Strategie gegen Corona

Niedersachsen bereitet sich auf Coronavirus-Massenimpfungen vor - 40.000 Impfdosen zum Start

Niedersachsen bereitet sich auf den Start der Impfungen vor. Die ersten, die den Impfstoff ab dem 27. Dezember durch mobile Teams erhalten sollen, sind Menschen in Pflegeeinrichtungen.

  • Niedersachsen bereitet sich auf den Start der Impfungen gegen das Coronavirus vor.
  • Die ersten Impfungen sollen ab dem 27. Dezember Menschen in und Pflegeeinrichtungen bekommen.
  • Herausfordernd sind das knappe Personal und die Lagerung des Impfstoffs.

Update vom 20. Dezember: „Wir sind sehr gut vorbereitet, die 50 Impfzentren im Land stehen und sind ebenso wie die mobilen Teams einsatzbereit“, sagte eine Sprecherin des niedersächsischen Gesundheitsministeriums in Hannover. Zum Start der Corona-Impfungen bekommt das Land Niedersachsen voraussichtlich etwa 40 000 Impfdosen. Auch in Bremen werden bis Ende Januar zwischen 30.000 und 40.000 Impfdosen erwartet. Der Bund sicherte zudem eine zügige Verteilung der Impfstoffe zu. „Wahrscheinlich werden wir zunächst 20.000 Personen impfen können“, sagt die Sprecherin in Hannover. Mittel- und langfristig entscheidend werde aber sein, dass jede Woche kontinuierlich Impfstoffe bekommen. „Wir gehen gerade zu Beginn von sehr wenigen Impfdosen aus. Jede impfberechtigte Person benötigt für einen ausreichenden Impfschutz zwei Impfungen im Abstand von 21 Tagen.“

Die ersten Impfungen sollen ab dem 27. Dezember Menschen in Pflegeeinrichtungen bekommen.

Die ersten Impfungen sollen ab dem 27. Dezember Menschen in Pflegeeinrichtungen bekommen. Aufgabe der Landkreise ist es, zu organisieren, welche Dienste in die Pflegeheime kommen, um die Bewohner zu impfen. Gleichzeitig steigt die Zahl der Neuansteckungen in Niedersachsen weiter. Der landesweite Sieben-Tage-Wert lag bei 111,3 Infektionen. Die Impfzentren starten zu einem späteren Zeitpunkt als die mobilen Teams. Für die Schutzimpfungen hat das Land mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) einen Rahmenvertrag geschlossen. Bei der KV und der Ärztekammer Niedersachsen haben sich bislang fast 2400 Ärzte gemeldet, die bereit sind, in den Impfzentren mitzuarbeiten.

Die Beschaffung des Impfstoffs liegt in der Verantwortung des Bundes

Zum Impfbeginn werde es „ein kontinuierliches Aufwachsen der täglichen beziehungsweise wöchentlichen Lieferungen geben“, teilte das Bundesgesundheitsministerium mit. Die Beschaffung des Impfstoffs liegt in den Händen des Bundes. Im Januar werde nach jetzigem Stand bundesweit mit drei bis vier Millionen Dosen gerechnet, bis Ende März sollen es insgesamt 11 bis 13 Millionen Dosen sein.

Für die zwei Präparate der Mainzer Firma Biontech und des US-Herstellers Moderna sind dem Ministerium zufolge nun insgesamt 136,3 Millionen Dosen sicher, die nahezu alle 2021 geliefert werden könnten. Mit je zwei nötigen Dosen ließen sich so rechnerisch 68,2 Millionen Bürger impfen - bei 83 Millionen Einwohnern in Deutschland.

Ursprungsmeldung vom 22. November: Hannover - Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) kündigte in der vergangenen Woche während einer Konferenz an, dass in Niedersachsen große Teile der Bevölkerung gegen das Coronavirus geimpft werden sollen, sobald ein Impfstoff verfügbar ist. Bis zu 60 Impfzentren sollen dafür landesweit auf die Regionen verteilt eingerichtet werden, sagte Reimann bei der Vorstellung der Impfstrategie des Landes. Die Zahl der infizierten Menschen in Niedersachsen stabilisiert sich aktuell auf hohem Niveau. Mit den Massenimpfungen steht Niedersachsen dennoch ein organisatorischer und logistischer Kraftakt steht bevor.

Bundesland:Niedersachsen
Landeshauptstadt:Hannover
Einwohnerzahl:7.993.608 (31. Dezember 2019)
Bevölkerungsdichte:168 Einwohner pro km²

Wann genau es losgeht mit den Impfungen, kann Ministerin Reimann noch nicht sagen. Mobile Teams solle beginnen, das Personal in Kliniken und Pflegeheimen zu impfen. Erste Priorität hätten auch Risikogruppen. Es wird davon ausgegangen, dass zum Impfstart nur eine begrenzte Zahl an Dosen verfügbar sein wird. Später sollen die Hausarztpraxen die Impfungen übernehmen.

Niedersachsen plant landesweit bis zu 60 Impfzentren

Bis zu 60 Impfzentren sollen, verteilt auf die Regionen, eingerichtet werden. „Orte und die exakte Zahl der Impfzentren werden sich in den kommenden Wochen ergeben“, sagte Innenminister Boris Pistorius (SPD). Zuständig für den Aufbau sowie Betrieb sind die Landkreise und kreisfreien Städte. An der Organisation der Massenimpfungen sollen allerdings der Katastrophenschutz, Hilfsorganisationen und die Polizei beteiligt werden.

Boris Pistorius (SPD), Innenminister Niedersachsen, und Hubert Meyer, Hauptgeschäftsführer des Niedersächsischen Landkreistages (NLT), kommen zur Landespressekonferenz im Landtag Niedersachsen.

Jedes der Impfzentren soll für rund 150.000 Menschen zuständig sein. Wie der Hauptgeschäftsführer des Landkreistages, Hubert Meyer, sagte, ist an Stadtteil- und Veranstaltungszentren als Impforte gedacht. Wichtige Punkte bei der Wahl der Orte seien die Erreichbarkeit eine gute Internetanbindung. Auch die anderen norddeutschen Bundesländer bereiten sich auf die Impfungen vor. In Hamburg wird beispielsweise darüber nachgedacht, die Messehallen zum zentralen Testzentrum zu machen. In Bremen ist die HAlle 8 auf der Bürgerweide im Gespräch.

Wann werden die Coronavirus-Impfzentren eingerichtet und wie lange sollen sie betrieben werden?

Ministerin Carola Reimann hält es für unwahrscheinlich, dass die geplanten Impfzentren gleich zu Beginn des nächsten Jahres in Betrieb gehen. Wahrscheinlicher ist es, dass die ersten Impfungen in der Hand der mobilen Teams liegen. Weiterhin entscheidend für die Entwicklung sei die Zahl der zugelassenen Impfstoffe, die Menge, in der sie nach Niedersachsen geliefert werden sowie die Lagerbedingungen.

Carola Reimann (SPD), Gesundheitsministerin Niedersachsen, informierte auf einer Pressekonferenz über den Stand der Vorbereitungen auf die Impfung gegen Covid-19 in Niedersachsen.

Neben dem Impfstoff von Biontech und Pfizer, der bei minus 70 Grad gelagert werden muss, setzt man auf weitere Impfstoffe, bei denen Kühlschranktemperatur ausreicht und das Handling einfacher ist. Eine Lagerung bei Kühlschranktemperaturen würde es erleichtern, die Impfungen zu einem späteren Zeitpunkt den Hausarztpraxen zu überlassen.

Wer als erstes geimpft wird und wer darüber entscheidet

Die Prioritäten werden bundesweit von der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut (RKI) festgelegt. Vorrang werden Angehörige der Risikogruppen haben, ebenso wie Angestellte in Kliniken, Heimen, Kindergärten und Schulen. Die Impfzentren sollen vorrangig den in Niedersachsen Versicherten offen stehen. Mit Blick auf Berufspendler wird aber auch an Regelungen mit Nachbarländern gedacht.

Coronavirus: Wie man einen Termin bekommt und wer die Imfpung bezahlt

Das Land Niedersachsen plant ein einheitliches, zentrales Terminmanagement. Neben Buchungen, die online durchgeführt werden können, soll auch auf Bürgertelefone und einen Bürgerservice gesetzt werden. Derzeit wird noch geprüft, wie gewährleistet werden kann, dass jemand zu einer Risikogruppe gehört und sich nicht andere vordrängeln. Eine Möglichkeit wäre, dies über einen QR-Code zu regeln, den man zuvor von seinem Arzt erhält.

Niedersachsen bereitet eine Strategie für Massenimpfungen gegen das Coronavirus vor.

Wichtig zu wissen ist, dass nach der ersten Impfung ein zweiter Termin notwendig ist. Je nach Impfstoff muss dieser 14 oder 21 Tage später stattfinden. Die Kosten für die Impfung werden von der Krankenkassen übernommen. Das heißt, der Versicherte muss nichts bezahlen.

Herausforderung Impfung: Knappes Personal und aufwendige Lagerung des Impfstoffs

In Kooperation mit der Kassenärztlichen Vereinigung wird das Land die Rekrutierung des ärztlichen Impfpersonals übernehmen. Dazu ist ein Aufruf geplant. „Die knappste Ressource ist das Personal“, sagte Ministerin Reimann. Allerdings sei es auch zum Betrieb der Corona-Testzentren gelungen, die erforderlichen Ärzte zu finden. Geplant sei das Gründen von Impfteams bestehend aus jeweils einem Arzt und mehrerer Helfer, die zu einer Impfung befugt sind. Ziel ist, dass ein Impfteam 20 Menschen pro Stunde impfen können soll.

Eine besondere Herausforderung neben knappem Personal wird die Lagerung des Impfstoffs sein, insbesondere die Kühlung auf minus 70 Grad, sagt Reimann. Ein Logistikunternehmen soll sich um die Anlieferung des Impfstoffes einschließlich des erforderlichen Trockeneises kümmern, die Lagerungszeit ist begrenzt. Jedes Impfstoffzentrum muss zwingend eine Kühlung vorhalten mit durchgängiger Temperaturkontrolle und -dokumentation.

Aufruf zur Impfung oder kommt eine Impf-Pflicht?

„Es wird keine Impfpflicht geben, ich erwarte eher, dass sich viele eine Impfung wünschen“, sagte Reimann. Sie sei ganz zuversichtlich, dass sich viele impfen lassen wollen. Das Land werde umfangreich über die Impfung informieren. Geplant ist eine Dokumentation des Impfverlaufs, um mögliche Nebenwirkungen zu erkennen und weitere medizinische Erkenntnisse zu gewinnen.

Unabhängig von den aktuellen Impf-Entwicklungen halten mehrere Virologen und Mediziner einer Verlängerung der bisherigen Einschränkugen für notwendig. Die Infektionszahlen sind weiterhn hoch.

Mit Material der dpa

Rubriklistenbild: © Nicolas Armer / picture alliance / dpa

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