Kritik von Grünen und GEW

Land nimmt Brennpunktschulen in den Blick 

Hannover - Die Landesregierung unterstützt 20 Brennpunktschulen. "Ein Tropfen auf den heißen Stein", sagen die Grünen. Alle Brennpunktenschulen brauchen Hilfe, findet die GEW. Kultusminister Tonne verteidigt "Schule Plus" als Anfang. Projekte für das ganze Land könnten folgen.

Die Problemlisten von Brennpunktschulen in Niedersachsen sind lang: Kinder von Flüchtlingen sprechen noch kein Deutsch, das Sozialverhalten vieler Schüler verroht und die wenigen Lehrer sind überlastet. 20 solcher Schulen will das Land nun mit einem sechs Millionen Euro teuren Programm fördern. An "Schule Plus" nehmen acht Bildungsstätten in Hannover, sechs in Salzgitter und je drei in Wilhelmshaven und Delmenhorst teil. Die Schulen liegen in Vierteln, in denen wenig Kinder Deutsch sprechen, viele Familien arm und Eltern oft arbeitslos sind.

Die Schulen bekommen zunächst bis Ende des nächsten Schuljahres 75 zusätzliche Lehrer und 25 Sozialarbeiter, wie Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Donnerstag in Hannover sagte. Weiter bezahle das Land den Schulen 300 Lehrerstunden extra pro Woche. Sie könnten selbst entscheiden, ob sie diese als Arbeitszeit für Lehrer nutzen, oder sich das Geld auszahlen ließen. Der Oberbürgermeister von Salzgitter, Frank Klingebiel (CDU), nannte das Programm eine "Entlastung". Das "ist aber auch zwingend notwendig", betonte er.

Viele sprechen noch kein Deutsch

"Früher gab es einen Hausmeister an der Schule, der auch die Sozialarbeit wahrgenommen hat. Wenn der gesagt hat "ihr hebt mal die Schultüte auf", dann haben die Kinder das gemacht - das läuft heute anders", sagte Klingebiel. Schule müsse immer mehr die Aufgaben von Eltern übernehmen, fügte der CDU-Politiker hinzu.

In Salzgitter kommen an manchen Schulen bis zu 85 Prozent der Schüler aus Flüchtlingsfamilien. Viele sprechen noch kein Deutsch. Ähnliche Probleme haben Klingebiel zufolge auch Wilhelmshaven und Delmenhorst. Schulen müssten Flüchtlingskinder nach zwei Jahren benoten, erklärte der Kultusminister. Oft klappe das aber nicht: Nach der Frist schrieben die Kinder nur Fünfen und Sechsen, weil die Sprache noch nicht sitze. Die teilnehmenden Schulen könnten diese Frist nach Bedarf verlängern. "Es gibt nicht die eine Musterlösung", betonte Tonne. Probleme und Lösungen seien von Schule zu Schule anders.

GEW fordert Konzept für alle Schulen in sozialen Brennpunkten

Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrüßte das Programm als Schritt in die richtige Richtung, mahnte aber an, dass es ein Gesamtkonzept für alle Schulen in sozialen Brennpunkten brauche. Die GEW nannte als Beispiele kleinere Klassen, weniger Arbeitsbelastung für Lehrer und Vollzeitstellen für pädagogische und therapeutische Fachkräfte. Auch die Opposition wies darauf hin, dass mehr als 20 Schulen im Land derartige Hilfe benötigten. Die schulpolitische Sprecherin der Grünen, Julia Hamburg, bezeichnete das Programm als "Tropfen auf den heißen Stein".

"Schule Plus" sei ein Auftakt und weitere Städte könnten folgen, sagte Kultusminister Tonne. Salzgitters Oberbürgermeister betonte, dass die Situation in Schulen ein Thema sei, das die Menschen umtreibe.

dpa

Rubriklistenbild: © Hauke-Christian Dittrich/dpa

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