Niedersachsen ringt weiter um neuen Feiertag

Hannover/Osnabrück - Die Idee eines zusätzlichen Feiertages in Niedersachsen kommt gut an. Nachdem zunächst vor allem der Reformationstag im Gespräch war, wird nun diskutiert. Ist der Buß- und Bettag besser? Oder der Dreikönigstag? Auch der 8. Mai wird als Vorschlag genannt.

Die Debatte um die Einführung eines zusätzlichen Feiertages in Niedersachsen dauert an. Der katholische Bischof von Osnabrück, Franz-Josef Bode, sprach sich gegen eine vorschnelle Festlegung auf den Reformationstag aus. Ein solches Vorgehen bedeute, den zweiten Schritt vor dem ersten zu machen, sagte Bode der Deutschen Presse-Agentur. „Erst einmal müsste man sich klar werden, was man mit einem zusätzlichen Feiertag überhaupt will", erklärte Bode. Er brachte sowohl den Buß- und Bettag als auch den Dreikönigstag am 6. Januar ins Gespräch. Ein neuer Feiertag solle religiös, aber nicht zu sehr abhängig von Konfessionen sein. 

Der CDU-Landesvorsitzende Bernd Althusmann erklärte am Dienstag, er sehe keinen Anlass, den Reformationstag von vornherein infrage zu stellen. „Voraussetzung für die Einführung eines neuen Feiertags in Niedersachsen bleibt für mich ein Gespräch mit den Kirchen und der Wirtschaft." Auch eine Einigung mit den nördlichen Nachbarländern sei sinnvoll. Dass Luther ein Mann mit Licht und Schatten war, sei allseits bekannt und von der evangelischen Kirche nicht verschwiegen worden. Die Reformation habe Deutschland und seine christlich-jüdisch geprägte Geschichte stark geprägt. 

Jungsozialisten für Tag der Befreiung am 8. Mai

Der niedersächsische SPD-Nachwuchs, die Jungsozialisten, schlugen den Tag der Befreiung am 8. Mai als zusätzlichen Feiertag vor. Der Tag solle statt eines weiteren christlichen Feiertages gewählt werden, sagte der Landesvorsitzende der Jusos in Niedersachsen, Jakob Blankenburg. „Die Kapitulation Nazi-Deutschlands und das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa am 8. Mai 1945 stellen für alle demokratisch gesinnten, friedliebenden Menschen unabhängig von der Konfession einen Grund zur Freude dar." 

Den Reformationstag als jährlichen Feiertag zu verankern halten die Jusos für ein falsches Zeichen. „Am Reformationstag wird mit Martin Luther dem Wirken einer Person gedacht, deren antisemitische und sexistische Ansichten untragbar sind."

DGB für schnelle Entscheidung 

Die AfD-Fraktion im niedersächsischen Landtag gab zu bedenken, dass die Reformation weit mehr sei als eine Errungenschaft Martin Luthers. Auch andere Persönlichkeiten hätten die Reformation mitgestaltet, die für erheblich mehr stehe als die Spaltung der christlichen Kirche. Die Reformation sei eines der Fundamente der modernen Gesellschaft. Unter diesem Blickwinkel könne die AfD sich den Reformationstag gut als Feiertag vorstellen. 

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Niedersachsen mahnte eine schnelle Entscheidung über den zusätzlichen Feiertag an. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) habe eine Schaffung des Feiertages noch in diesem Jahr angekündigt. "Nun muss er wie versprochen Sozialpartner und Religionsgemeinschaften schnellstmöglich an einen Tisch bringen, damit der Landtag den neuen Feiertag zügig festlegen kann", sagte der DGB-Landesvorsitzende Hartmut Tölle. Je mehr Tage ins Land zögen, umso weniger potenzielle Feiertage ständen zur Diskussion. - dpa

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