Bei Corona-Inzidenz unter 100

Lockerungen statt Lockdown: Niedersachsen geht neuen Weg

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil kündigt umfangreiche Corona-Lockerungen. Vollständig Geimpfte, Genesene und negativ Getestete sollen gleichgestellt werden.

Update vom 04. Mai, 12.54 Uhr: Am Montag, 10. Mai wird Niedersachsen damit beginnen, die Corona-Beschränkungen vorsichtig zu lockern. Die neuen Regeln greifen zuerst nur in Städten und Kreisen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 100, teilte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) am Dienstag in Hannover mit. In Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz bis 165 kehren außerdem alle Schülerinnen und Schüler in geteilten Lerngruppen (Wechselunterricht) in ihre Schulen zurück. Mehr Möglichkeiten soll es für Menschen mit einem tagesaktuell negativen Corona-Test und bereits vollständig Geimpfte geben. Für diese Gruppen soll der Einzelhandel wieder öffnen.

Niedersachsen werde beim weiteren Vorgehen vorsichtig bleiben, stellte Weil klar. Das Land sei immer unter den denen mit den niedrigsten Infektionszahlen gewesen. In den Kommunen sehe es jedoch sehr unterschiedlich aus. Die Hochinzidenzregionen, also jene mit einem Wert über 100, blieben von Lockerungen unberührt. Das Land wolle bei den vorgesehenen Regelungen außerdem versuchen, dass Geimpfte, Genesene und negativ Getestete gleichgestellt werden.

Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) nimmt in der Landespressekonferenz im Landtag Niedersachsen seine Maske ab.

Orientiert an vergangenem Jahr soll es auch diesmal ein stufenweises Vorgehen geben. Die Lockerungen seien immer mit einem „Korsett aus Sicherheitsmaßnahmen“ versehen. Da auch die Tests jedoch keine hundertprozentige Sicherheit bieten, gelten auch weiterhin Masken- und Abstandsregeln, erklärte Weil.

Corona-Lockerungen: Erste Öffnungsschritte im Bereich Tourismus und Gastronomie

Bei einem stabilen Inzidenzwert von unter 100 könne auch der Handel wieder öffnen, allerdings mit strengen Regeln der Kontaktnachverfolgung, fügte Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) hinzu. Zudem müsse es doppelt so viel Platz pro Kunde zur Verfügung geben, als in den bereits geöffneten Läden des täglichen Bedarfs. Ein Schnelltest sei ebenfalls notwendig, vollständig Geimpfte hätten den gleich Status wie negativ Getestete.

Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU, r.) und Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) kündigen Lockerungen für Niedersachsen an.

Unter bestimmten Auflagen, wie beispielsweise einer geringeren Belegung der möglichen Kapazität, gebe es auch bei Tourismus und Beherbergung Lockerungen. Grundlage dafür sei ein nachprüfbares Hygienekonzept. „Wir brauchen diese Öffnungsperspektive dringend“, sagte Althusmann.

Auch für die Gastronomie sind Lockerungen geplant. Voraussetzung hier: ein Hygienekonzept, negativer Schnelltest, eine Sperrstunde um 23 Uhr sowie in Innenräumen eine maximale Kapazität von 60 Prozent. Die Öffnung der gesamten Gastronomie werde jedoch entzerrt, erklärt Althusmann. Die Innen-Gastronomie werde zwei Wochen später als die Außen-Gastronomie öffnen. Dadurch könne zunächst im sichereren Außenbereich getestet werden, bevor der Innenbereich geöffnet wird.

Wir brauchen diese Öffnungsperspektive dringend.

Bernd Althusmann (CDU), Wirtschaftsminister

Eine Entzerrung soll es auch bei Ferienhäusern und -wohnungen geben. Dort gibt es doch eine Unterscheidung zu sonstigen Betrieben: Zwischen verschiedenen Buchungen soll jeweils ein Tag ohne Belegung liegen. Auch sind Schnelltests im Bereich der Beherbergungen vorgesehen. Die Öffnung erfolge jedoch zunächst nur für Landeskinder. Vorerst solle die Regelung drei Wochen lang getestet werden. Mit der nächsten Verordnungsstufe erfolge möglicherweise eine Gesamtöffnung.

Auch Kultureinrichtungen sollen mit maximaler Belegung von 50 Prozent und einem negativen Test wieder starten können. Veranstaltungen im Freien seien unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls möglich. Veranstaltungen mit negativem Test, Maskenpflicht und festem Sitzplatz sind vorgesehen.

Schulen und Kitas bleiben bis zu einem Inzidenzwert von 165 geöffnet

Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) erklärt, dass Grundlage der Entscheidungen im Bereich Schule und Kita ist, dass es so viel Präsenzunterricht und Betreuung wie möglich geben soll, bei gleichzeitig maximalem Gesundheitsschutz. Als klares Signal, dass Bildung und Betreuung eine sehr hohe Priorität haben, werden sowohl Kitas, als auch Schulen bis zu einem Inzidenzwert von 165 offen gehalten.

Bis zu diesem Wert gilt das Szenario B in Kitas, also alle Kinder dürfen kommen, bleiben jedoch in festen Gruppen. Auch Schulen bleiben bis zum Wert von 165 im Szenario B, Präsenzunterricht im Wechselmodell. Sekundarstufe 1 und 2 haben somit die gleichen Beschulungs-Möglichkeiten wie die Grundschulen. Dies sei ein notwendiger, aber verantwortbarer Schritt, erkärt Tonne.

Corona-Lockerungen: Ende Mai wahrscheinlich 50 Prozent der Menschen erstgeimpft

Die Inzidenz bewege sich langsam, aber deutlich, nach unten, auch vor dem Hintergrund der Impfungen sei es nun notwendig über Lockerungen zu sprechen, ergänzte Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD).

Ende Mai seien wahrscheinlich 50 Prozent der Menschen erstgeimpft. Die Teststrategie müsse in der neuen Corona-Verordnung manifestiert werden. Die Inzidenz dürfe nicht aus den Augen verloren gehen, damit die Zahlen nicht plötzlich wieder ansteigen. Es sei gut, Testen und Impfen zu verbinden, fügte Behrens hinzu.

Ursprungsmeldung vom 04. Mai, 10:50 Uhr: Hannover - In einer Pressekonferenz informiert Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) heute gemeinsam mit Sozialministerin Daniela Behrens (SPD), Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) und Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) über das Vorgehen im Zusammenhang mit Corona-Lockerungen. Thema ist, was in Regionen passieren soll, deren Sieben-Tage-Inzidenzwert unter die Marke von 100 sinkt.

Landeshauptstadt:Hannover
Einwohnerzahl:7.993.608 (31. Dezember 2019)
Regierungschef:Ministerpräsident Stephan Weil (SPD)
Gesundheitsministerin:Daniela Behrens (SPD)

Auch am Dienstag liegt der Inzidenzwert für Niedersachsen bereits unter dem Wert von 100. Geplant ist daher, die auf der Bundes-Notbremse basierenden Corona-Beschränkungen vorsichtig zu lockern. Wie genau das passieren soll und welche Schritte geplant sind, darüber will die niedersächsische Landesregierung am Dienstag informieren. Die aktuelle Corona-Verordnung des Landes gilt noch bis zum kommenden Sonntag.

Die Landesregierung prüft mögliche Lockerungen der Corona-Beschränkungen im Zuge der Erarbeitung der nächsten Corona-Verordnung, die vom 10. Mai an gelten wird. Einzelheiten würden in dieser Woche besprochen, kündigt Ministerpräsident Stephan Weil an.

In der neuen Corona-Verordnung, die ab kommendem Montag in Kraft treten wird, soll es unter anderem um Tourismus und Gastronomie sowie den Einzelhandel gehen. Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) will zudem verbesserte Möglichkeiten für den Schulunterricht präsentieren. (Mit Material der dpa)

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/picture alliance/dpa 

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