Steigende Inzidenz auch in Niedersachen

Experte sieht ein hohes Corona-Infektionsrisiko für Ungeimpfte voraus

Passanten mit Masken gehen inmitten der Corona-Pandemie durch eine weihnachtliche Einkaufsstraße
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Nach Simulationen eines Bioinformatikers wird es etwa zu Weihnachten beziehungsweise um Neujahr herum zum Maximalwert der Sieben-Tage-Inzidenz kommen.

Ein Bioinformatiker erwartet einen Inzidenz-Maximalwert um Weihnachten und Neujahr. Er warnt vor allem Ungeimpfte, dass die größte Infektionsgefahr erst noch bevorsteht.

Hannover/Greifswald - Mit den kalten Jahreszeiten steigt das Risiko, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, aus mehreren Gründen an. Der Greifswalder Bioinformatiker Lars Kaderali sieht die größte Gefahr, insbesondere für Ungeimpfte, erst noch als bevorstehend an. Bei Infektionszahlen, die man in Mecklenburg-Vorpommern jetzt schon wieder überschritten habe, sei im vergangenen Jahr schon ein Lockdown diskutiert worden. Wie in anderen Bundesländern verschlechtert sich die Lage auch in Niedersachsen nach und nach.

Name:Universitätsmedizin Greifswald
Trägerschaft:Land Mecklenburg-Vorpommern
Ärztlicher Vorstand und Vorstandsvorsitzender:Uwe Reuter (2021)
Gründung:1794

Ungeimpfte hätten im kommenden Winter ein Infektionsrisiko, „das so hoch sein wird, wie es noch nie in der Pandemie war“, sagte der Leiter der Bioinformatik der Universitätsmedizin Greifswald. Ein Lockdown werde in diesem Jahr, aufgrund des Impfangebots, nicht diskutiert. „Im Prinzip läuft es jetzt durch“, sagt der Bioinformatiker. Das Problem, als Ungeimpfter in Quarantäne womöglich auf Gehalt verzichten* zu müssen, ist dabei noch das weniger Gefährliche.

Infektionsrisiko für Ungeimpfte: Maximaler Coronavirus-Inzidenzwert um Weihnachten erwartet

Das Infektionsgeschehen werde sich vor allem im nicht geimpften Teil der Bevölkerung abspielen. Das hätten zuletzt auch die Zahlen des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lagus) in Mecklenburg-Vorpommern gezeigt: Bei den Ungeimpften habe die Sieben-Tage-Inzidenz der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner zuletzt bei über 100 und bei den Geimpften bei 20 bis 25 gelegen. Selbst in der Gruppe der über 60-Jährigen mit großem Risiko gebe es immer noch einen substanziellen Anteil Ungeimpfter. Auch andere Experten haben Ungeimpfte bereits vor einem sehr hohen Risiko zu erkranken gewarnt*.

„Wir werden - das sieht man ja jetzt schon - steigende Inzidenzen bekommen. Das wird sich sicherlich mit einsetzendem Winter dann auch beschleunigen.“ Hinter den zuletzt gestiegenen Infektionszahlen steht laut Kaderali zum einen die einsetzende Saisonalität - es wird kälter und Menschen halten sich vermehrt in Innenräumen auf, wo sich das Virus besser verbreitet. Daneben mache sich die aggressivere Delta-Variante bemerkbar sowie die höhere Mobilität der Menschen während der Herbstferien.

Wir werden - das sieht man ja jetzt schon - steigende Inzidenzen bekommen. Das wird sich sicherlich mit einsetzendem Winter dann auch beschleunigen.

Lars Kaderali, Leiter der Bioinformatik der Universitätsmedizin Greifswald

Nach Kaderalis Simulationen wird es etwa zu Weihnachten beziehungsweise um Neujahr herum zum Maximalwert der Sieben-Tage-Inzidenz kommen. Das hänge aber davon ab, wie schnell sich der Anstieg entwickle. „Ich kann mir auch vorstellen, dass das durchaus nochmal in den 200er, 300er, vielleicht auch 400er-Bereich geht.“

Steigende Inzidenzwerte auch in Niedersachsen - Faktor Impfquote hat großen Effekt auf Entwicklung

Die Sieben-Tage-Inzidenz der Corona-Neuinfektionen ist zum Wochenbeginn in Mecklenburg-Vorpommern gestiegen. Nach Angaben des Lagus vom Montag infizierten sich zuletzt 73,9 Menschen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche nachweislich mit dem Coronavirus. Am Vortag lag der Wert laut Lagus bei 71,8, am Montag vor einer Woche bei 54,9. Sechs weitere Todesfälle wurden laut Lagus im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion registriert. Auch wenn eine Impfung nicht zu hundertprozentig vor einer Infektion schützt, formulierte der Leiter des niedersächsischen Corona-Krisenstabs, Heiger Scholz, erst kürzlich deutlich, dass sie jedoch „zu 99 Prozent vor dem Tod“* schütze.

Das größte Corona-Infektionsrisiko steht ungeimpften Menschen nach Einschätzung des Greifswalder Bioinformatikers Lars Kaderali noch bevor.

Und auch in Niedersachsen stieg die sogenannte Hospitalisierungsinzidenz am Montag leicht. Die Rate lag bei 2,4 Neuaufnahmen von Covid-19-Kranken in Kliniken pro 100.000 Einwohner während der vergangenen sieben Tage (Sonntag 2,3). Für Gesundheitsbehörden und Kommunen in Niedersachsen ist dies der wichtigste Indikator zur Bewertung der Pandemie-Situation. Auch die Inzidenz neuer Ansteckungen stieg weiter auf 61,3 nach 60,7 am Vortag. Auf den Intensivstationen der Krankenhäuser waren am Montag 4,0 Prozent der zur Verfügung stehenden Betten mit Covid-19-Patientinnen und -Patienten belegt. Damit stieg der Wert im Vergleich zum Sonntag (3,5 Prozent).

Eine genaue Vorhersage sei allerdings schwierig und hänge zum einen von dem Effekt der Saisonalität aber auch von der tatsächlichen Impfquote ab. Hierzu gebe es unterschiedliche Angaben etwa von Lagus und dem Robert Koch-Institut. Kaderalis Simulationen zeigten, dass dieser Faktor einen großen Effekt habe. Fünf Prozentpunkte mehr bei der Impfquote könnten demnach fast zur Halbierung der maximalen Sieben-Tage-Inzidenz der Infektionen führen. Einige Menschen können sich auch bereits um einen Termin zur Booster-Impfung bemühen*.

Wissenschaftler erwarten stark steigende Kosten im Winter durch stationäre Behandlung Ungeimpfter

Auch Wissenschaftler des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) erwarten in diesem Winter stark steigende Kosten durch die stationäre Behandlung ungeimpfter Corona-Patienten. Diese wären bei einer höheren Impfquote vermeidbar, wie das Institut mitteilte. Im Winter drohen den Berechnungen zufolge Ausgaben von rund 180 Millionen Euro pro Woche für die Krankenhausbehandlung von Menschen mit einer Covid-19-Erkrankung.

Wissenschaftler des Kieler Instituts für Weltwirtschaft erwarten in diesem Winter stark steigende Kosten durch die stationäre Behandlung ungeimpfter Corona-Patienten.

Seit August liege der Anteil ungeimpfter Personen an den stationären Corona-Behandlungen bei durchschnittlich fast 85 Prozent. Die Behandlungskosten pro Patient betragen nach Angaben der AOK durchschnittlich 10.200 Euro. Im Winter könnten die Ausgaben auf 180 Millionen Euro pro Woche steigen, sollte die Impfquote nicht zulegen und die Prognose des RKI von einer 7-Tage-Inzidenz von 400 pro 100.000 Einwohnern eintreten. Viele Impfmuffel machen sich Sorgen um Langzeitfolgen einer Impfung. Langzeit-Nebenwirkungen sind allerdings generell bei Impfungen nicht bekannt*. Mit Material der dpa. kreiszeitung.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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