Ernte ist gestartet

Biogasanlagen: Wichtig für die Energiegewinnung - aber in Niedersachsen auf dem Rückzug

Die Mais-Saison hat begonnen. In den kommenden Wochen rollen wieder viele Maishäcksler im Schritttempo über die Straßen. Schließlich wollen nicht zuletzt die Biogasanlagen in Niedersachsen gefüttert werden.

  • Die Maisernte ist in Niedersachsen angelaufen.
  • Anbau von Mais auf 600.000 Hektar in Niedersachsen.
  • Mais hat einen hohen Biogasertrag.

Nach einer durchschnittlichen Getreideernte in diesem Sommer rechnen die Landwirte in Niedersachsen mit einem regional unterschiedlichen Maisertrag. „Auch hier wird der Standort und die Niederschlagsmenge über Qualität und Quantität entscheiden“, sagte der Vorsitzende des Pflanzenausschusses im Landvolk Niedersachsen, Karl-Friedrich Meyer. Die großen Maishäcksler sind in den kommenden Wochen wieder unterwegs. In ihrem Schlepptau haben sie große Trecker-Gespanne. Bis tief in die Nacht wird der Mais geerntet und zu den Biogasanlagen transportiert.

Anzahl Biogasanlagen in Niedersachsen (alle Typen)mehr als 2800
Leistung aller Anlagen in Niedersachsen1.400 MW zur Erzeugung von Strom und Wärme
Maisfläche im Landkreis Diepholz 33. 239 Hektar (2019)

„In unserer Region im Weserbergland hatten wir ausreichend Niederschlag und daher erwarten wir eine gute Ernte“, sagte Karl-Friedrich Meyer. Viele Maispflanzen hätten zwei Kolben ausgebildet und eine Größe von nahezu vier Metern. „Wo der Regen fehlte, werden die Ernteerwartungen aber nicht erfüllt. Es ist wie beim Getreide: Die Niederschlagsverteilung entscheidet über die Erträge - und diese Unterschiede sind regional sehr groß.“ Im vergangenen Jahr 2019 war die Maisernte an einigen Standorten wegen der großen Trockenheit schlecht oder ganz verloren.

Biogasanlagen: Maisanbau auf 600.000 Hektar in Niedersachsen

Rund 600.000 Hektar wurden in Niedersachsen in diesem Jahr mit Mais bepflanzt. Auf 540.000 Hektar wird Silomais angebaut, der zu 60 Prozent als Futter verwendet wird und zu 40 Prozent in Biogasanlagen landet. Auf dem Rest der Fläche wird Körnermais angebaut. Mit der Ernte von einem Hektar Mais können drei bis vier Milchkühe ein Jahr lang gefüttert werden.

In Biogasanlagen wird aus Mais Wärme und Strom.

Biogas ist neben Sonnen-, Wasser- und Windenergie eine weitere regenerative Energiequelle. Sie trägt zur Einsparung fossiler Brennstoffe bei. Das brennbare Gas entsteht, indem organische Materialien (pflanzliche und tierische Produkte) in einer Umgebung ohne Sauerstoff durch Bakterien abgebaut werden. Dieser Prozess wird als anaerobe Vergärung bezeichnet.

In Biogasanlagen wird aus Mais Energie

In landwirtschaftlichen Biogasanlagen werden meist tierische Exkremente (Gülle, Festmist) und Energiepflanzen als Substrat (wie Mais) eingesetzt. In nicht-landwirtschaftlichen Anlagen wird Material aus der Biotonne verwendet oder Abfallprodukte aus der Lebensmittelproduktion. Als Nebenprodukt wird ein als Gärrest bezeichneter Dünger produziert. Bei den meisten Biogasanlagen wird das entstandene Gas vor Ort in einem Blockheizkraftwerk (BHKW) zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt. Andere Biogasanlagen bereiten das gewonnene Gas zu Biomethan auf und speisen es ins Erdgasnetz ein.

Entscheidend bei der Biogasgewinnung ist der Methangehalt. Abhängig von der jeweiligen Substrat-Zusammensetzung schwankt dieser zwischen 50 und 75 Prozent. Methan ist ein brennbares und geruchloses Gas. Es ist auch Hauptbestandteil des konventionellen Erdgases. Die Energie wird durch die Verbrennung des Methans gewonnen. Daher eignet sich Biogas umso besser für eine effiziente Wärme- und Stromgewinnung, je höher der Anteil des Methans ist.

Mais wird in Biogasanlagen verwendet, weil Mais einen hohen Biogasertrag hat. Aus einer Tonne Mais kann man 202 Kubikmeter Biogas gewinnen. Zum Vergleich: Aus einer Tonne Rindergülle kann man „nur“ 25 Kubikmeter Biogas gewinnen. Hinzu kommt, dass sogenannter Energiemais keine hohen Ansprüche an den Boden stellt.

Haben Biogasanlagen ihren Zenit überschritten?

Obwohl Strom aus regenerativen Quellen hoch im Kurs steht, werden laut dem Fachverband Biogas erstmal die Zahl der Biogasanlagen in Niedersachsen zurückgehen. „Die Biogasbranche steht aktuell für eine verlässliche und speicherbare regenerative Energieversorgung zur Verfügung“, sagte der Präsident des Fachverbandes Biogas, Horst Seide bei der Vorstellung der Biogas-Branchenzahlen. „Aber wir müssen der Tatsache ins Auge sehen, dass ab jetzt der faktische Rückbau der Biogasanlagen-Kapazität beginnt.“ Bei etwa gleichbleibender Zahl an Neuanlagen wird es 2020 voraussichtlich 250 Stilllegungen geben, was einem Netto-Rückbau von über 160 Biogasanlagen entspricht. „Die Bundesregierung muss mit der in diesem Herbst geplanten EEG-Novelle eine klare Entscheidung für eine verlässliche, erneuerbare Energieversorgung und einen starke inländische Biogasindustrie treffen“, resümierte Horst Seide.

Rubriklistenbild: © Symbolfoto picture alliance/dpa

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