Impfung gegen Covid-19

Niedersachsen erhält weniger Corona-Impfstoff als erwartet - Lieferprobleme bei Pfizer

Die Vergabe von Impfterminen in Niedersachsen soll Ende Januar für ältere Menschen beginnen, im Februar die Impfungen gegen das Coronavirus selbst. Doch jetzt gibt es Probleme.

  • Impftermine werden ab dem 28. Januar an ältere Menschen vergeben, die in keiner Einrichtung leben.
  • Niedersachsen hält an Verteilschlüssel des Impfstoffes gegen das Coronavirus fest, auch wenn es Kritik gibt.
  • Biontech/Pfizer haben Lieferprobleme aufgrund von Umstellungen im Produktionsprozess.

Hannover - Am 28. Januar soll es losgehen: Die Hotline sowie die Internetseite zur Vergabe von Impfterminen werden in Betrieb gehen. Personen, die älter als 80 Jahre sind und nicht in einem Seniorenheim oder einer Pflegeeinrichtung leben, sollen sich dann auch für eine Impfung gegen das Coronavirus melden können. Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) hat die Personen, die damit angesprochen sind, nun um Geduld gebeten. Beim Radiosender NDR1 Niedersachsen erklärte sie, dass das Angebot in den ersten Tagen sicher sehr häufig in Anspruch genommen werden wird. Mit den Impfungen soll schließlich im Februar begonnen werden.

Landeshauptstadt:Hannover
Einwohnerzahl:7.993.608 (31. Dezember 2019)
Regierungschef:Ministerpräsident Stephan Weil (SPD)
GesundheitsministerinCarola Reimann (SPD)

Geduld muss aber auch aufgebracht werden in Zusammenhang mit der vorhandenen Menge an Impfstoffen. Die Verfügbarkeit von Impfstoffen ist begrenzt und liegt aktuell bei wöchentlich rund 30.000 des Biontech/Pfizer-Produkts in Chargen von 975 Dosen. Nicht jedes der 50 Impfzentren in Niedersachsen kann daher wöchentlich beliefert werden.  Es sei verständlich, dass die Landkreise mehr impfen wollten, die Lieferungen an das Land aber seien begrenzt, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Freitag in Hannover. Einige Landkreise hatten sich über den Umfang und den Rhythmus der Lieferungen beklagt.

Kreis Cloppenburg beginnt ab Sonntag bereits mit der zweiten Impfdosis

Unmut über die Impfstoffverteilung in Niedersachsen gab es unter anderem in Kreisen in Ostfriesland. „Wir bedauern natürlich, dass wir unsere schwungvoll begonnene mobile Impfung in den besonders von der Pandemie betroffenen Pflegeheimen im Landkreis Wittmund nicht im gleichen Tempo fortsetzen können“, sagte Landrat Holger Heymann (SPD). Wegen fehlenden Impfstoffs musste der Landkreis die Impfungen in Pflegeheimen unter der Woche einstellen. Eine zweite Lieferung wird für den 4. Februar erwartet. In Niedersachsen haben sich rund 4000 Ärztinnen und Ärzte freiwillig gemeldet, um die Impfzentren zu unterstützen.

Der Lieferrhythmus sorgte auch in anderen eher ländlichen Regionen des Landes Niedersachsen für Unmut. Der von der Infektionswelle stark betroffene Kreis Gifhorn etwa klagte, dass er zunächst nur noch alle zehn statt alle sieben Tage beliefert wird - das bringe Planung und Abläufe durcheinander, erklärte Landrat Andreas Ebel (CDU). Auch aus der kreisfreien Stadt Emden war Unmut über die Impfstoff-Verteilung zu vernehmen. Die Verteilungsregelung sei aus Emder Sicht „unglücklich“ und führe vor Ort zu Unverständnis, sagte der Emder Stadtbaurat Andreas Docter am Freitag der „Ostfriesen-Zeitung“.

Die Kaserne im niedersächsischen Quakenbrück wird in der Corona-Krise als zentrales Impfstofflager in Deutschland genutzt.

Der Kreis Cloppenburg indes verwies darauf, dass bereits alle impfbereiten Personen in den 27 Senioren- und Pflegeeinrichtungen des Landkreises geimpft seien. „Die Impfkampagne des Landes begann bei uns am 27. Dezember, gemeinsam mit dem Landkreis Osnabrück“, sagte ein Kreissprecher. Ab Sonntag erhalten die als erste vor drei Wochen Geimpften nun ihre zweite Impfdosis. Am Samstag starte der Landkreis außerdem bereits die dezentralen Impfungen der Über-80-Jährigen, die nicht in einem Heim leben.

Trotz der Kritik hält das Land an dem beschlossenen Verteilschlüssel für den Impfstoff fest. Aus Sicht des Ministeriums sei dieser fair. Der Schlüssel basiert auf der entsprechenden Einwohnerzahl der Landkreise. Würde ein Landkreis zusätzliche Dosen erhalten, wäre das gleichbedeutend damit, sie einem anderen wegzunehmen, so der Sprecher des Gesundheitsministeriums. In Niedersachsen wurden bislang mehr als 78.000 Menschen gegen das Coronavirus geimpft. Am Freitag wurde zudem begonnen, Klinik-Personal in Osnabrück und Oldenburg mit dem neu zugelassenen Moderna-Impfstoff zu impfen. Auch beim Start der Impfungen war Niedersachsen bereits kritisiert worden, dass das Land langsamer als alle anderen vorgehe.

Kritik an Forderung einer gesonderten Einwilligung für die zweite Impfdosis

Die an Heimaufsichten gerichtete Vorgabe des Ministeriums, auch für die zweite Corona-Impfdosis eine zweite, gesonderte Einwilligung von jedem Bewohnenden einzuholen, sorgte für Kritik der Landtagsopposition. „In der jetzigen Situation ist schnelles, möglichst unbürokratisches Handeln nötig“, sagte die FDP-Abgeordnete Susanne Schütz. „Es ist nicht nachvollziehbar, warum für eine Impfung, die von vornherein auf zwei Impfdosen ausgelegt ist, zwei separate Einwilligungen verlangt werden.“

Die Grünen-Abgeordnete Meta Janssen-Kucz sagte: „Die Empörung in der Pflege ist absolut verständlich. Was da zum Wochenende aus dem Sozialministerium verlangt wird, sprengt alle Impfpläne.“ Die zweite Impfung gerate in Gefahr. Dem widersprach das Sozialministerium. Die Erfordernis einer zweiten Einwilligung sei den Heimen längst bekannt. Sie sei bundesgesetzlich erforderlich, weil es sich jeweils um einen ärztlichen Eingriff handelt.

Durch eine Umstellung im Produktionsprozess gibt es Lieferprobleme bei Biontech und Pfizer

Am Freitagnachmittag teilte das Ministerium nun mit, dass in den kommenden Wochen weniger Impfstoff der Hersteller Biontech und Pfizer zur Verfügung stehen wird. Das gilt für Niedersachsen sowie alle anderen Bundesländer. Als Grund für die Lieferprobleme wurden Umstellungen im Produktionsprozess in einem Werk des Herstellers Pfizer genannt. Die Lieferung von rund 68.000 Impfdosen, die für den 19. Januar erwartet werde, sei nicht betroffen. „Das ist ein echter Schlag ins Kontor“, sagt Gesundheitsministerin Carola Reimann, „es wird aber erwartet, dass die Folgelieferungen in den nächsten Wochen kleiner ausfallen werden.“

Die ersten Menschen erhalten bereits die zweite Impfdosis. Wer noch nicht geimpft wurde, muss jedoch weiterhin Geduld mitbringen.

Auch für das Bundesland Bremen gilt dasselbe. „Dass es jetzt erneut zu solchen Verzögerungen kommt, ist mehr als ärgerlich“, sagte die Bremer Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linkspartei). Die Planungen in allen Bundesländern bauten auf regelmäßigen Lieferungen.

Niedersachsens Ministerin Carola Reimann verwies zudem darauf, dass bereits die ursprünglich für Niedersachsen angekündigten rund 60.000 Impfdosen pro Woche nicht ausreichen, um alle impfberechtigten Personen mit der höchsten Priorität in Niedersachsen zügig zu impfen. Nun könne es noch länger dauern. Die Stabilität der Lieferungen müsse sich so schnell wie möglich verbessern. Jede kurzfristige Änderung der Impfstoffmenge habe Auswirkungen auf die Lieferpläne und führe bei den Menschen, die auf eine Impfung warten, zu Enttäuschung und in den Kommunen, die die Impfzentren betreiben, zu Unsicherheit. Mit Material der dpa.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld / picture alliance / dpa

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