Maßnahmen reichen nicht aus

Kommunen schlagen Alarm wegen des Landarzt-Mangels

Hannover - Wegen des immer deutlicher werdenden Landarzt-Mangels schlagen Niedersachsens Kommunen und die Kassenärztliche Vereinigung (KVN) Alarm. Beide halten die bisher eingeleiteten Maßnahmen des Landes - darunter die Aufstockung der Mediziner-Studienplätze für 60 weitere Studenten - für zu wenig.

„Erhofft hatten wir uns 200 - die 60 sind uns zu wenig und definitiv nicht genug bei diesem Mosaikstein“, sagte KVN-Sprecher Detlef Haffke der Deutschen Presse-Agentur. Er wie vor allem auch der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund (NSGB) fordern eine Landarztquote, wie sie jetzt Nordrhein-Westfalen einführen will.

Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) sperrt sich jedoch. Er tritt für freiwillige Lösungen ein und will niemanden dazu zwingen, sich schon als junger Mensch frühzeitig festlegen zu müssen. Anders als bei der Quote sollen sich die Studierenden erst später freiwillig entscheiden, ob sie geschaffene Anreize für eine Praxis auf dem Land annehmen wollen oder nicht.

„Mit einer wie auch immer ausgestalteten „Landarztquote“, von der wir nicht wissen, ob sie den gewünschten Effekt erzielt, werden wir das vielschichtige Problem allein nicht in den Griff bekommen“, erklärt der sozialpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Volker Meyer. Auch er fordert: „Wir brauchen verstärkt positive Anreize, sich in der Fläche niederzulassen, mehr Studienplätze und keine rechtlich bedenklichen Verpflichtungen von 17- und 18-jährigen Studienanfängern.“

SPD: Pauschales „Nein“ viel zu einfach

Das sieht der Koalitionspartner SPD völlig anders. „Mit seinem pauschalen „Nein“ macht es sich der Minister viel zu einfach“, kritisierte der niedersächsische SPD-Generalsekretär Alexander Saipa. „Björn Thümler muss seine Blockadehaltung beim Thema Landarztquote dringend überdenken; in vielen ländlichen Räumen in Niedersachsen steuern wir in den kommenden Jahren auf eine Unterversorgung zu.“

Um dem Hausärztemangel entgegenzuwirken, haben das niedersächsische Gesundheitsministerium und die Kassenärztliche Vereinigung vor einem Jahr eine gemeinsame Erklärung zur Sicherung der ärztlichen Versorgung auf dem Land unterzeichnet. „Wir wollen diese Bemühungen nach zwei Jahren evaluieren und auf Basis dieser Ergebnisse entscheiden, ob weitere Maßnahmen hierfür notwendig sind“, erklärte ein Sprecher der Staatskanzlei, der auf ein vielfältiges Maßnahmenbündel zur Stärkung der ambulanten Versorgung verwies.

KVN fordert mehr Studienplätze

Die KVN fordert landesweit 200 bis 300 zusätzliche Medizinstudienplätze, da schon heute in Niedersachsen über 300 Hausarztpraxen leer stehen. Das Durchschnittsalter der rund 14.600 niedergelassenen Ärzte im Land betrage 54,1 Jahre und liege nahe der Ruhestandsgrenze. Dafür zeichnet sich nur teilweise Ersatz durch junge Mediziner ab. Es dauert immerhin rund zwölf Jahre, bis die heutigen Studienanfänger als Hausärzte arbeiten könnten.

Nordrhein-Westfalen vergibt künftig einen Teil der Medizinstudienplätze an Bewerber, die sich verpflichten, nach dem Studium für zehn Jahre als Hausärzte auf dem Land zu arbeiten. Auch der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund hält diese Lösung für richtungsweisend. Eine solche Quote sei kein Allheilmittel, sondern eine sinnvolle Option, um die Niederlassung als Arzt im ländlichen Raum zu unterstützen und dem Ärztemangel vorzubeugen, sagte NSGB-Sprecher Thorsten Bullerdiek.

dpa

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