Pandemie in Deutschland

Corona-Inzidenz in Niedersachsen: Weil will Kontaktbeschränkungen für Geimpfte

Die Inzidenz in Niedersachsen steigt nur noch minimal. Für die Zeit nach Weihnachten spricht sich Stephan Weil aber für Kontaktbeschränkungen auch für Geimpfte aus.

Hannover/Berlin – Wie geht es weiter in der Corona-Pandemie? Nachdem Bund und Länder in der vergangenen Woche bei einem Corona-Gipfel härtere Maßnahmen im Kampf gegen das Covid-19-Virus beschlossen haben, müssen sich insbesondere Ungeimpfte auf deutliche Einschränkungen im Alltag einstellen. Nun hat Niedersachsens Regierungschef Stephan Weil angekündigt, dass es dabei nicht bleiben werde. Seinen Vorstellungen nach sollen mit Blick auf die Corona-Inzidenz in Niedersachsen und bundesweit nach Weihnachten auch für Geimpfte deutlich stärkere Kontaktbeschränkungen gelten. Seinen Vorschlag will Weil in der nächsten Bund-Länder-Runde einbringen.

Ministerpräsident von Niedersachsen:Stephan Weil
Geboren:15. Dezember 1958 (Alter 62 Jahre), Hamburg
Ehepartnerin:Rosemarie Kerkow-Weil (verh. 1987)
Partei:Sozialdemokratische Partei Deutschlands

Vor Bund-Länder-Gipfel: Weil will mit Blick auf die Corona-Inzidenz mehr Kontaktbeschränkungen bei Geimpften

Weil bekräftigte in einem Interview mit der Zeitung „Die Welt“ seinen Vorschlag einer Kontaktpause über Neujahr – quasi eine Neujahrs-Ruhe als Wellenbrecher. „Klar ist, dass es über Weihnachten zahlreiche Familienkontakte geben wird. Die werden nach aller Erfahrung auch wieder für eine Reihe von Ansteckungen sorgen“, so der Politiker mit Blick auf die Corona-Inzidenzen und Kontaktbeschränkungen von Geimpften. „Es ist also eine Überlegung wert, ob man die damit verbundene Infektionsdynamik nicht durch eine begrenzte Auszeit abmildern sollte.“ Vor den Weihnachtsfeiertagen rechnet derzeit der Apothekerverband mit weiteren Engpässen bei Schnelltests.

Eine Mitarbeiterin der Pflege steht in einem Zimmer einer Corona-Intensivstation.

Eine verlängerte Weihnachtspause – diese Idee vertritt der niedersächsische Ministerpräsident bereits seit einigen Wochen und machte dies in mehreren Interviews immer wieder deutlich. Bei der kommenden Ministerpräsidentenkonferenz am Donnerstag will er erneut für seinen Vorschlag werben. Im Anschluss folgt voraussichtlich die erste Besprechung mit dem bis dahin wahrscheinlich gewählten neuen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD). „Dann werden wir uns natürlich auch Gedanken darüber machen müssen, wie es nach Weihnachten weitergehen soll“, so Weil.

Corona in Deutschland: Mehrheit befürwortet schärfere Kontaktbeschränkungen aufgrund der hohen Inzidenzen

Indes begrüßt eine Mehrheit der Deutschen die beschlossenen Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte. Wie aus einer repräsentativen Befragung des Instituts Civey für die „Augsburger Allgemeine“ hervorgeht, vertreten drei von vier Befragten die beschlossenen Corona-Regeln und -Maßnahmen aufgrund der dramatischen Inzidenzen in Deutschland. Demnach halten 74 Prozent die Kontaktbeschränkungen für richtig, 23 Prozent lehnen sie ab und drei Prozent zeigten sich unentschlossen. Insgesamt wurden vom 02. Dezember bis zum 5. Dezember 5020 Menschen aus Deutschland befragt.

Dabei auffällig: Laut Umfrage stoßen die neuen Regelungen mit 2G-Plus und 2G im Einzelhandel bei fast allen Anhängern der großen deutschen Parteien auf Zustimmung. Ausnahme ist die AfD. Ihre Wähler sprechen sich mit 77 Prozent mehrheitlich gegen die Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte aus. Große Zustimmung kommt hingegen von denjenigen, die den Grünen (90 Prozent), der SPD (89 Prozent) und der Union (87 Prozent) nahestehen. In Niedersachsen wurden derweil Lockerungen für die 2G-Plus-Regel im öffentlichen Leben beschlossen: Diese gelten allerdings nur für Menschen mit Booster-Impfungen.

Bundesweite Inzidenz steigt leicht: Sieben-Tage-Inzidenz in Niedersachsen bei 204,6 – 81 neue Corona-Tote

Derweil ist die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz leicht gestiegen. Das Robert Koch-Institut gab die Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner am Montagmorgen mit 441,9 (Vortag: 439,2) an. Vor einer Woche lag Wert bei 452,4 (Vormonat: 183,7). Experten gehen davon aus, dass derzeit eine merkliche Untererfassung vorliegt: Gesundheitsämter und Kliniken kommen demnach mit der Meldung von Fällen zumindest in einzelnen Regionen nicht mehr hinterher. Deutschlandweit wurden den Angaben zufolge binnen 24 Stunden 81 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus verzeichnet.

Inzidenz in Niedersachsen: Landkreis Cloppenbrug weiterhin Corona-Spitzenreiter

Wie aus dem RKI-Dashboard (Stand: 6. Dezember 2021, 3:27 Uhr) hervorgeht, liegt die aktuelle Sieben-Tage-Inzidenz in Niedersachsen bei 204,6 (Vortag: 203,5) und es gab einen weiteren Todesfall. Derzeit sind im Bundesland etwa 1200 Fälle aktiv. Besonders stark betroffen sind weiterhin der Südosten und der Westen. In Salzgitter liegen die Fälle pro 100.000 Einwohner bei 364,9 und im Landkreis Cloppenburg bei 386,4. Weiterhin als einziger Landkreis unter der 100er-Marke liegt Holzminden (94).

Hospitalisierungsrate in Niedersachsen: Auslastung der Intensivbetten steigt

Auch die Auslastung der Intensivbetten nahm zu: Mit 10,5 Prozent (Vortag: 9,9 Prozent) überschritt ein weiterer Indikator die Schwelle für die Warnstufe 2, die bereits in weiten Teilen des Landes gilt. Die Hospitalisierungsrate sank hingegen leicht von 6,2 auf 5,9. Der Wert gibt an, wie viele Infizierte in den vergangenen sieben Tagen pro 100 000 Einwohner neu in eine Klinik kamen.

2G-Plus in Niedersachsen: Neue Corona-Regeln stoßen auf wenig Gegenliebe

Nachdem in Niedersachsen Warnstufe 2 ausgerufen wurde, gelten im öffentlichen Leben deutlich schärfere Maßnahmen. Dabei wird unter anderem im Einzelhandel auf 2G- oder 2G-Plus-Modelle gesetzt. Während sich die Republik also wieder einigelt, formiert sich gegen die Corona-Regel 2G-Plus in Niedersachsen allerdings Widerstand. Viele Menschen sehen in den Maßnahmen einen Lockdown durch die Hintertür.

Bei 2G-Plus kommt quasi eine Mischung aus 2G und 3G zutragen: Bei einer 2G-Plus-Regel müssten beispielsweise Clubbesucher geimpft oder genesen sein. Zusätzlich müssten die Männer und Frauen vorm Eintritt einen negativen Schnelltest vorlegen. Leidtragender dieser Maßnahmen ist unter anderem der Einzelhandel: Schon bei 2G-Regeln befürchteten sie starke Einbußen.

Corona-Winter: Menschen sollen nicht einsam sterben müssen

Durch die hohen Fallzahlen rechnen Mediziner weiterhin damit, dass in den kommenden Wochen die Intensivstationen voll bleiben werden. Für Patienten, die künstlich beatmet werden müssen, stehen die Überlebenschancen weiterhin bei 50 Prozent. Doch nicht nur Menschen mit Corona sterben in den Krankenhäusern, sondern auch Patienten mit anderen schweren Erkrankungen. Während der vierten Corona-Welle wollen Ärzte und Patientenschützer in Niedersachsen verhindern, dass Menschen einsam sterben müssen.

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Wegen des Infektionsgeschehens gebe es in mehreren Regionen derzeit wieder Besucherverbote. Ausnahmeregelungen gebe es zum Beispiel für Menschen auf der Intensiv- oder Palliativstation, sagte der Sprecher des Klinikverbunds Diakovere, Matthias Büschking. In der ersten Corona-Welle seien Menschen ohne jede Begleitung gestorben. Das habe bei vielen Spuren hinterlassen und dürfe nicht wieder vorkommen.

Wie der Sprecher betont, würden die Ausnahmeregelungen auf anderen Stationen strenger eingehalten. Dort dürfen nur Patienten besucht werden, die akut im Sterben liegen. Ein Krebskranker im Endstadium, der noch einige Wochen zu leben habe, hingegen nicht. In den Hospizen dürfen Patientinnen und Patienten nach wie vor besucht werden. Voraussetzung ist, dass die Besucherinnen und Besucher geimpft oder genesen sind und einen negativen Corona-Test vorweisen können. (mit Material der dpa) * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Fabian Strauch/dpa/Illustration

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