Größtes Problem: Fehlender Berufsabschluss

Gute Konjunktur gibt Langzeitarbeitslosen wenig Hoffnung

Hannover - Trotz starker Konjunktur und des robusten Arbeitsmarktes bleibt die Vermittlung von Langzeitarbeitslosen eine Herausforderung. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen - also der Menschen, die ein Jahr und länger als arbeitslos gemeldet sind - sei in den vergangenen Jahren gesunken.

"Aufgrund der guten Konjunktur haben in den vergangenen Jahren auch etliche Langzeitarbeitslose einen Job bekommen", sagte Bärbel Höltzen-Schoh, Leiterin der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit. "Aber das trifft überwiegend auf die zu, die mit ihrer Qualifikation noch recht nah am Arbeitsmarkt dran waren."

Mehr als die Hälfte der Langzeitarbeitslosen hat keinen Berufsabschluss

Nach Angaben der Arbeitsagentur gelten in Niedersachsen über 89.000 Menschen als langzeitarbeitslos. 2014 waren es noch mehr als 100.000 Menschen. Zum Vergleich: bundesweit sank die Zahl der Betroffenen seit 2014 von fast 1,1 Millionen auf 903.000, in Bremen von rund 16.200 auf etwa 15.700 Menschen.

Um den Langzeitarbeitslosen eine neue Chance auf dem Arbeitsmarkt zu geben, wollen Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) und Sozialministerin Cornelia Rundt am Montag ein neues Landesprogramm vorstellen. Dabei geht es unter anderem um eine Arbeitsplatzprämie und ein intensives Coachingprogramm. Höltzen-Schoh sprach mit Blick auf Landesprogramme von Anreizen für Betriebe sowie intensiver Unterstützung für Teilnehmer des Projekts. 

Denn wer keine Ausbildung oder gar mit Handicaps wie gesundheitlichen Schwierigkeiten zu kämpfen habe, hänge vielfach in der Grundsicherung fest, erklärte sie. "Wir wissen, dass über die Hälfte der Langzeitarbeitslosen keinen Berufsabschluss hat." Mehr als ein Viertel der Betroffenen sei älter als 55 Jahre. Viele hätten gleich mehrere Hindernisse zu überwinden, bevor sie eine reale Chance auf dem Arbeitsmarkt erhielten. Intensive Betreuung von gesundheitlich eingeschränkten oder mit psycho-sozialen Schwierigkeiten kämpfenden Arbeitslosen sei aber ein gutes Mittel, um besonders unterstützungsbedürftige Menschen zu fördern. 

Arbeitsagentur hofft auf weiteren Rückgang der Arbeitslosenzahlen

Zugleich planen viele Unternehmen im Land Neueinstellungen, wie der Hauptgeschäftsführer der IHK Niedersachsen, Horst Schrage, unlängst sagte. Seit 2010 entstanden demnach landesweit über 400.000 Beschäftigungsverhältnisse - im laufenden Jahr sollen rund 60.000 dazukommen. Eine Herausforderung bleibe vor allem der Fachkräftemangel: "Die Qualifizierung von Facharbeitern muss von allen Akteuren aktiv angegangen werden", betonte Schrage. 

Im ersten Halbjahr lag die landesweite Arbeitslosenquote im Schnitt bei 5,9 Prozent. Die Arbeitsagentur geht davon aus, dass sich die Zahl der insgesamt rund 250.000 Arbeitslosen in Niedersachsen bis zum Jahresende um 2,5 Prozent verringern dürfte.

dpa

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