-Verordnung ab dem kommenden Dienstag in Kraft treten soll, sind bereits neue Überlegungen für Niedersachsens Schulen im Umlauf. Derzeit werden sämtliche Möglichkeiten, den Präsenzunterricht zu schützen, geprüft, sagte ein Sprecher von Kultusminister Grant-Hendrik Tonne (SPD) am Freitag in Hannover. Dazu gehörten tägliche Corona-Tests. Auch eine Ausweitung der Maskenpflicht auf Erst- und Zweitklässler schloss er nicht aus. „Alles ist auf dem Tisch. Das Wichtigste ist, dass die Schülerinnen und Schüler weiter in die Schule gehen können.“

Präsenzunterricht in Schulen: Niedersachsen zieht Verschärfung der Corona-Regeln in Betracht – über 2000 Corona-Fälle an Schulen

Während die Niedersachsens Landesregierung um Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) schärfere Corona-Regeln in Betracht zieht, rief der Ministeriumssprecher zudem die Erwachsenen auf, sich impfen zu lassen und sich auch im Privaten verantwortungsvoll zu verhalten. „Das sind Beiträge, wie man Schule und Kita sicher halten kann.“

Niedersachsen: kommen bald strengere Corona-Regeln an den Schulen?

In den vergangenen zwei Wochen sind laut Ministerium insgesamt 2190 Corona-Verdachtsfälle an den Schulen erfasst worden. An acht Schulen landesweit findet der Unterricht derzeit coronabedingt nur als Distanzlernen statt. Darüber hinaus waren am Freitag auch 10 Kindertagesstätten vollständig und 38 weitere teilweise geschlossen.

2G-Regel könnte ab Januar auch für Jugendliche ab 12 Jahren in Niedersachsen gelten

Die Landesregierung spielt derzeit auch mit dem Gedanken, dass ungeimpfte Jugendliche von Januar an anders als bisher von zahlreichen Veranstaltungen in Niedersachsen ausgeschlossen werden könnten. Wie eine Regierungssprecherin am Freitag in Hannover erklärte, könnte die Altersgrenze, ab der die 2G-Regel gilt, demnächst von 18 auf 12 Jahre gesenkt werden. „Bis jetzt ist vorgesehen, dass wir die bis 18-Jährigen ausnehmen und dann vielleicht ab dem 31.12. 2021 das auf 12 Jahre reduzieren.“ Die 2G-Regel beschränkt den Zutritt zu Veranstaltungen und Einrichtungen auf Geimpfte und Genesene, ein Corona-Test allein reicht dann nicht aus.

Hintergrund der bisherigen Ausnahmeregelung ist, dass sich die Jugendlichen für den Schulbesuch regelmäßig auf Corona testen. Zudem standen den Jugendlichen die Impfungen deutlich später zur Verfügung als Erwachsenen. Laut Zahlen des Robert Koch-Instituts ist bisher etwas mehr als die Hälfte (51,5 Prozent) der 12- bis 17-Jährigen in Niedersachsen vollständig geimpft.

Niedersachsens Kommunen sollen Corona-Regeln kontrollieren – ohne Kontrolle werde Umsetzung nicht funktionieren

Gleichzeitig setzt Niedersachsens Landesregierung mit Blick auf die geplante Verschärfung der Corona-Regeln der Ampel-Koalition, die im Bundestag beschlossen wurde, auch auf umfassende Kontrollen. Ohne Kontrollen werde die Umsetzung nicht funktionieren, sagte eine Regierungssprecherin am Freitag in Hannover. „Das heißt, die Polizei wird involviert werden, auch die Ordnungsämter.“ Auch Arbeitgeber und beispielsweise Verkehrsbetriebe seien gefordert, sich an den Kontrollen zu beteiligen.

Eine Sprecherin des Innenministeriums erklärte: „Die Kontrollen liegen in der Zuständigkeit der Kommunen. Diese können sich an die Polizei vor Ort wenden.“ Dabei gehe es darum festzulegen, wo genau welche Kontrollen nötig seien.

Der Leiter des Corona-Krisenstabs, Heiger Scholz, hatte am Donnerstag eingeräumt, es gebe ein „Vollzugsdefizit“ bei den Corona-Regeln, weil diejenigen, die sich den Vorgaben widersetzen, immer aggressiver würden. So beauftragten Nahverkehrsunternehmen inzwischen Sicherheitsleute, um ihre Kontrolleure zu schützen, sagte Scholz.

Corona in Niedersachsen: Covid-19-Kontaktnachverfolgung kaum noch leistbar – Gesundheitsämter am Limit

Viele Gesundheitsämter in Niedersachsen stoßen bei der Kontaktnachverfolgung von Corona-Infektionsketten an ihre Kapazitätsgrenzen. Das zeigt eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei insgesamt acht Landkreisen und Städten.

Nach Angaben des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes (NLGA) haben zwölf von insgesamt 43 Gesundheitsämtern eine sogenannte Überlastungsanzeige beim NLGA eingereicht. Damit signalisieren sie, dass die Nachverfolgung von Kontaktpersonen im vollen Umfang kaum noch oder nicht mehr zu bewerkstelligen ist.

Landkreis Cloppenburg und Landkreis Nienburg kommt es bei der Kontaktverfolgung zu deutlichen Verzögerungen

Stark betroffen ist unter anderem der Landkreis Cloppenburg, der bei den Corona-Neuinfektionen mit einem Inzidenzwert von über 344 vor dem Landkreis Cloppenburg (RKI, Stand: 18.11.) landesweit die meisten Infektionszahlen aufweist. Aufgrund der Überlastung kann es nach Angaben des Kreises zu deutlichen Verzögerungen bei der Kontaktnachverfolgung kommen.

Infizierte seien dazu aufgerufen, die automatisch geltende Quarantäne einzuhalten und Kontaktpersonen selbstständig zu informieren. Um die Herausforderung besser bewerkstelligen zu können, werde das Gesundheitsamt fortlaufend personell verstärkt und habe zusätzlich um Unterstützung durch mehrere Bundeswehrsoldaten gebeten.

Auch im Landkreis Nienburg ist eine lückenlose Kontaktverfolgung kaum noch möglich. Auf eine infizierte Person komme zum Teil eine bis zu dreistellige Anzahl von Kontaktpersonen, wie eine Sprecherin mitteilte. Hinzu komme, dass bei den Angaben immer wieder Personen vergessen oder teilweise sogar bewusst unterschlagen würden. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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