Hitze und Unwetter

Waldbrandgefahr in Niedersachsen überschaubar – trotzdem Vorsicht geboten

Nachdem die letzten Jahre trocken waren, ist die Waldbrandgefahr in Niedersachsen dieses Jahr gering. Warum trotzdem Vorsicht geboten ist.

Hannover – Frost im Februar, Nässe und Kälte im Frühjahr, Hitze und Starkregen zum Sommeranfang. Dennoch erwartet das Landvolk Niedersachsen eine gute Getreideernte 2021. Grund sind die ausreichenden Niederschlagsmengen, aber auch genügend Sonne und Wärme. „Wir befinden uns mit der Ernteerwartung im oberen Drittel gemessen am langjährigen Durchschnitt“, sagt Landvolkpräsident Holger Hennies.

Das politische Risiko sei größer als das Wetterrisiko: Durch immer neue Auflagen und Gesetze stünden die Betriebe unter einem „Dauerdruck“. Zwar sei die Lage derzeit angesichts steigender Preise in den Ackerbauregionen positiv, dafür müssten aber die Tierhalter die hohen Futterkosten und die niedrigen Fleischpreise verkraften.

Die Bauern in Niedersachsen erwarten eine gute Getreideernte.

Auch Händler und Verarbeiter von Getreide zeigen sich optimistisch und bestätigten die Prognose einer „ordentlichen bis sehr ordentlichen Ernte 2021“. Zuletzt seien wieder Weizenmengen auf den Markt gekommen, mit denen Mühlen und Agrarhändler nicht gerechnet hatten.

Während vor zwei Wochen der A-Weizen knapp war, können jetzt gute Qualitäten sogar an die Tiere verfüttert werden. Die Deckung mit Getreide bis zur neuen Ernte, die in etwa zwei Wochen beginnt, ist somit gesichert.

Hilfsmittel wie elektrische Zahnbürsten * sind äußerst praktisch, um mehr Tomaten zu bekommen, vor allem wenn die summenden Gartenhelfer mal ausfallen.

Erntebedingungen in Niedersachsen gut – in anderen Teilen Deutschlands nicht

„Die Bestände in Niedersachsen sind gesund“, heißt es. Trotz der Probleme mit dem Unkraut „Ackerfuchsschwanz“. Entwicklungsverzögerungen hätten die Getreidepflanzen im Juni wieder aufgeholt.

Doch die Erntebedingungen sind regional sehr unterschiedlich. Grund dafür sind unterschiedliche Niederschlagsmengen und die daraus resultierende Bodenfeuchte. In Niedersachsen ist die Situation noch recht ausgeglichen, jedoch im Wendland und im östlichen Teil des Bundeslandes ist die Wasserkapazität im Boden bereits nahezu ausgeschöpft – die Erde ist „knochentrocken und hart“, berichtet Hennies vom Landvolk.

Auf keinen Fall rauchen, auch nicht, wenn es regnet.

Knut Sierk, Pressesprecher der Landesforsten Niedersachsen

Angesichts des feuchten und regnerischen Wetters ist die Waldbrandgefahr in Niedersachsen aktuell eher gering. Dennoch fordern Experten, im Wald wachsam zu sein und jedes Feuer zu vermeiden. „Die Böden sind nach wie vor sehr trocken“, weiß Knut Sierk aus dem Pressesprecher-Team der Landesforsten Niedersachsen: „Auf keinen Fall rauchen, auch nicht, wenn es regnet.“ Man wisse nie, wo die Kippe und die Glut hinfalle. Die Gefahr sei immer groß, dass sich Feuer unentdeckt in den Humus-Boden des Waldes hineinfresse.

Viele zieht es ins Freie. Gleichzeitig steigt die Waldbrandgefahr in vielen Regionen.  Ein besonderes Problem sind Einweggrills, die vielfach zurückgelassen werden *. 

Ein solcher Brand könne über Tage und sogar über Wochen andauern. „Wenn die Bedingungen optimal sind, wird plötzlich durch leichten Wind ein Feuer entfacht“, sagt Sierk. In den Wäldern gelte ohnehin ein generelles Rauchverbot zwischen dem 1. März und 31. Oktober.

Im vergangenen Jahr kam es zu einem großflächigen Brand im Heidekreis. Das Wochenendgebiet Esseler Wald musste evakuiert werden.

In Niedersachsen gelten vor allem der Osten und der Süden mit der Heide und dem Harz * als besonders gefährdet für Waldbrände. Neuerdings sei aufgrund des Klimawandels * auch der Harz stärker gefährdet als früher.

In anderen Teilen des Landes, etwa im Teutoburger Wald oder dem Wiehengebirge, sei die Waldbrandgefahr nicht so ausgeprägt. „Diese Gebiete sind von der Waldzusammensetzung her etwas anders und von daher nicht so stark gefährdet wie die Gebiete der zentralen und östlichen Lüneburger Heide“, sagt Sierk. Der östliche Teil Deutschlands mit seinen vielen Kiefernwäldern sei deshalb besonders gefährdet. In Regionen, in denen auch mehr Laubbäume stehen, sei die Gefahr etwas geringer.

In Niedersachsen gelten vor allem der Osten und der Süden mit der Heide und dem Harz als besonders gefährdet für Waldbrände. Auch der Borkenkäfer macht den Wäldern zu schaffen.

Einer Statistik des Bundesamtes für Landwirtschaft zufolge gab es im vergangenen Jahr in Niedersachsen auf rund 30 Hektar Wald Brände, betroffen waren 270 Flächen. Im Jahr 2019 waren es 285 Flächen mit einer Gesamthektar-Zahl von 28,4. Die Zahlen schwanken: Im Jahr 2010 gab es auf 132 Flächen mit insgesamt 28,1 Hektar Waldbrände. Im Jahr 2010 waren mit 131 Flächen fast ebenso viele Areale betroffen, aber die Gesamtfläche betrug 69,2 Hektar. Niedersachsen hat etwa 1,2 Mio. Hektar Waldfläche.

Die niedersächsische Waldbrand-Überwachungszentrale in Lüneburg verzeichnete im Sommer 2018 mit fast 350 Brandmeldungen * einen Rekord.

  • Folgen des Waldsterbens sind:
  • -          über 40.000 Hektar baumlose Freifläche – das sind rund 3,5 Prozent der Waldfläche Niedersachsens,
  • -          aufgelichtete Bestände mit Schadsymptomen in unbekanntem Ausmaß,
  • -          rund 18 Millionen Kubikmeter Schadholz aus Zwangsnutzung, mit weiter steigender Tendenz,
  • -          zahlreiche Forstbetriebe stehen vor großen, logistischen, personellen und finanziellen Herausforderungen.

Auch der Borkenkäfer macht den Wäldern zu schaffen: Nach Angaben der Niedersächsischen Landesforsten besonders auf der ostfriesischen Halbinsel. „Tatsächlich hat sich aktuell der Käferbefall als deutlich stärker im Vergleich zu den Vorjahren entwickelt“, teilte Forstamtsleiter in Neuenburg Stefan Grußdorf mit.

Borkenkäfer macht den Wäldern in Niedersachsen zu schaffen

Das feuchtkühle Frühjahr habe viele Forstleute hoffen lassen, dass der Wald dieses Jahr von Schädlingen weitgehend verschont bliebe. Dies habe sich nicht bestätigt, heißt es von den Landesforsten. Die drei trockenen Jahre in Folge von 2018 bis 2020 hätten den Wald geschwächt. Das kühl feuchte Frühjahr dieses Jahr habe Linderung gebracht, den Wassermangel im Boden aber nicht kompensieren können.

Betroffen seien die Fichtenbestände in fast allen Landeswaldteilen. Försterinnen und Förster arbeiteten nun an der Begrenzung der Schäden. Dafür entnehmen sie den Angaben zufolge die befallenen Exemplare und sorgen für einen möglichst schnellen Abtransport aus dem Wald. Zudem versuchen sie, die Insekten mit Lockstoffen davon abzuhalten, in den Nadelwald zu fliegen. An einzelnen Forstorten könne es deshalb zu kurzfristigen Waldarbeiten kommen.

Fragen an das Niedersächsische Ministerium für Landwirtschaft

Wie geht es den niedersächsischen Wäldern?
Die extreme Witterung in den letzten Jahren hatte teilweise dramatische Auswirkungen auf Niedersachsens Wälder. Stürme, Trockenheit und Hitze haben die Wälder in Dauerstress versetzt und in Verbindung mit Schädlingen landesweit große Schäden verursacht. Besonders betroffen ist das südniedersächsische Bergland rund um Harz, Solling und Leine-Weserbergland. Hauptsächlich betroffene Baumarten sind die Fichte, aber auch die Lärche. Insbesondere die Schäden durch Borkenkäfer an Fichten haben stark zugenommen. Die Vitalität von Buchen, Eichen und anderen Baumarten sind örtlich massiv beeinträchtigt. So sind insbesondere überdurchschnittlich viele ältere Rotbuchen abgestorben, in der Regel Einzelbäume.
Wie steht es um die Aufforstung in Niedersachsen?
Das Land Niedersachsen fördert zusammen mit dem Bund die Behebung der durch Extremwetterfolgen verursachten Schäden im Wald. Dazu gehören der zügige Abtransport des Schadholzes auf Lagerplätze außerhalb des Waldes und die Wiederaufforstung der zerstörten und geschädigten Waldflächen mit Mischwald aus standortgemäßen Laub- und Nadelbäumen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf einem langfristigen Waldumbau zu robusten und anpassungsfähigen Wäldern aus Klima-resilienten Baumarten, um den künftigen Risiken gewachsen zu sein. Allein die Niedersächsischen Landesforsten haben von 2018 bis 2020 etwa 15 Millionen junge Bäume für rund 32 Millionen Euro gepflanzt.
Gibt es aktuell eine Waldbrandgefahr?
Aufgrund des bisherigen Witterungsverlaufs gab es bisher einen entspannten Start in die Waldbrandsaison 2021. Auch aktuell ist die Gefahr von größeren Wald- und Freiflächenbränden noch überschaubar. Das bedingt sich aus dem günstigen Witterungsverlauf mit überdurchschnittlichen Niederschlägen in den vergangenen Wochen. Der Aufwuchs von frischen Gräsern und Kräutern am Boden dämmt die Waldbrandgefahr derzeit noch gut ein. Im Jahr 2020 gab es 271 Waldbrände in Niedersachsen. Im Jahr 2019 fiel die Zahl der Brände 285 geringfügig höher aus. Im Jahr 2020 lag die Waldbrandfläche bei 30,09 Hektar, 2019 bei 28,38 Hektar. Besonders stark betroffen war 2020 – wie in der Vergangenheit – das ostniedersächsische Tiefland. Die Landkreise Gifhorn und Celle, ferner Lüchow-Dannenberg, Lüneburg, Uelzen, der Heidekreis und Rotenburg (Wümme) verzeichneten zusammen knapp 170 Brandereignisse. Die waldreiche südniedersächsische Region mit Harz und Solling lag bei rund 50 Brandereignissen. Brandursachen gelten überwiegend als unbekannt. Brandstiftung lag lediglich in rund fünf Prozent der Fälle vor.

* kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Philipp Schulze/ dpa

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