Hurricane, Deichbrand und Co.

Festivals im Norden: Corona-Absagen – platzt jetzt der Sommer-Traum?

Wer sich auf den Festival-Sommer 2021 gefreut hat, ist zuletzt bitter enttäuscht worden. Viele Festivals sind bereits abgesagt. Gibt es noch Hoffnung?

Deutschlands Traditions-Festivals „Rock am Ring“ und „Rock im Park“ hatten letztes Jahr eigentlich ihre Jubiläumsausgaben geplant. Doch dann kam Corona und alle Großveranstaltungen wurden gestrichen: kein „Rock am Ring“, kein „Hurricane“, kein „Wacken Open Air“. Alles verschoben auf 2021 – so der Plan.

Hurricane Scheeßel, Eichenring
Wacken Open AirWacken
Rock am RingNürburgring
Ferdinands FeldRotenburg/Wümme

Die Lage hat sich seitdem allerdings kaum verbessert, im Gegenteil. Deutschland befindet sich nach wie vor im Lockdown, und Festivals mit Zehntausenden feiernden Menschen sind zurzeit nicht vorstellbar. Die Sehnsucht ist dennoch enorm, und viele Fans fragen sich: Ist da noch eine Chance auf einen Festival-Sommer 2021? Im vergangenen Jahr haben im April die ersten Veranstalter die Reißleine gezogen.

„Hurricane“ und „Southside“ abgesagt

Das „Hurricane Festival“ (Scheeßel/Niedersachsen) 2021 ist abgesagt und wurde auf das kommende Jahr verschoben. „Wir müssen all den Festivalverrückten, den Musikfreaks, den ganzen Live-Junkies und Lieblingsgästen da draußen irgendwie verklickern, dass das Hurricane Festival aufgrund der Infektionslage auf kommendes Jahr verlegt werden muss. Das Hurricane 2021 ist somit schon jetzt Geschichte“, heißt es seitens des Hurricane-Teams. 

Auch das „Southside“ (Neuhausen ob Eck/Baden-Württemberg), das vom gleichen Veranstalter organisiert wird, ist auf 2022 verschoben. Dieses Jahr sollte das Zwillingsfestival eigentlich vom 18. bis 20. Juni stattfinden. „Auch wenn das Licht am Ende des Tunnels wieder ein ganzes Stück nach hinten rutscht – ein Licht ist es dennoch! Wir können es jedenfalls kaum erwarten am 17. bis 19. Juni 2022 die Tore zu öffnen, die Bands auf die Bühne zu scheuchen und die Soundanlagen auf 11 zu drehen“, schreiben die Veranstalter.

Festival-Sommer: Till Lindemann beim „Wacken Open Air“

Unklar ist die Lage im schleswig-holsteinischen Wacken. Normalerweise strömen alljährlich im Hochsommer Zehntausende Metal-Fans aus aller Welt in die norddeutsche Provinz, um beim „Wacken Open Air“ (W:O:A) zu feiern. Letztes Jahr blieb es ungewohnt still. Doch werden in diesem Jahr vom 29. bis 31. Juli die Bässe auf den Wiesen und Kuhweiden wummern? Angekündigt ist unter anderem Rammstein-Sänger Till Lindemann mit seiner ersten Solo-Festivalshow.

Die Veranstalter des Heavy-Metal-Festivals hoffen nach wie vor auf die Neuauflage im Sommer. „Wir bleiben hoffnungsvoll und planen weiter“, sagte Festival-Mitbegründer Thomas Jensen am Mittwoch. „Unser später Veranstaltungstermin am letzten Juli-Wochenende erlaubt uns, die weitere Entwicklung der Situation – etwa auch hinsichtlich des Fortschritts der Impfkampagne und kommenden Entscheidungen der Bundesregierung – zu beobachten, und ermöglicht uns eine längere Vorbereitungszeit.“

„Deichbrand-Festival“ in Cuxhaven auf 2022 verschoben

Vom 15. bis 18. Juli war das „Deichbrand-Festival“ in Cuxhaven für dieses Jahr geplant, doch erst kürzlich kam die traurige Nachricht, dass dieses Jahr nicht in Cuxhaven gefeiert wird. Die Veranstalter haben das Festival verschoben, vom 21. bis 24. Juli 2022 soll es nachgeholt werden. Die Macher an der Küste stehen trotz des wirtschaftlichen Schadens hinter der Entscheidung, alle Großveranstaltungen bis Ende August abzusagen. „Wir unterstützen die Entscheidung von Bund und Ländern voll und ganz und stecken den Kopf nicht in den Sand“, schreiben sie im Netz und machen sich damit auch ein bisschen selber Mut.

Rückwärts in die Abkühlung: Der Pool ist auf dem Festival „Hill of Dreams“ bei dem sommerlichen Wetter ein Magnet.

Noch unklar: Kleinere Festivals in Bremen und Niedersachsen

Etwas später im Jahr soll das „Hill of Dreams“ in Bruchhausen-Vilsen stattfinden. Das zweitägige Elektrofestival ist für den 13. und 14. August geplant. Zwei Wochen früher, also am 31. Juli ist der Flugplatz Rotenburg Treffpunkt für Elektro-Fans. „Ferdinands Feld“-Noch sind die Termine auf den Homepages bestätigt. Immerhin konnte es 2020 unter Auflagen stattfinden. Entsprechend haben die Organisatoren Erfahrungen mit Events in einer Pandemie.

Das „NOA - Neuenkrichen Open Air“ wollte 2020 die 25. Ausgabe feiern. Das Jubiläum wurde ins 26. Jahr verlegt: Auf Sonnabend, 10. Juli 2021. Laut Veranstalter Mathias Bochow muss bis etwa Mitte April entschieden werden, ob die 2021er Auflage über die Bühne gehen kann.

Das Diepholzer „Appletree Garden Festival“ ist für den 5. bis 7. August geplant. Doch auch hier ist die Lage unklar, Tickets werden nach wie vor nicht verkauft: „Lange haben wir gehofft, euch Anfang dieses Jahres einen konkreteren Ausblick für das nächste appletree Garden geben zu können. Leider sind wir auch jetzt im März noch immer weit davon entfernt und können euch keinen Termin für den Vorverkaufsstart nennen“, heißt es seitens der Veranstalter. Diese gehen nicht davon aus, dass es ein klassisches Festival in gewohnter Größe geben wird: „Wir arbeiten an verschiedenen Varianten. Doch wir können und wollen keine Tickets verkaufen, solange wir unsere Hoffnung nicht fundiert begründen können.“

Die Festivals „Watt en Schlick“ (Dangast), „Rocken am Brocken“ (Elend bei Sorge) und „Sound of the Forest“ (Beerfelden) organisierten im vergangenen Jahr ein digitales Festival-Format: Die „Zeitgleich Festivals – Watt, Wald, Wasser“ waren als Live-Stream auf Arte zu sehen. Wie es in diesem Jahr um die Festivals steht, ist noch offen.

Die Organisatoren der „Breminale“ (Bremen) haben ein alternatives Konzept erarbeitet, um das Kulturfestival an die jeweilige Situation anzupassen. Die Breminale solle nach Informationen des Weser-Kuriers vom 21. bis zum 25. Juli wahlweise über einen Audiostream oder in verteilten Locations funktionieren.

Unser Festival ist ein Open Air Event und hat rund 1.200 Besucher und eine extrem hohe Chance im kommenden Jahr stattzufinden.

Veranstalter des „Mit Freunden“-Festival

Das „Mit Freunden“-Festival war bis 2020 als „Heimat Festival“ bekannt und ist ein kleines und familiäres Festival in der Gemeinde Scheeßel. „Wir wollen lokale Künstler, Unternehmen und Speisen an einem Tag zusammen bringen und die Vielfalt der Region zeigen“, heißt es von den Veranstaltern. Es ist für Samstag, 22. Mai 2021, geplant. Obwohl die Veranstalter fest damit planten, dass es stattfinden kann, wurde es nun abgesagt.

Für alle Ballermann-Musik-Liebhaber ist „Bremen Olé“ ein Pflichttermin. Der Termin wurde nun um rund ein Jahr verschoben. Eigentlich sollte es am Sonnabend, 21. August, auf der Bürgerweide rund gehen. Nachgeholt werden soll das Fest am 6. August 2022.

„Rock am Ring“ und „Rock im Park“ abgesagt

Die gleichzeitig stattfindenden Traditionsfestivals „Rock am Ring“ und „Rock im Park“ beispielsweise waren am zweiten Juni-Wochenende 2021 mit Headlinern wie Green Day, System Of A Down und Volbeat geplant. Diese sind abgesagt. Sie sollen nun laut der zuständigen neuen Konzertagentur Dreamhaus am ersten Juni-Wochenende 2022 wieder über die Bühne gehen.

Welche Headliner dann kommen, ist vorerst noch unklar. „Wir arbeiten am Programm“, sagte Dreamhaus-Sprecherin Claudia Schulte. So schnell wie möglich solle es erste Informationen geben. Schon in wenigen Wochen könnten Fans, die bereits in diesem oder sogar vergangenem Jahr Tickets erworben hätten, sie online für 2022 umbuchen. Später sei aber auch eine Rückerstattung möglich. Mehr als 130.000 Besucher hatten ihre Tickets von 2020 bereits auf dieses Jahr umgetauscht.

„Fusion“ sieht dem Festival-Sommer optimistisch entgegen

Ungeachtet der coronabedingten Probleme haben die Veranstalter des „Fusion“-Festivals in Lärz (Mecklenburgische Seenplatte) ihre Unterlagen zur Genehmigung eingereicht. Es sei alles fristgerecht eingegangen, erklärte eine Sprecherin des Amtes in Röbel an der Müritz am Donnerstag. Das Festival mit zuletzt rund 70 000 Besuchern war 2020 ausgefallen. 2021 soll es vom 24. Juni bis 4. Juli an zwei Wochenenden mit je 35 000 Gästen stattfinden.

Wenn Massentourismus auch 2021 zur Festivalzeit wieder möglich ist, dann können und werden wir mit unserem richtungsweisenden Test- und Hygienekonzept auch die Fusion feiern.

Kulturkosmos, Veranstalterverein der „Fusion“

Dazu will der Veranstalterverein Kulturkosmos an mehreren Stellen, darunter in Berlin, Hamburg und Lärz, Teststellen mit PCR-Tests einrichten. „Wenn Massentourismus auch 2021 zur Festivalzeit wieder möglich ist, dann können und werden wir mit unserem richtungsweisenden Test- und Hygienekonzept auch die Fusion feiern“, teilte der Verein auf seiner Internetseite mit. Man rechne mit etwa 180.000 nötigen Tests und hoffe zugleich auf Fortschritte bei der Impfkampagne.

Ob das Festival-Hygienkonzept wirklich genehmigt wird, ist noch offen. „Wir prüfen und schauen“, sagte die Sprecherin des Amtes. Unter den derzeitigen Bedingungen wäre ein solches Festival nicht genehmigungsfähig. Das Konzept liege allen Behörden vor, darunter auch Land und Kreisgesundheitsamt. Im Kreis war der Inzidenzwert zuletzt auf 88,7 gestiegen. Die „Fusion“ gilt als eines der größten alternativen Musik- und Theaterfestivals in Europa. Der Ticketpreis war wegen höheren Aufwandes von 130 auf 220 Euro angehoben worden.

Hurricane macht immer glücklich – was diese beiden Herren an einem typischen Wetter-Festivalnachmittag bewiesen haben.

Die Live-Branche ist ein Wirtschaftszweig, der besonders hart von Corona getroffen wurde. Seit März ist das Geschäft quasi stillgelegt. Betroffen sind nicht nur die Musiker, sondern natürlich auch all die Leute hinter den Kulissen - ob Tontechniker, Bühnenbauer, Caterer, Beleuchter oder Busfahrer.

Auch der Deutsche Eventverband wies kürzlich auf die „weiterhin dramatische Lage“ der Branche hin. „Es herrscht derzeit große Unsicherheit“, erklärt der Präsident des Bundesverbands der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft, Jens Michow. „So lange Abstandsregeln erforderlich sind, lassen sich allenfalls sehr kleine Veranstaltungen wirtschaftlich durchführen.“ Und: „Für die Sommerfestivals werden wir spätestens bis Mitte März Entscheidungen benötigen, in welcher Form sie stattfinden können, weil sie eine Mindestzeit zur Vorbereitung benötigen.“

Da fehlt der Geruch, die Atmosphäre, die Nähe zum Künstler und das Miteinander der Fans. Das alles kann der Bildschirm nicht liefern.

Jens Michow, Präsident des Bundesverbands der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft

Laut Jens Michow hat die Branche den Herbst und Winter genutzt, um mögliche Konzepte zu erstellen. Seiner Einschätzung nach werden umfassende Infektionsschutzmaßnahmen, wie zum Beispiel Corona-Schnelltests, erst einmal Voraussetzung sein für den Veranstaltungsbesuch. Er hofft hier auch auf Unterstützung seitens der Politik. Inwiefern bei großen Festivals Schnelltests bei „derart vielen Menschen durchgeführt werden können, wird noch zu prüfen sein“. Das nächste Problem sei das internationale Booking, so sei völlig unklar, ob etwa Bands und Künstler aus England oder den USA nach Deutschland kommen könnten.

Um die Crew-Mitglieder zu unterstützen, hatten kürzlich deutsche Künstler wie Die Fantastischen Vier, Joy Denalane, Milky Chance oder Peter Maffay das virtuelle #lauterwerden-Festival ins Leben gerufen. Sie verzichteten auf ihre Gage auf und riefen zu Spenden für die Crews auf: Bislang wurden bereits mehr als 850.000 Euro gesammelt.

Überhaupt haben einige Künstler zuletzt auf Streaming-Konzerte gesetzt, beispielsweise US-Sängerin Billie Eilish oder die koreanische Boyband BTS. Aber kann der virtuelle Auftritt im heimischen Wohnzimmer das Live-Erlebnis - etwa bei einem großen Musikfestival - ersetzen? „Keine Chance“, meint Jens Michow. „Da fehlt der Geruch, die Atmosphäre, die Nähe zum Künstler und das Miteinander der Fans. Das alles kann der Bildschirm nicht liefern.“ dpa/awt/hab/ms

Rubriklistenbild: © Andree Wächter

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