Impfaufruf für Risikogruppen

Grippesaison in Niedersachsen: Wichtige Informationen zur Influenza-Schutzimpfung

Die Grippesaison steht in Niedersachsen und Bremen bevor. In Zeiten der Coronavirus-Pandemie raten Experten zu einer Grippeschutzimpfung. Fragen und Antworten im Überblick.

Hannover*/Bremen - Eine Grippe ist deutlich gefährlicher als eine einfache Erkältung. Jedes Jahr sind in Niedersachsen und Bremen* in der Grippesaison Tote zu beklagen. In ganz Deutschland sind in der schweren Grippesaison 2017/2018 etwa 25.000 Menschen mit einer Influenza gestorben. In dieser Saison kommt die Coronavirus-Pandemie hinzu, die sich in Niedersachsen* weiterhin massiv ausbreitet. Deshalb sollen sich möglichst viele Menschen gegen die saisonale Grippe impfen lassen, empfiehlt auch das Robert-Koch-Institut in Berlin. Wir haben Fragen und Antworten für Sie zusammengestellt.

Name:Robert-Koch-Institut
Gründer:Robert Koch
Gründung:1. Juli 1891
Dachorganisation:Bundesministerium für Gesundheit

Grippesaison in Niedersachsen und Bremen: Der Verlauf der Saison 2020/2021

Der Verlauf der Grippesaison 2020/2021 in Niedersachsen und Bremen lässt sich nicht genau vorhersagen. In dieser Saison ist es aus Sicht der Fachleute aber besonders wichtig, die Zahl der Influenza-Fälle niedrig zu halten: wegen der Coronavirus-Pandemie. Gäbe es gleichzeitig zahlreiche Erkrankte durch beide Erreger, könnte das die Krankenhäuser überlasten. Die Entwicklung im Winter auf der Südhalbkugel - Australien, Neuseeland, Südafrika und -amerika - kann allerdings optimistisch stimmen: „Praktisch ausgefallen“ sei die Grippewelle dort, sagte der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler.

Grippesaison in Niedersachsen und Bremen: So schützen die Corona-Regelungen auch gegen eine Grippeinfektion

Abstand zu anderen Menschen halten, häufig Hände waschen, Alltagsmasken tragen und regelmäßig lüften*: Was gegen das Coronavirus empfohlen wird, nützt aus RKI-Sicht auch, um das Risiko einer Ansteckung mit Influenzaviren zu reduzieren. Auch insgesamt träten wegen der Covid-19-Maßnahmen weniger Infektionskrankheiten auf, sagte Wieler. So habe es etwa seit März keinen Masernfall mehr hierzulande gegeben. Der Lockdown im Frühjahr bereitete wohl der vergangenen Grippewelle ein Ende: Sie fiel nach RKI-Daten mit einer Dauer von elf Wochen kürzer aus als die Grippewellen der fünf Vorsaisons.

Die Grippeschutzimpfung wird in Zeiten der Coronavirus-Pandemie in Niedersachsen und Bremen für Risikogruppen empfohlen.

Grippesaison in Niedersachsen und Bremen: Diesen Menschen wird eine Grippeimpfung empfohlen

Wie Covid-19 sei die Grippe besonders für Ältere und chronisch Kranke gefährlich, sagte Wieler. Neben diesen beiden Gruppen wird eine Grippeimpfung etwa auch Schwangeren und medizinischem Personal in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen empfohlen. In Niedersachsen wirbt die Initiative „Niedersachsen macht die Grippe platt“ - von Krankenkassen, Verbänden und der Landesregierung getragen - für die Schutzimpfung gegen das Influenzavirus.

Grippesaison in Niedersachsen und Bremen: So gut wirkt die Grippeimpfung

Die Schutzimpfung gegen das Grippevirus wirkt nicht optimal. „Die Impfung wirkt nicht bei allen Geimpften gleich gut“, sagte Wieler. Die Schutzwirkung bei jungen Erwachsenen liegt laut RKI bei bis zu 80 Prozent, bei Älteren zwischen 40 und 60 Prozent. Aufgrund der Häufigkeit von Grippefällen wird aber angenommen, dass durch die Impfung immer noch eine große Zahl von Erkrankungen verhindert wird - laut dem RKI-Chef im Schnitt 400.000 Fälle pro Jahr in Deutschland. Es sei der beste verfügbare Schutz, ein „mächtiges Instrument“. Wer trotz Impfung erkrankt, habe in der Regel keinen so schweren Verlauf, sagte Wieler. Erkältungen*, die von anderen Erregern verursacht werden, kann man trotzdem bekommen, wie 24vita.de* berichtet.

Grippesaison in Niedersachsen und Bremen: Ist ein schwerer Krankheitsverlauf möglich, wenn man nicht zur Risikogruppe gehört?

Eine Grippe verläuft nach RKI-Angaben bei gesunden Kindern und Erwachsenen unter 60 „in der Regel ohne schwerwiegende Komplikationen“. Fachleute weisen aber darauf hin, dass Kinder bei der Influenza als Treiber von Infektionen gelten.

Grippesaison in Niedersachsen und Bremen: Sollten sich alle Menschen gegen Influenza impfen lassen?

Die Ständige Impfkommission (Stiko) stellte sich in einer Stellungnahme vom Juli gegen die Idee der Impfung für Jedermann, weil der Impfstoff für die Risikogruppen nicht reichen könnte. Zum Schutz der Menschen und zur Entlastung der Gesundheitssysteme sei der größte Effekt zu erreichen, wenn die Impfquoten vor allem in den Risikogruppen* „erheblich gesteigert“ würden, hieß es. Manche Krankenkassen kündigten dennoch an, allen Versicherten die Impfung wegen der Corona-Pandemie gratis anzubieten. Generell werden bislang nur die Kosten für eine Grippeimpfung übernommen, wenn Menschen einer Risikogruppe angehören.

Grippesaison in Niedersachsen und Bremen: So viele Impfdosen stehen bereit

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) betonte, es stünden so viele Impfdosen zur Verfügung wie noch nie: 26 Millionen für ganz Deutschland. Laut dem Deutschen Hausärzteverband nehmen allerdings viele Ärzte eine erhöhte Nachfrage nach einer Grippeschutzimpfung wahr und viele Praxen müssten auf die nächsten Chargen warten. Spahn wies Befürchtungen vor Versorgungsengpässen am Mittwoch zurück, es könne aber momentan lokal und zeitlich zu Lieferengpässen* kommen, wie kreiszeitung.de* berichtet. Laut Paul-Ehrlich-Institut sind bislang rund 19 Millionen Dosen freigegeben. Spahn zufolge ist eine Impfung auch später im Jahr noch sinnvoll. Es dauert bis zu 14 Tage, bis der Schutz aufgebaut ist, der Höhepunkt der Grippewelle kommt in der Regel nach dem Jahreswechsel.

Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen haben die niedersächsischen Ärztinnen und Ärzte bereits im Januar 2020 rund 1,4 Millionen Impfstoffdosen für Niedersachsen bestellt. Zusätzlich könnte Niedersachsen weitere 1,2 Millionen Dosen für eine Grippeschutzimpfung in den kommenden Wochen über den Bund bekommen. „Damit stehen doppelt so viele Impfdosen zur Verfügung, als in der vergangenen Impfsaison 2019/2020 verimpft worden sind.“ Für das Land Bremen sind aktuell rund 100.000 Impfdosen vorgesehen.

Grippesaison in Niedersachsen und Bremen: So beliebt ist die Grippeimpfung bislang

Laut Stiko hat das Interesse an einer Grippeschutzimpfung in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich abgenommen. Dass sich bei den Über-60-Jährigen nur rund ein Drittel immunisieren ließ, wird als „völlig unzureichend“ gewertet. Spahn wertete die Berichte über die Nachfrage derzeit insofern als ermutigendes Zeichen - in anderen Jahren seien Millionen ungenutzte Impfdosen vernichtet worden. Würden in dieser Saison alle verfügbaren Dosen genutzt, erreiche man eine so hohe Impfquote wie noch nie, so Spahn.

Grippesaison in Niedersachsen und Bremen: Ist eine gleichzeitige Erkrankung an Grippe und Covid-19 denkbar?

„Gleichzeitige Infektionen mit Grippe und einem anderen Virus sind sehr, sehr unwahrscheinlich“, sagte der Virologe Hendrik Streeck kürzlich der Deutschen Presse-Agentur. Das Immunsystem sei im Moment einer Infektion so in Alarm, dass eine zusätzliche mit einer weiteren viralen Erkrankung sehr selten vorkomme. // *24vita.de, nordbuzz.de und kreiszeitung.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Christin Klose/dpa-tmn & Julian Stratenschulte/dpa

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