Zukunftsfähigkeit im Fokus

Drohnen, Helme, Schutzanzüge: Polizei bekommt neue Ausrüstung

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Die Polizei in Niedersachsen testet noch bis Oktober den Einsatz von Drohnen.

Innenminister Pistorius will mit Drohnen & Co. die Zukunftsfähigkeit der niedersächsischen Polizei demonstrieren. Aber die Bilder maroder Polizeiwachen vom Mai wirken nach. Die FDP kritisiert: Bei den Polizisten kommt von der Modernisierung bisher wenig an.

Hannover - Die Arbeit der Polizei in Niedersachsen soll mit neuer Ausrüstung schneller und sicherer werden. So sollen Drohnen mit Wärmebildkameras in Amoklagen helfen und neue Westen die Beamten besser vor Messerangriffen schützen. Außerdem wird die Expertise für chemische und nukleare Stoffe künftig landesweit gebündelt. 

Bei der Modernisierung der Ausstattung seien die Erfahrungen der Polizisten gezielt berücksichtigt worden, betonte Innenminister Boris Pistorius (SPD) am Montag in Hannover. Aus der Opposition kam dagegen Kritik an Pistorius' Polizeiarbeit. Die FDP warf dem Minister vor, sich mit Ankündigungen zur Modernisierung der Polizeiausrüstung zu überbieten, während bei den Beamten wenig davon ankomme. „Die seit 2016 angekündigten Bodycams sind jedoch weiterhin nicht flächendeckend im Einsatz und die neuen Teleskopschlagstöcke weisen so gravierende Mängel auf, dass sie nicht einsetzbar sind“, sagte FDP-Innenpolitiker Marco Genthe. 

Niedersachsen: Schimmel in Polizeiwachen

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) bemängelte, im Haushalt 2020 sei zu wenig Geld für die Polizei eingeplant. Neben der Ausstattung gehe es darum, zum Beispiel marode Dienststellen zu sanieren, sagte der GdP-Landesvorsitzende Dietmar Schilff. 

Schon im Mai hatte die Gewerkschaft der Polizei (GdP) mit Bildern aus maroden Polizeiwachen für Aufsehen gesorgt. Notdürftig geflickte Fenster, Schimmelflecken und defekte Toiletten in Polizeigebäuden an verschiedenen Orten Niedersachsens waren zu sehen. Nach damaligen Angaben des Finanzministeriums lag der Bedarf zur Beseitigung der baulichen Mängel in den Dienststellen bei rund 127 Millionen Euro. Im November 2018 war zudem eine Rattenplage beim Spezialeinsatzkommando (SEK) in Hannover in den Schlagzeilen. 

Pistorius hält dem in der Zentralen Polizeidirektion des Landes eine Reihe von Neuerungen entgegen. Bei Gefahrenlagen mit chemischen, biologischen, radiologischen und nuklearen Stoffen setzt die Polizei künftig auf ein zentrales Expertenteam, den sogenannten CBRN-Trupp: Diese Einheit von Spezialisten kann, mit Ganzkörperanzügen und Atemschutzmasken, etwa Proben von verdächtigem Pulver in Postsendungen nehmen. 

Boris Pistorius (SPD, r), Innenminister von Niedersachsen, und Thomas Prange, Polizeihauptkommissar im Innenministerium, präsentieren den neuen ballistischen Schutzhelm.

Bislang liegt die Zuständigkeit dafür in den einzelnen Polizeidirektionen. „Damit konzentrieren wir die Expertise und entlasten gleichzeitig die Einsatz- und Streifendienste in der Fläche“, sagte Pistorius. Die Gefahr von Straftaten mit chemischen Stoffen ist dem Minister zufolge in Niedersachsen nicht erhöht, könne aber auch nicht ausgeschlossen werden. Daher seien Polizisten, die sich freiwillig für die gefährlichen Einsätze gemeldet hätten, in mehrwöchigen Lehrgängen auf die Aufgabe vorbereitet worden. 

Polizei testet Drohnen-Einsatz

Den Einsatz von Drohnen testet die Polizei derzeit noch. Bislang sind landesweit erst drei vorhanden. Die Hoffnungen in die unbemannten Fluggeräte aber sind groß: So können binnen einer Stunde 3D-Modelle von Tat-, Unfall- oder Brandorten erstellt werden. Im Falle eines Amoklaufs an einer Schule könnten die Drohnen auch Hinweise auf die Position des Angreifers liefern, da sie zusätzlich mit einer Wärmebildkamera ausgestattet sind, sagte Polizeioberkommissar Matthias Hein. Bis zu 25 Minuten kann die Drohne mit einer Akkuladung in der Luft bleiben. Die Kosten liegen bei rund 7000 Euro pro Stück. Nach Ende der Erprobung im Oktober solle der Drohnenbestand aufgestockt werden, kündigte Pistorius an. Er rechne aber nicht damit, dass jede Dienststelle eine Drohne benötige. Zur Beobachtung von Demonstrationen seien die Drohnen ausdrücklich nicht gedacht. 

Kugelsichere Visiere für Polizei in Niedersachsen

Darüber hinaus stellte Pistorius einen neuen Helm vor, der vor Schusswaffen bis zu einem Kaliber von neun Millimetern und Explosionssplittern schützen soll. Als erstes Bundesland statte Niedersachsen die Polizei im täglichen Dienst auch mit kugelsicheren Visieren aus. Eine Weste zum Unterziehen soll zudem vor Messerangriffen schützen, wie bei einem Kettenhemd ist dafür ein Geflecht aus kleinen Ringen integriert. 

Als Exportschlager könnte sich die vor einem Jahr vorgestellte Polizeijacke mit integriertem LED-Blaulicht erweisen. Pistorius sagte, aus allen anderen Bundesländern habe es schon Nachfragen gegeben, selbst in Südkorea gebe es Interessenten. Die neongelbe Jacke mit den blau leuchtenden Streifen war eingeführt worden, um die Sichtbarkeit von Polizisten in der Nacht zu erhöhen.

dpa

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