Umweltschutz und Düngeverordnung

Nach Protesten ums Düngen: Niedersachsen geht auf Landwirte zu

Nachdem es seitens der Landwirte heftige Proteste gegen die Düngeverordnung für Niedersachsen gegeben hatte, will das Land diese noch einmal überarbeiten.

Im Kampf gegen die Überdüngung des Bodens will die Landesregierung Niedersachsens stärker auf regionalisierte Lösungen setzen. Ziel sei eine wirklich verursachergerechte Ausweisung der mit Nitrat belasteten Gebiete, sagte Umweltminister Olaf Lies (SPD) am Montag in Hannover.

Geplant sei die Einführung eines mehrphasigen Modells. Bis November solle es eine Regionalisierung in den Teilen des Landes geben, in denen das Grundwasser zu stark mit Nitrat belastet ist.

Wir haben dabei ein gemeinsames Ziel: ein bestmöglicher Grundwasserschutz, ohne dass Landwirte ohne Grund zu Betroffenen werden.

Olaf Lies (SPD), Niedersachsens Umweltminister

„Wir haben dabei ein gemeinsames Ziel: ein bestmöglicher Grundwasserschutz, ohne dass Landwirte ohne Grund zu Betroffenen werden“, sagte Lies. Das Phasenmodell gehe nun in die Verbandsanhörung und solle Ende des Monats vom Kabinett verabschiedet werden.

Landwirte müssen laut Düngeverordnung in „roten Gebieten“, also Orten mit einer hohen Nitratbelastung, ihre Düngung reduzieren. Sie müssen 20 Prozent unter dem Bedarf der Pflanzen bleiben, was geringere Erträge zur Folge hat. Aufgrund massiver Proteste der Landwirte hatten Landesumwelt- und Agrarministerium zugesagt, die Verordnung über die Ausweisung dieser Gebiete nochmals zu überarbeiten.

Kritik von Landwirten an Düngeverordnung

Enttäuscht zeigt sich auch Landwirt Arend Meyer aus Engeln: „Wie kommt die Politik dazu, uns Landwirten vorzuschreiben, auf einem zehn Meter breiten Gewässerrandstreifen Dünger und Pflanzenschutz zu verbieten? Und das ohne einen finanziellen Ausgleich. Wir Landwirte schützen Insekten und bieten Lebensräume an. In Baugebieten finden wir leider oft Steingärten. Sind etwa nur wir Landwirte für die Insekten zuständig?“, heißt es in einer Pressemitteilung des Landvolks Niedersachsen Kreisverband Mittelweser.

Dass die Anwendung von Glyphosat verboten werden soll, wird viele Landwirte hart treffen: Damit werde ein gesamtes Bodenbearbeitungssystem mit wichtiger Schutzfunktion für das Bodenleben zu Grabe getragen, meint Landwirt Christian Meyer. Für den erhöhten Aufwand für zusätzliche mechanische Bodenbearbeitung mit dadurch auch höheren Wasserverlusten in der Krume im Frühjahr rechnet er für seinen Betrieb mit einer zusätzlichen Belastung von etwa 100 bis 150 Euro pro Hektar Fläche. 

Umstritten: Das Land will, dass Bauern weniger düngen. Diese fühlen sich wiederum ungerecht behandelt.

Nach einer Überarbeitung durch das niedersächsische Umwelt- und das Landwirtschaftsministerium waren hinsichtlich der Nitratbelastung aus vielen grünen plötzlich rote Gebiete geworden. Besonders stark von der Änderung sind die Landwirte Frank und Hans-Jürgen Beutner aus Wahnebergen betroffen.

Der Bauernverband Landvolk Niedersachsen sieht in dem neuen Nährstoffbericht eine Bestätigung, dass die Landwirte sich anstrengen, die Düngung effizienter und umweltfreundlicher zu gestalten. Es könne aber noch einige Jahre dauern, bis auch die Nitratgehalte an den Messstellen sinken, teilte der Verband mit. Deshalb seien die Anpassungen des Düngerechts im vergangenen Jahr und die weitere Verschärfung der Landesdüngeverordnung für die Landwirte nicht nachvollziehbar.

Auf dem Portal der Landentwicklung und Agrarförderung Niedersachsen kann man die neue Gebietskulisse auf einer interaktiven Karte anschauen. (Mit Material der dpa)

Landesfläche Niedersachsen4,77 Mio. Hektar
Immissionsbasierte Fachkulisse2.627.017 Hektar, 55 % der Landesfläche
Nitratkulisse796.360 Hektar, 16,7 Prozent der Landesfläche, 30 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche

(Quelle: Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz)

Rubriklistenbild: © dpa

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