Zu viel Getöse in der Stadt?

Eine Million Rabenkrähen geschossen

Krähennest
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Krähennest

Hannover - Rabenkrähen sind groß, schwarz und schlau. Weil sie angeblich Schäden anrichten, werden sie in Niedersachsen zu Hunderttausenden geschossen. Umweltschützer sehen das kritisch.

Seit die Jagd auf Rabenkrähen in Niedersachsen vor 15 Jahren offiziell erlaubt wurde, haben Jäger landesweit insgesamt mehr als eine Million Vögel geschossen. Allein im abgelaufenen Jagdjahr wurden dem aktuellen Landesjagdbericht zufolge knapp 109 000 Tiere erlegt. "Eine erschreckende Zahl", sagte der Landesvorsitzende des Naturschutzbundes Nabu, Holger Buschmann. Hinzu kommen fast 1000 Exemplare, die von Autos überfahren wurden.

Die Umweltschutzverbände stehen der Jagd auf die Rabenkrähen ablehnend gegenüber. Für die Tötung der Vögel gebe es "keinen vernünftigen ökologischen Grund", sagte Nabu-Sprecher Ulrich Thüre. "Weit verbreitete Tierarten können nicht mit der Flinte reguliert werden."

Niedersachsen hatte das Jagdverbot für Rabenkrähen 2001 gegen den Widerstand von Tier- und Umweltschützern aufgehoben. Bis dahin waren die Vögel von der europäischen Vogelschutzrichtlinie grundsätzlich geschützt. Als Gründe für die Aufnahme ins niedersächsische Jagdrecht wurden die seit den 1990er Jahren steigenden Bestände und die Schäden angeführt, die die Vögel auf Äckern anrichten, sowie das von Städtern als störend empfundene Getöse von Krähen-Schwärmen. Seither ist die jährliche Abschusszahl von gut 60 000 Rabenkrähen auf zuletzt jeweils deutlich über 100 000 Exemplare gestiegen.

Der Abschuss ist nahezu flächendeckend. Die meisten Rabenkrähen wurden im vergangenen Jagdjahr in den Landkreisen Emsland (10 439), Cloppenburg (6937), Osnabrück (6822) und Cuxhaven (6263) erlegt. Selbst in den Städten wie etwa in Oldenburg (1685), Emden (941) oder Wolfsburg (630) wurden zahlreiche Exemplare geschossen.

Der Abschuss habe nach seinen Erkenntnissen nicht zu einem Rückgang der Bestände geführt, sagte der stellvertretende Bund-Landesvorsitzende Reinhard Löhmer. "Sobald Brutvögel geschossen sind, besetzen Jungtiere die Lücke." Und die Reproduktionsrate werde unter dem Strich durch den Abschuss nicht maßgeblich verändert.

Dass Rabenkrähen in Niedersachsen unabhängig von der flächendeckenden Jagd in den vergangenen 20 Jahren "im Siedlungsbereich sichtbarer geworden sind", liege daran, dass "die Lebensbedingungen für die Vögel im Kulturland ungünstiger geworden sind", sagte Löhmer. Auch fänden die intelligenten Rabenvögel in Städten vergleichsweise leicht Nahrung. Dort stöbern sie unter anderem auch schon mal in Mülltonnen nach Fressbarem.

Für Naturschützer ist es unstrittig, dass Rabenkrähen sich gelegentlich auch über Vogelgelege oder Jungtiere hermachen. Dies liege in ihrer Natur. Eine nennenswerte Bedrohung für andere Vogelarten in Städten seien Rabenkrähen nicht, sagte Bund-Vizechef Löhmer. "Viel problematischer sind da frei laufende Katzen."

Und Nabu-Sprecher Thüre bezeichnete es als "ein weit verbreitetes Ammenmärchen", dass Rabenkrähen Singvögel und Niederwild ausrotten. Das sei "durch die Wissenschaft längst widerlegt". Für den Rückgang von Wiesenvogel-Arten wie Kiebitz, Uferschnepfe oder Brachvogel seien jedenfalls nicht Rabenvögel verantwortlich, meinte Bund-Vize Löhmer. Dafür kämen eher der Fuchs und marderartige Räuber infrage. Er plädierte dafür, die Jagd auf Rabenkrähen zu verbieten. Und Nabu-Chef Buschmann sagte: "Bevor man diese intelligenten Tiere zum Abschuss freigibt", sollten "erstmal belastbare und aktuelle Zahlen zu Rabenvögeln erhoben werden".

dpa

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