Corona-Pandemie

Niedersachsen: Kein Lockdown für Geimpfte und Genesene, außer...

Mit den neuen Warnstufen in der Corona-Verordnung will das Land Niedersachsen die Pandemie endlich in den Griff bekommen. Dabei ist nicht klar, was wann greift.

Hannover – Gute Nachrichten aus der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover: „Wir werden auf keinen Fall mehr zu einem weitgehenden Lockdown des gesellschaftlichen Lebens kommen!“ Und: Auch Geimpfte und Genesene haben mit der neuen Corona-Verordnung im Land Niedersachsen nicht zu befürchten, dass es für sie noch einmal grundsätzlich Verbote gebe. So macht die Regierungssprecherin in Niedersachsen, Anke Pörksen, zumindest Geimpften und Genesen Hoffnungen auf ein halbwegs normales Leben in der Corona-Pandemie.

Bundesland in Deutschland:Niedersachsen
Landeshauptstadt:Hannover
Gründung:1. November 1946
Fläche:47.709,82 Quadratkilometer
Einwohner:8.003.421 (Stand: 31. Dezember 2020)
Regierungschef:Stephan Weil (SPD)

Gleichzeitig betonte die niedersächsische Regierungssprecherin aber, dass es möglich sei, dass Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen, mit schärferen Maßnahmen rechnen müssten. Man schaue sich auch an, wie andere Bundesländer das machten.

Kein Lockdown für Geimpfte und Genesene, es sei denn, eine neue Virusvariante tritt auf gegen die keine Impfung hilft

Soweit so gut, doch keine Regel ohne Ausnahme. Tritt nämlich eine neue Virusvariante auf, gegen die die derzeitigen Impfstoffe keinen wirksamen Schutz bieten, ist das Gesagte für Geimpfte und Genesene schon nicht mehr gültig. Es bleibt also abzuwarten, wie sich die ganze Sache in Zukunft entwickelt.

Aber auch mit Blick auf die neue Corona-Verordnung des Landes kommen Zweifel an der Ernsthaftigkeit dieser Aussagen auf. Denn, mit der neuen Corona-Verordnung hat Niedersachsen auch ein neues Warnstufensystem bekommen. Die Warnstufen orientieren sich nicht mehr allein an der Häufigkeit der gemeldeten Corona-Neuinfektionen (Sieben-Tage-Inzidenz), sondern auch daran, wie viele Covid-19-Patienten landesweit im Krankenhaus behandelt werden und wie viele auf der Intensivstation.

Noch greift in Niedersachsen die 3G-Regel für Geimpfte, Genesene und Getestete. Bald aber könnte sich das ändern, dann könnte es zu Einschränkungen für Ungeimpfte kommen.

Und genau da liegt der Hase im Pfeffer: Während bereits klar ist, dass ab der ersten Warnstufen erweiterte Bereiche – etwa die Innengastronomie, Friseure oder Fitnessstudios – nur noch für Geimpfte, Genesene und Getestete (3G) zugänglich sind, ist noch völlig unklar, was bei Erreichen der zweiten und dritten Warnstufe passiert.

Chaos in der neuen Corona-Verordnung im Land Niedersachsen: Was passiert bei Warnstufe zwei und drei?

Aus der niedersächsischen Staatskanzlei hieß es am Mittwoch, man wolle mit einer Entscheidung zu den Konsequenzen der zweiten und dritten Warnstufen noch abwarten, um das weitere Geschehen in der Corona-Pandemie zu beobachten. Regierungssprecherin Anke Pörksen kündigte aber an, dass man „verursacherorientiert“ agieren wolle. „Deshalb ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir zu einer Ausweitung von 2G kommen werden relativ hoch, aber wir warten die weitere Entwicklung ab“, so Pörksen. 2G bedeutet, dass der Zugang zu bestimmten Lebensbereichen nur noch für Geimpfte und Genesene, nicht aber für Getestete zugänglich ist.

Der Hamburger Senat hatte bereits am Dienstag ein „2G-Optionsmodell“ beschlossen*: Gastronomie, Clubs, Kneipen und Kultureinrichtungen in Hamburg können ihre Kapazitäten von Samstag an nahezu wieder vollständig nutzen, sofern Ungeimpfte keinen Zutritt haben.

An dem Vorgehen in Niedersachsen übte die FDP Kritik: Innerhalb der Landesregierung gebe es offenbar bereits konkrete Überlegungen, diese sollte sie schnellstmöglich öffentlich diskutieren. Sie müsse darlegen, was auf welcher Grundlage über eine weitere Ausgrenzung Ungeimpfter nachgedacht werde. Dazu brauche es dringend eine parlamentarische Debatte im Landtag.

Niedersachsen stellt neue Corona-Verordnung vor: 2G-Regeln animieren mehr zum Impfen

Der niedersächsische Landesverband der Ärztegewerkschaft „Marburger Bund“ begrüßte große Teile der neuen Corona-Verordnung, gab aber zu bedenken, dass die 2G-Regel in vielen Bereichen mehr Anreize zum Impfen geschaffen hätte. „Tests liefern auch falsch-negative Ergebnisse, und nicht alle Tests sind gleich valide“, sagte der Vorsitzende Hans Martin Wollenberg.

In Niedersachsen stieg die Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen am Mittwoch auf 43,6. So viele Infektionen pro 100.000 Einwohner wurden in den vergangenen sieben Tagen gemeldet. Am Dienstag lag die Kennziffer noch bei 41,6.

Daneben ist nun die Zahl der Covid-19-Patienten in Kliniken mit ausschlaggebend für die Bewertung der Gesamtlage. Die Inzidenz dafür lag am Mittwoch bei 2,1. Das heißt: Im landesweiten Schnitt wurden in den vergangenen sieben Tagen 2,1 von 100.000 Einwohnern im Zusammenhang mit ihrer Covid-19-Erkrankung in einer Klinik behandelt. Ab einem Wert von 6 ist hier der erste Schwellenwert erreicht, weitere Schwellenwerte sind 9 und 12.

Neue Corona-Verordnung in Niedersachsen: Jetzt auch Hospitalisierung und Belegung der Intensivstationen maßgeblich

Die dritte Größe ist die Belegung der Intensivbetten mit Covid-19-Patienten – sie wurde am Mittwoch mit 1,9 Prozent angegeben, gemessen an der Gesamtkapazität für Niedersachsen. Der erste Schwellenwert wird laut Verordnung ab einer Bettenbelegung von 5 Prozent erreicht, der zweite bei einem Überschreiten von 10 Prozent und der dritte ab einem Wert von 20 Prozent.

Ein Wechsel von Warnstufe zu Warnstufe erfolgt, wenn mindestens zwei der drei Leitindikatoren die Schwellenwerte für einen Zeitraum von fünf Werktagen erreichen. Die erste Warnstufe kann allerdings auch erreicht werden, wenn in einem Kreis oder einer kreisfreien Stadt fünf Tage lang in Folge allein die Sieben-Tages-Inzidenz der Neuinfektionen die Zahl 50 überschreitet. Die Kommunen stellen das Erreichen einer neuen Warnstufe per Allgemeinverfügung fest. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Die deutschen Bundeskanzler und die Bundeskanzlerin seit 1949

Die deutschen Bundeskanzler und die Bundeskanzlerin seit 1949

Die lustigsten Grimassen der Kanzlerin und Kanzlerkandidaten

Die lustigsten Grimassen der Kanzlerin und Kanzlerkandidaten

Wahrscheinlichste neue Ministerinnen und Minister

Wahrscheinlichste neue Ministerinnen und Minister

Bin ich gegen Corona immun? Jetzt mit dem Corona-Antikörper-Selbsttest herausfinden

Bin ich gegen Corona immun? Jetzt mit dem Corona-Antikörper-Selbsttest herausfinden

Meistgelesene Artikel

Warum legen Katzen Mäuse vor die Tür: Beute ist kein Geschenk für Besitzer

Warum legen Katzen Mäuse vor die Tür: Beute ist kein Geschenk für Besitzer

Warum legen Katzen Mäuse vor die Tür: Beute ist kein Geschenk für Besitzer
Bundestagswahl: Wichtige Corona-Regel gilt auch im Wahllokal - Faktencheck

Bundestagswahl: Wichtige Corona-Regel gilt auch im Wahllokal - Faktencheck

Bundestagswahl: Wichtige Corona-Regel gilt auch im Wahllokal - Faktencheck
Rumkrakeln, durchstreichen, Selfie: Achtung, so wird der Wahlzettel ungültig!

Rumkrakeln, durchstreichen, Selfie: Achtung, so wird der Wahlzettel ungültig!

Rumkrakeln, durchstreichen, Selfie: Achtung, so wird der Wahlzettel ungültig!
Bundestagswahl 2021: Wann kommen erste Ergebnisse, Prognosen und Hochrechnungen?

Bundestagswahl 2021: Wann kommen erste Ergebnisse, Prognosen und Hochrechnungen?

Bundestagswahl 2021: Wann kommen erste Ergebnisse, Prognosen und Hochrechnungen?

Kommentare