Kriminalstatistik Niedersachsen 2020

Gewalt in Beziehungen wird im Corona-Jahr zum immer größeren Problem

Während die polizeilich registrierten Straftaten in Niedersachsen im Jahr 2020 einen historischen Tiefstand erreicht haben, ist die Gewalt in Partnerschaften deutlich gestiegen.

Die Kriminalstatistik für das Jahr 2020 zeigt einen historischen Tiefstand im Bereich der polizeilich registrierten Straftaten. Erstmals liegen diese unter einer halben Million. Doch die Gewalt in Partnerschaften nahm im Corona-Jahr deutlich zu: Im vergangenen Jahr wurden 21.509 Fälle polizeilich registriert.

Es gab 1.343 Fälle mehr als 2019, im Jahr 2020 stieg häusliche Gewalt somit um rund sieben Prozent an. „Der durch Experten schon im vergangenen Jahr prognostizierte Anstieg durch die Voraussetzungen der Pandemie hat sich somit offenbar bestätigt“, heißt es seitens des Innenministeriums.

Laut Kriminalstatistik waren es 11.996 Frauen, die 2020 in Niedersachsen Opfer von häuslicher Gewalt wurden.

„Diese Zahlen machen mich betroffen und sind ein Beleg dafür, dass die Gewalt insbesondere von Männern gegenüber Frauen gesellschaftlich noch viel breiter diskutiert werden muss“, sagt Innenminister Boris Pistorius (SPD). Laut Kriminalstatistik waren es 11.996 Frauen, die Opfer von häuslicher Gewalt wurden. Männer waren in 4.113 Fällen betroffen. 

Im Rahmen einer „Dunkelfelduntersuchung“ des Landeskriminalamtes Niedersachsen werde das Phänomen der häuslichen Gewalt als Schwerpunkt in den Blick genommen. Pistorius: „Das Ziel ist, nach der Auswertung und Analyse der Zahlen Ende des Jahres ein noch schärferes Bild zu bekommen, auch um präventiv noch wirksamer dagegen vorgehen und Hilfe anbieten zu können – sowohl seitens der Polizei als auch vieler anderer Behörden und Organisationen.“

Häusliche Gewalt in Niedersachsen – ein Überblick

20192020
Straftaten20.16621.509
Veränderung gegenüber Vorjahr+687+1.343
Veränderung gegenüber Vorjahr in %+3,53-6,66

Der Begriff „Häusliche Gewalt“ umfasst alle Erscheinungsformen der physischen, sexuellen und psychischen Gewalt zwischen Menschen, die in nahen Beziehungen stehen oder standen. „Die konkreten Folgen der Häuslichen Gewalt werden nicht statistisch erfasst“, sagt Katrin Gladitz, Pressesprecherin des Landeskriminalamts Niedersachsen.

Die besonderen Herausforderungen und Problemstellungen des vergangenen Jahres, insbesondere durch die Corona-Pandemie, hätten laut Mitteilung des Innenministeriums einen wahrnehmbaren Einfluss auf die Entwicklung der Zahlen. 

Eine Übersicht zu Beratungsstellen und Unterstützungsangeboten in Niedersachsen gibt es hier.

Dass die häusliche Gewalt zunimmt, ist nicht nur ein niedersächsisches Phänomen. Zu den negativen Begleiterscheinungen der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie gehört ein bundesweiter Anstieg der Gewalt in Familien und Paarbeziehungen. Die Zahl der Fälle von häuslicher Gewalt, die der Polizei bekannt wurden, lag im vergangenen Jahr um 6,6 Prozent über dem Wert des Vorjahres. Bei Gewalt in der Partnerschaft registrierten die Behörden einen Anstieg um rund vier Prozent, wie der Präsident des Bundeskriminalamtes, Holger Münch, mitteilte.

Auch in Hamburg war die Anzahl der Fälle von häuslicher Gewalt im Jahr 2020 so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr, wie 24hamburg berichtet. *

Holger Münch wies allerdings auf die nur eingeschränkte Aussagekraft dieser Zahlen hin, da erstens durch die reduzierte soziale Kontrolle in der Zeit des Lockdowns ein Teil der Straftaten, die im privaten Bereich begangen worden, womöglich unentdeckt blieb. Zweitens seien die Auswirkungen des zweiten Lockdowns im Herbst 2020 wegen der zeitlichen Verzögerung bei der statistischen Erfassung der Straftaten in dieser Betrachtung noch nicht vollumfänglich enthalten. Mit Material der dpa. 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Maurizio Gambarini/ dpa

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