Goldgräberstimmung in Teheran

Niedersachsen hoffen auf den Iran

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Stephan Weil (SPD) macht einen Rundgang über den Großen Basar in Teheran.

Hannover/Teheran - Fünf Tage dauerte die Reise von Ministerpräsident Weil in den Nahen Osten. Zeit genug, um einen ersten Eindruck von Land und Leuten zu bekommen. Zurück in Deutschland wird aber noch ein anderer Eindruck bleiben: Einigkeit mit dem Wunschpartner gibt es nicht überall.

Langweilig waren die Tage in Teheran für Stephan Weil zweifelsohne nicht. Denn bei seiner ersten Stippvisite in die iranische Hauptstadt hat der niedersächsische SPD-Ministerpräsident - und seine rund 30-köpfige Delegation - viel erlebt. Angefangen von einem Besuch im iranischen Technologie-Forschungszentrum über einen Besuch bei Ex-Staatspräsident Akbar Haschemi Rafsandschani über einen internationalen Medizinkongress bis hin zum Besuch des größten Basars der Welt sowie Treffen mit verschiedenen Ministern hatte das Programm viel zu bieten. Nur unterbrochen durch stundenlange Autofahrten durch den schier unfassbar chaotischen Verkehr der Millionen-Metropole.

Doch was bringt eine solche Reise am Ende für greifbare Ergebnisse? Die Technische Universität Braunschweig und die Ostfalia Hochschule Wolfenbüttel wollen künftig etwa mit der Universität Teheran enger kooperieren. Auch andere Wissenschaftler beider Länder bekräftigten ihren Willen, sich wieder aneinander anzunähern.

An die Vergangenheit anknüpfen

Damit liegen sie auf exakt jener Linie, die nach dem Ende der internationalen Sanktionen im Januar wieder ganz groß im kommen ist: Die Eiszeit der vergangenen Jahre überwinden und wenn irgendmöglich an genau die Vergangenheit anknüpfen, die beide Seiten in diesen Tagen so gerne beschwören: "Ich hoffe, dass beide Länder gleichermaßen davon profitieren werden", sagt Weil etwa zu den Uni-Kooperationen. Was die Wirtschaft angeht sei aber noch viel Arbeit nötig. "Wenn diese Blockade ausgeräumt ist, wird der Austausch sicher noch ganz anders vonstatten gehen", betont Weil und meint die nach wie vor schwierigen Wege für internationale Bankgeschäfte.

Aus Angst vor Problemen im US-Geschäft scheuen viele Kreditinstitute nämlich auch Monate nach dem Atomabkommen den Gang gen Iran. Das Problem ist längst auch in der EU-Kommission bekannt. Zeitgleich mit Weil war in diesen Tagen unter anderem deshalb auch eine hochrangige Delegation aus Brüssel in Teheran zu Gast. Überhaupt steht der Iran derzeit hoch im Kurs von westlichen Politikern. Weil ist der erste deutsche Ministerpräsident, es wird sicher nicht lange dauern, bis die nächsten ankommen werden. An Fronleichnam steht bereits der Besuch von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) an.

Reise verläuft durchwachsen

Für die Wirtschaftsvertreter ist die Reise nach eigenem Bekunden "durchwachsen" verlaufen. Immerhin kann etwa der Bauunternehmer Günter Papenburg mit einem Vertragsabschluss nach Hause fahren. Er war aber schon vorher als einer der ganz wenigen Niedersachsen im Iran als Geschäftsmann erfolgreich. Mit Blick auf millionenschweren Projektpläne des Landes in der Infrastruktur ist das Land für die Branche eine echte Goldgrube. So zumindest die Hoffnungen. Papenburg schielt etwa auf den Zuschlag für den Bau einer neuen Landebahn am Teheraner Flughafen. Doch man brauche Geduld, da ist er sich sicher.

Eines hat die Reise aber auch klar gezeigt: Politisch gibt es in einigen Punkten nach wie vor kaum überwindbare Klüfte. Als der Ajatollah und Unternehmer Rafsandschani im Gespräch mit Weil plötzlich anfängt, die Existenzberechtigung des Staates Israel in Frage zu stellen, wird diese Kluft offenkundig sicht- und spürbar. Doch Weil bezieht klar Position für eine Zwei-Staaten-Lösung, also ein Nebeneinander von Israelis und Palästinensern. Dafür hat Rafsandschani kein Verständnis und beendet das Treffen kurzerhand.

Frauen werden wichtige Positionen einnehmen

Für Weil ist dies aber nur ein Störfeuer. "Es gibt im Iran einen deutlichen Wandel. Es tut sich gerade einiges", fasst er seine Eindrücke am Ende zusammen. Als Beispiel nennt er die hohe Zahl an weiblichen Studenten. "Deshalb ist damit zu rechnen, dass Frauen in Zukunft auch mehr wichtige Positionen einnehmen werden." Dies zeige die spürbare Modernisierung des Landes. Dies dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es etwa bei der Meinungsäußerung und Pressefreiheit Grenzen gebe, "die wir aus unserer Sicht für inakzeptabel halten."

Positiv überrascht habe ihn die Herzlichkeit, mit der die Menschen ihren Gästen begegneten. Nicht nur bei offiziellen Terminen, sondern auch auf der Straße oder am Basar. Und sonst? Für Weil bleibt der 80-Millionen-Einwohner-Staat Iran ein überaus wichtiger Partner für die Zukunft mit großen Perspektiven. "Ich habe gelernt, dass man diese Gesellschaft und dieses politische System nicht eins zu eins mit unseren Maßstäben messen darf."

dpa

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