Klar zum Einsatz: Soldaten helfen Flüchtlingen

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Bundeswehr-Sanitäter Daniel P. (M) aus dem in Leer stationierten Kommando "Schnelle Einsatzkräfte Sanitätsdienst" untersucht einen unter starken Zahnschmerzen leidenden irakischen Flüchtling.

Hannover - Im 60. Jahr ihres Bestehens hat die Bundeswehr plötzlich zahlreiche Einsätze im Inland. Viele Soldaten stehen als Helfer für die geflüchteten Menschen bereit.

Mehr als 6000 Bundeswehr-Angehörige sind derzeit bundesweit in Hilfsaktionen für Flüchtlinge eingebunden. Davon stehen rund 450 Soldaten quer durch ganz Niedersachsen bereit. „Sie sind kurzfristig im „Kontingent Helfende Hände“ einsetzbar und innerhalb von vier Stunden marschbereit“, sagte ein Sprecher des Landeskommandos der Bundeswehr in Hannover. Die Hilfseinsätze sind vielfältig: Sie reichen vom Zeltaufbau und -abbau bis zur Essensausgabe. Aber auch die medizinische Versorgung gehört zu den Aufgaben. So wurden Sanitätskräfte bei Aufnahmeuntersuchungen und der medizinischen Versorgung von geflüchteten Menschen in Bremen, Celle und Westerstede eingesetzt.

Das im ostfriesischen Leer stationierte Kommando Schnelle Einsatzkräfte Sanitätsdienst unterstützt den Landkreis mit zehn Soldaten und zwei Fahrzeugen. Landrat Bernhard Bramlage (SPD) hatte die Spezialisten beim Land angefordert, weil es zu wenig Assistenzkräfte für die Ärzte gab. Die Einheit ist Teil der schnellen Speerspitze der Nato und hat einen guten Ruf: Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) lobte das Kommando bei einem Besuch im April als „hoch professionell“.

Von der Küste im Nordwesten bis zum Harz entlasten Soldaten zudem die vielen ehrenamtlichen Helfer - beim Betrieb von Unterkünften, in Wartezentren, an Verkehrsknotenpunkten, bei der Versorgung und Registrierung der geflüchteten Menschen. Zum Kernauftrag der Armee gehört das alles nicht, wird jedoch vom Grundgesetz abgesichert: Danach darf die Bundeswehr eingreifen, wenn Kommunen in dringenden Ausnahmefällen Amtshilfe anfordern. „Die Grenzen dafür sind sehr eng gesteckt“, sagte Pressesprecher Matthias Eichler vom Innenministerium in Hannover.

Bisher wurden 81 Anträge gestellt, 60 davon sind abgearbeitet. Wo die Soldaten nicht direkt anpacken, unterstützen sie doch indirekt und übernehmen Aufgaben wie etwa den Brandschutz. Militärische Aktionen wie Übungsschießen werden derzeit eingeschränkt. Zivilbeschäftigte hielten die Infrastruktur in Gang und organisierten die Mitnutzung von Kasernenanlagen, sagte Oberstleutnant Jürgen Engelhardt vom Landeskommando Niedersachsen. Bundesweit hat die Bundeswehr in 74 Liegenschaften Platz für 32 000 Flüchtlinge geschaffen.

In Niedersachsen sind Standorte in Delmenhorst, Schwanewede, Bückeburg, Celle, Wittmund, Bergen, Nienburg, Wunstorf, Luttmersen, Lüneburg, Wilhelmshaven, Diepholz und Visselhövede betroffen. „Das war anstrengend, aber auch eine befriedigende Arbeit“, schilderte Engelhardt eine typische Hilfsaktion in Bad Fallingbostel: „Die Soldaten haben morgens, mittags und abends Essen zubereitet und 1000 Portionen ausgeteilt.“ Die Menschen seien nach ihrer Ankunft sehr dankbar über eine warme Mahlzeit. „Die Kinder mögen wohl überall auf der Welt Schokoaufstrich - und freuen sich, wenn sie eine extra Portion bekommen.“
dpa

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